Das Netz, Digitales Leben
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Vom „Ich bin dann mal weg“-Phänomen im Netz

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Regelmäßig befällt sie mich, die lähmende Müdigkeit im Netz, die von vielen einfach nur als Social-Media-Müdia bezeichnet wird. In dieser Zeit habe ich weder Lust zu bloggen noch reizt es mich, bei Facebook zu kommentieren oder Tweets abzusetzen. Ich habe schlichtweg das Gefühl, nichts Erbauliches zum allgemeinen Netzgemurmel beitragen zu können und lasse es deshalb gleich bleiben.

Mit diesem Gefühl befinde ich mich übrigens in bester Gesellschaft wie ich unlängst bei Facebook feststellen konnte, auch wenn es sich bei Annette Schwindt und Christa Goede eher um eine Blogkrise als um eine globale Social-Media-Krise handelt.

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Seit einiger Zeit aber entdecke ich eine andere Bewegung im Netz, die ich im Titel dieses Beitrags als „Ich bin dann mal weg“-Phänomen bezeichnet habe. Hierbei handelt es sich um aktive Blogger und leidenschaftliche Nutzer verschiedenster sozialer Netzwerke, die sich auf unbestimmte Zeit und manchmal auch ganz aus dem Netz verabschieden. Von den vielen „Ich verzichte in der Fastenzeit auf Facebook und Twitter“-Menschen will ich erst gar nicht reden.

Aber wie kommt es dazu, dass Blogger, die in Deutschland bekanntlich kein Geld mit ihrem kreativen Tun verdienen und deshalb vornehmlich intrinsisch motiviert sind, sich von ihrem eigenen Tun so stark unter Druck gesetzt fühlen, dass sie gepflegte und gut besuchte Blogs auf Eis legen und sich in den sozialen Netzwerken abmelden?

Oben genannte Social-Müdia sitze ich übrigens stets aus, der Gedanke, mich jedoch komplett aus dem Netz zurückzuziehen, ist mir noch nie gekommen. Facebook, Twitter, Instagram und Co. gehören für mich zur privaten bzw. beruflichen Kommunikation genauso dazu wie das Telefonieren oder der Schwatz mit der Nachbarin über den Zaun hinweg. Nichts von alledem wollte ich mehr missen.

Beim Bloggen sieht es genauso aus. Auch wenn die schönsten Blogger-Redaktions-Pläne im Netz umherschwirren, gehöre ich doch eher zu der Spezies der Planlosen. Ich schreibe, wenn ich etwas zu sagen habe (und die Zeit zum Bloggen finde) oder schweige. So einfach ist das. Im Zweifel gibt es dann nur einen Beitrag im Monat und das tut noch nicht einmal weh. Außerdem beschert mir diese Phase des „Nichtstuns“ ausreichend Zeit, um andere Blogs zu lesen, und schließlich wollen wir das doch alle: Gelesen werden.

Ich kann nur allen raten, die mit dem Gedanken spielen, sich auf den „netzlosen“ Weg zu begeben, sich diesen Schritt gut zu überlegen. Seid ehrlich mit euch und schaut genau hin, was der eigentliche Grund für euren Wunsch zum Rückzug ist.

Auszeiten nimmt man sich gerne, wenn der Druck von außen zu groß wird, wenn die Last aber selbstauferlegt ist, wird man sie vermutlich auch offline nicht abschütteln können. Zudem sollte man die Unterstützung der Menschen im Netz nie unterschätzen, von denen man sich beim „Ich bin dann mal weg“-Phänomen ja gleich mit verabschiedet. Machen wir uns nichts vor, der Austausch mit ihnen wird per Email nicht derselbe sein wie per Tweet oder Kommentar und im Zweifel ganz einschlafen.

Und nun interessiert mich natürlich brennend, wie eure Erfahrung mit der Social-Müdia oder gar mit dem „Ich bin dann mal weg“-Phänomen sind. Und vielleicht habt ihr ja gerade wegen der eigenen Blog-Pause Zeit, meinen Beitrag zu lesen und zu kommentieren.

11 Kommentare

  1. Margit sagt

    Ich bin seit September nicht mehr in Facebook. Irgendwie hatte ich meinen Facebook-Konsum einfach nicht mehr im Griff. Das Gefühl, FB stiehlt mir Lebenszeit und ich bin süchtig, wurde immer stärker. Als mich dann FB im September wegen Klarnamenzwang sperrte und ich nur mit Hilfe einer Ausweiskopie wieder aktiv hätte sein können, betrachtete ich dies als Wink des Schicksals und blieb einfach weg (es ging ja technisch auch nicht mehr, ich kam nicht mehr rein).
    Klar fehlt mir FB an manchen Stellen, aber gleichzeitig merke ich auch, dass ich weniger „heruntergezogen“ werde. Gerade die derzeitige Krise (ich will sie bewusst nicht Flüchtlingskrise nennen, denn eigentlich hat die Deutsche Gesellschaft gerade ein Problem mit sich selbst bzw. untereinander) empfand ich in FB als sehr anstrengend und deprimierend.
    Ich vermisse allerdings die Kommunikation zu bestimmten Themen. Früher gab es noch viele Foren im Netz – heutzutage tauscht sich alles auf FB aus. Und wenn du nicht in FB bist, bist du von dieser Art des Austausches fast immer ausgeschlossen.
    Aber – solange ich mir nicht sicher bin, ob ich wieder zu viel Zeit in FB verbringen würde, bleibe ich weiterhin fern.

    • Stefanie Leo sagt

      Hallo Margit, das mit dem Facebook-Konsum kenne ich noch aus meinen Anfangszeiten vor sechs Jahren. Da war alles so spannend und neu und am liebsten hätte ich jeden „Gefällt mir“-Klick damals gerne live erlebt. Mittlerweile habe ich das aber gut im Griff und eigentlich nie das Gefühl, dass mir Facebook Zeit „stiehlt“.
      Bei Facebook habe ich gelernt über Belangloses hinwegzulesen, ebenso über so manche Kommentare. Trotzdem wollte ich das Netzwerk alleine wegen seiner Gruppen nicht missen, den Austausch dort würde ich schon sehr vermissen.
      Dir alles Gute, wo immer du im Netz noch anzufinden bist.

  2. Liebe Stefanie,

    die Social-Media-Müdigkeit befällt mich – einmal abgesehen von der Grundmüdigkeit der letzten Monate, die andere Ursachen hat – immer dann, wenn ich ratlos vor dem Weltgeschehen stehe. Weil ich ja fortwährend der Meinung bin, ich müsste das meiste irgendwie und irgendwo kommentieren, kommt natürlich auch auf den verschiedenen Plattformen deutlicher Gegenwind. Der macht mir meistens nichts aus, aber bei reichweitenstärkeren Artikeln sind auch wüste Beleidigungen und versteckte Drohungen enthalten – etwas, das wohl die meisten von uns deutlich an ihre Grenzen bringt. Ich „bin dann auch mal für ein paar Tage weg“, wie Du das so schön beschrieben hast. Allerdings meistens kurz und aus reiner Selbstfürsorge. Dann wird mir die Lautstärke der Marktschreier im Netz einfach zu groß, ich sehne mich nach Ruhe und nach möglichst wenigen Menschen bzw. Stimmen.

    Was ich sehr schön finde, ist Dein Hinweis, dass man sich dabei auch immer von der Unterstützung verabschiedet. Das ist ein sehr, sehr wichtiger Punkt, denke ich. Das Fehlen meines Netzwerkes wird mir in diesen kurzen Auszeiten nach kürzester Zeit bewusst, und ich versuche mich wieder auf die viel größere Zahl an positiven Rückmeldungen, Kommentaren und Zuspruch zu konzentrieren. Es liegt wohl in unserer Natur, dass wir uns immer viel zu sehr auf die negativen Seiten stürzen, statt auch unser eigenes Schreiben und Kommunizieren im größeren Kontext zu verorten. 🙂

    Dir jedenfalls vielen Dank für die klugen Worte. Ich freue mich immer sehr, Dich hier und anderswo zu lesen. Und dieser Beitrag ist doch eigentlich ideal, um von der stillen Blogleserin zur Kommentierenden zu werden.

    • Stefanie Leo sagt

      Liebe Julia,

      danke für deinen ausführlichen Kommentar.
      Nach deinem Beitrag mit all seinen Kommentaren hätte ich mich vermutlich auch für ein paar Tage verabschiedet. Ich hätte mich auf meine Yogamatte gehockt, meine Meditationsapp aufgerufen und mir mehr als einen Moment für mich gegönnt. Aber genauso wie du, wäre ich dann auch wieder aufgetaucht, weil ich tief im Inneren weiß, dass das Netz unheimlich viele gute Möglichkeiten bietet und mir Menschen in mein Leben spült, die ich sonst nie und nimmer kennengelernt hätte. So Menschen wie dich!

      Steffi

  3. Hallo meine Liebe!! Ich merke, dass ich abwesend bin, wenn ich grade an einem Projekt intensiv arbeite, dann tauche ich ab und merke dann nicht, dass ich ne ganze Weile gar nichts mehr schreibe… Ja, und ich bin auch eher dafür eine kurze Pause zu machen wenn man nichts zu sagen hat, als dann irgendwas zu posten… 🙂

  4. Hallo!
    Ich kenne dieses „Ich bin dann mal weg“- Phänomen sehr gut, denn es überkommt mich hier und da selber mal. Das ironische an der Sache ist aber, das mein Blog aus genau so einer Laune heraus entstanden ist und noch ironischer, das wahrscheinlich niemandem auffallen wird, wenn ich mal eine endgültige Pause einlege.
    Zuletzt habe ich mir vor Weihnachten einfach mal ein paar Wochen „Auszeit“ gegönnt was für mich vor allem heißt ein paar Wochen kein Facebook.

    • Stefanie Leo sagt

      Hallo Rena,
      was genau war der Anlass für die Facebook-Auszeit? Das würde mich wirklich sehr interessieren.
      Liebe Grüße
      Steffi

      • Hallo Steffi,
        ich war das ewig gleiche einfach satt. Wie oben schon geschrieben wurde, hat ja auf Facebook jeder etwas zu der aktuellen „Krise“ zu sagen. Oder zumindest glauben viele sich hier äußern zu müssen. Dazu dann noch die ewig gleich Bildchen und Videos die es einem fast unmöglich machten, das wirklich wichtige dazwischen zu finden. Da fand ich es an der Zeit einfach mal alle Benachrichtigungen aus zu stellen und mir einfach mal etwas Ruhe zu gönnen.

        • Stefanie Leo sagt

          Und? Bist du wieder zurück? Hast du eine Lösung gefunden?
          Ich nutze ja bei Facebook Listen und habe bei interessanten Seiten angeklickt, dass sie mir oben im Newsfeed angezeigt werden. So habe ich die Nachrichten ganz gut im Griff.

          • Ja, ich bin seit Januar wieder zurück. Habe sämtliche Benachrichtigungen abgestellt und schaue nur noch dann rein wenn ich wirklich Lust drauf habe. Das einzige was sich noch automatisch melden darf ist twitter.

  5. Miriam T. sagt

    Hallo an Steffi und an alle anderen Leser,
    ich hatte mich letzten Oktober eher still und heimlich aus Facebook verabschiedet. Schon lange hatte ich mit diesem Gedanken gesponnen und nachdem ich mir bewusst gemacht hatte, dass ich meine besten Freunde und Familie auch über WhatsApp, E-Mail oder persönlich kontaktieren kann, fiel mir die Entscheidung umso leichter. Und ich muss sagen, dass ich Facebook seitdem kein bisschen vermisst hatte – ich hatte oft die Momente wie in meiner Kindheit vermisst, in denen man sich ganz auf eine Sache konzentrieren konnte und nur „handfeste“ Gegenstände ohne irgendetwas digitales zur Verfügung hatte. Stichwort Bücher – durch das ständige Scrollen in Facebook (ein „Manko“ der Generation Y) hatte ich meine größte Leidenschaft – das Lesen – vernachlässigt.
    Mit der Unterstützung im Netz hast du jedoch durchaus einen wunden Punkt getroffen. Bis jetzt habe ich die früheren Informationen aus Facebook durch andere Netzwerke oder Recherche ersetzt. Doch was passiert, wenn man Kampagnen starten, sich in Gruppen engagieren oder seine Meinung vielen anderen Leuten publik machen möchte? Da Facebook dafür das beste Mittel und „Propaganda“ ist, wurde diese Möglichkeit erschwert.
    Ganz gleich, ob ich nun hoffnungslos altmodisch, naiv oder vom Druck zur Interaktion und Alles-Lesen-und-Wissen überfordert bin, habe ich für diesen Abschnitt meines Lebens eine erholsame Entscheidung getroffen. Geht es auch anderen so?

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