Die Arbeit
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Ein bisschen Weihnachtsgeschäft

Stern aus Buchseiten

„Ein bisschen Weihnachtsgeschäft“ hat was von „ein bisschen schwanger“. Beides gibt es nicht. Dennoch habe ich in den letzten zwei Wochen ansatzweise versucht, in das Weihnachtsgeschäft einer kleinen inhabergeführten Buchhandlung, der Schatzinsel in Solingen-Ohligs, zu schnuppern. Denn von mehr als Schnuppern kann nicht die Rede sein, wenn die eigene Arbeitszeit mittags endet. Einen ersten Einblick in den ganz normalen vorweihnachtlichen „Wahnsinn“ bekommt man jedoch allemal.

08:45 Uhr
Die Tür ist noch verschlossen, aber wir wuseln uns schon durch die gestern bestellen Bücher, die den Kunden zugeordnet und alphabetisch ins Abholfach eingeordnet werden. Diese werden ganz früh morgens vom Großhändler angeliefert, also zumindest wenn uns Schnee und Eis keinen Strich durch die Rechnung machen.

09:00 Uhr
Das Licht geht an (mittlerweile weiß ich auch wo), die Markise wird rausgefahren und wir hoffen auf einen trockenen Tag, so dass wir die vielen Kartenständer ansprechend im kleinen Hausflur und vor dem Geschäft drappieren können. Ich werde es nie lernen, welcher Ständer wohin kommt.

09:01 Uhr
Die ersten Kunden betreten den Laden, gleichzeitig klingelt das Telefon. „Nein, tut uns leid, die Tonie-Box haben wir auch nicht mehr.“ – eine Antwort, die wir heute bestimmt noch zwanzigmal geben werden.

09:15 Uhr
Gerade ein wenig Luft, da kann ich doch mal schnell den Wareneingang für die Shopbestellungen machen …

09:17 Uhr
… haha, von wegen! Wo kommen denn plötzlich die sechs Kunden her. Wareneingang zur Seite gelegt, Weihnachtskarten und Bücher kassiert. „Können Sie mir das Buch einpacken?“ – aber gerne doch. Soviel Zeit muss sein!

09:18 Uhr
Die Kollegin grinst über mein stotterndes Papierabreißen. Jaja, das mit dem Schwung nach oben habe ich einfach nicht raus, aber vielleicht ist mein Oben eben auch nicht euer Oben. Bin ja schließlich mit Abstand die Kleinste hier! – Aber schön eingepackt ist es jetzt. Das Buch.

09:27 Uhr
Yeah, es sieht gut aus. Schnell den Wareneingang beenden.

09:35 Uhr
Man könnte meinen, jemand hätte eine ganze Busladung Kunden vor unserer Tür abgesetzt. Erstaunlich wieviel Platz so ein Buchhandlung doch bietet. Bestellungen werden abgeholt, neue Bestellungen getätigt (hoffentlich ist keine Meldenummer 15 dabei, mit der könnte es nämlich bis Weihnachten knapp werden) und jede Menge Bücher verpackt. Und ja, es ist ein Dompfaff und kein Rotkehlchen auf unserem beliebtesten Weihnachtspapier.

10:00 Uhr
Ist nicht langsam Zeit für unsere Tasse Kaffee? Da ist sie ja schon. Die Langenscheidt-Tasse ist jetzt meine. Jippihh! Ich habe schon eine eigene Tasse.

10:15 Uhr
Die Eintrittskarten für die Lesung mit Peter Wohlleben sind bereits ausgedruckt und auf A6 geschnitten. Schnell noch vor dem nächsten Ansturm durchnummerieren und stempeln. Geschafft!

10:34 Uhr
„Kann ich Ihnen weiterhelfen?“ – „Ja, ich suche ein Buch für meinen fünfzehnjährigen Sohn. Erebos mochte er, aber sonst liest er nicht so viel.“ – „Da kann ich Ihnen Ready Player One empfehlen. Dieser Science-Fiction-Thriller wird von Steven Spielberg gerade verfilmt und kommt im Frühjahr 2018 ins Kino.“

10:40 Uhr
Aus unserer tollen Maschine schmeckt auch kalter Kaffee.

11:00 Uhr
Weiter geht’s! Die Kunden sind freundlich, geduldig und bislang konnten wir noch alle Wünsche erfüllen (alle bis auf die Tonie-Box).

12:00 Uhr
Noch kann ich nicht gehen, ist schließlich gerade supervoll. Aber ein paar Minuten später ist es wieder ganz leer. Diese Kunden-Wellen sind schon echt krass. Ob die Leute diesen Einkauf-Flashmob spontan vor dem Laden planen?!

So oder so ähnlich sahen meine Vormittage in den vergangenen zwei Wochen aus. Und eigentlich geht es in der kommenden Woche – DER Woche – erst richtig los. Im Vergleich dazu war meine Zeit hier wohl eher homöopathisch dosiert.

Nichtsdestotrotz hat mir mein bisschen Weihnachtsgeschäft viel Spaß bereitet, ich habe viel gelernt, kann Geschenkpapier immer noch nicht richtig abreißen, dafür aber Bestellungen tätigen und bibliografieren. Und ich ziehe meinen imaginären Hut vor den Buchhändlern und -innen, überhaupt vor allen im Einzelhandel arbeitenden Menschen. Was ihr in der Vorweihnachtszeit leistet, ist großartig. Danke dafür!

 

1 Kommentare

  1. Daniela Pe sagt

    Liebe Steffi,
    toller Beitrag, jetzt bin ich den Buchhändlern noch dankbarer für Ihren Job! Und das mit dem Einkauf-Flashmob ist einfach genial!
    Alles Liebe,
    Daniela

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