Best Blog Award: wie das Stöckchen mit 11 Fragen unter Buchblogs lief
„Was machst du morgens als Erstes?“, „Selber kochen oder bekocht werden?“, „Welches Tier wärst du gern im nächsten Leben?“ – Fragen dieser Art kursierten Anfang 2014 zwischen zahllosen deutschsprachigen Blogs, vor allem in der Buch-, Back- und Krimiszene. Sie gehörten zum Best Blog Award, einem sogenannten Blogstöckchen, das von Blog zu Blog weitergereicht wurde.
Das Prinzip
Ein Stöckchen wird zugeworfen, wer es fängt, wirft es weiter. Beim Best Blog Award bestanden die Regeln aus wenigen Schritten. Wer nominiert worden war, schrieb einen Beitrag zum Thema, fügte die kleine Award-Grafik ein und verlinkte die Person, von der die Nominierung stammte. Dann beantwortete man deren elf Fragen, dachte sich elf eigene aus und reichte sie an möglichst zehn weitere Blogs weiter, die ebenfalls verlinkt wurden.
Viele empfanden das Beantworten als den leichten Teil. Deutlich kniffliger war es, elf neue Fragen zu finden, die nicht schon hundertmal gestellt worden waren, und genügend Blogs zu nennen, die noch nicht nominiert waren. Die Zahl zehn wurde deshalb oft unterschritten.
Typische Fragen
Die Fragen reichten vom Alltäglichen bis zum Philosophischen. Man wollte wissen, ob das Glas halbvoll oder halbleer sei, wie sich gemeinsames Schweigen anfühle, was einem die Eltern mitgegeben hätten oder woraus man Energie schöpfe. Unter Buchbloggerinnen durfte die Frage nach dem Buch auf dem Nachttisch nicht fehlen, ebenso wenig die nach den guten Vorsätzen fürs neue Jahr oder nach der Plattform, auf die man am wenigsten verzichten könne.
Die Antworten gaben einen Blick hinter die Rezensionen frei: auf Familienleben, Lieblingswege zu Fuß, die Hassliebe zur Bahn oder die Angst vor Empathielosigkeit.
Wozu das gut war
Hinter dem Spiel stand ein handfester Nutzen. Die gegenseitigen Verlinkungen machten kleinere Blogs bekannter, Leserinnen entdeckten neue Seiten, und die Szene vernetzte sich. Gleichzeitig war der Award ein Kettenbrief mit freundlichem Gesicht, und manche Nominierte fühlten sich eher verpflichtet als geehrt.
Mit dem Aufstieg von Instagram und anderen Plattformen verloren solche Stöckchen an Bedeutung. Verwandte Formate wie der „Liebster Award“ funktionierten nach sehr ähnlichen Regeln.
Wer heute noch einen solchen Beitrag findet, liest ihn fast wie ein kleines Zeitdokument.
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