Der Alltag, Konglomerat
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Tag des Tagebuchs oder Tag des schlechten Gewissens

IMG_2151Heute ist Tag des Tagebuchs*, bei mir ist es aber eher der Tag des schlechten Gewissens, denn leider sind sämtliche Bemühungen, das Tagebuchschreiben meiner Jugend wiederzubeleben, bislang kläglich gescheitert.

Was kann so schwer daran sein, ein paar Statements zum Tag abzugeben und dann noch das Kreuzchen bei Regen, Wolken oder Sonne zu machen? – Ich schaffe das irgendwie nie, weshalb mein wunderbarer „WegBegleiter – Zehn Jahre Leben“ vermutlich eines Tages höchstens zwei Jahre meines Lebens wiedergeben wird.

Schade, sehr schade, denn das Prinzip, auf einen Schlag die vergangenen Jahre zu betrachten, finde ich ansonsten ziemlich klasse. Wenn Frau denn das tägliche Schreiben nicht regelmäßig vergessen würde …

Der Tag des Tagebuchs hat aber heute auch dazu geführt, dass ich mich auf die Suche nach meinen alten Tagebüchern begeben habe. Und tatsächlich bin ich nach nur kurzer Suche fündig geworden. Sehr erstaunt war ich über die Anzahl meiner Tagebücher. Neben diverser Reisetagebücher meiner Amerika- und Skandinavienbesuche habe ich doch tatsächlich sechs Tagebücher gefunden, die eine Zeitspanne von knapp 5! Jahren umspannen. Scheinbar war ich ja doch einmal eine fleißige Tagebuchschreiberin – oder hatte eben ohne Mann, drei Kinder und zwei Hunde genügend Zeit zu schreiben 😉 Vielleicht ist es aber auch das Alter bzw. die Jugend gewesen. Wenn man zwischen 15 und 19 Jahren alt ist, dreht sich die Welt einfach ein wenig schneller.

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Mein erstes Tagebuch

Und vermutlich wird das Auffinden meiner Tagebücher und das sicherlich noch folgende, völlig sentimentale Rumblättern in meinen rund 28 Jahre alten Gedanken noch ganz andere Vorteile bringen. Schließlich ist die neue Pubertisten-Generation im eigenen Haus schon auf dem Vormarsch und da kann das Lesen in den eigenen – von der Pubertät sicherlich auch hin und wieder verwirrten – Gedanken der Jugend möglicherweise sehr hilfreich sein. Und wer weiß, vielleicht nehme ich mir ja den heutigen Tag des Tagebuch zum Anlass, meinen „WegBegleiter“ nach Monaten der Nichtbeachtung wiederzubeleben.

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Mein allererster Tagebucheintrag entstand übrigens an meinem 15. Geburtstag.

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* Zu ihrem 13. Geburtstag am 12. Juni 1942 bekam die Jüdin Anne Frank ein Notizbuch von ihrem Vater geschenkt, das sie fortan für die nächsten zwei Jahre als Tagebuch nutzte. Aus diesem Grund fällt der Tag des Tagebuchs auf den 12. Juni.

 

7 Kommentare

  1. Maren sagt

    Hihi – ich habe auch noch alle meine Tagebücher. Mein erstes muss so aus der Zeit sein, als ich sieben oder acht war …? Ist selbstgebastelt und sehr schief, und ich weiß noch, dass die Filzstiftzeichnungen darin mit Stiften entstanden sind, die nach Obst dufteten (gelb = Zitrone, rot = Erdbeere, usw.) Später habe ich lustigerweise immer nur dann viel geschrieben, wenn’s mir nicht gut ging (aber dafür mit viel Selbstironie und sehr witzig zu lesen). Alle richtig tollen Ereignisse sind nicht notiert – außer den Reisen. Heute bastel‘ ich Fotobücher – das ist so ähnlich wie Tagebuchschreiben, nur mit mehr Bildern. Und die täglichen kleinen Einträge auf facebook erfüllen eine ähnliche Funktion (Steffi, da hast Du aber doch das Wetter oft dabei!).

    • Stefanie Leo sagt

      Tja, das stimmt schon. Irgendwie wird FB zum Tagebuch. Aber wenn der Herr Mark irgendwann mal abstellt, sind alle meine Einträge verloren. Da versuche ich mich doch lieber noch mal am 10-Jahres-Tagebuch 😉

  2. Hallo Steffi,

    ich schreibe seit 2004 Tagebuch, was sich zufällig ergeben hat. Anfangs war es nur irgendwie über Arbeit, aber später habe ich gemerkt, wie es meine Seele befreit. Als Kind konnte ich mit Tagebüchern noch nicht viel anfangen. Da liebte ich meine Poesie-Alben, die ich selbst heute noch sehr gern durchblättere 🙂

    Hast du auch Poesie-Alben?

    vlg die Alex ^^

    • Stefanie Leo sagt

      Witzig, dass du nach dem Poesie-Album fragst. Über das bin ich nämlich auf der Suche nach den Tagebüchern ebenfalls gestolpert. Das stammte übrigens von 1979. Ich werde es mir wohl mal in Ruhe anschauen 🙂

  3. Ann-Katrin Blume sagt

    Ich finde den Tag des Tagebuchs richtig gut, im Grunde sind Tagebücher ja so etwas wie Biografien. Es ist dann nur schade, wenn sowas ungelesen bleibt. Ich würde meine Bücher gerne später veröffentlichen, so als eine Art Zeitzeugendokument. 🙂
    Es gibt ja einige gute Bezahlverlage, zum Beispiel http://www.frieling.de/. Mal sehen, wenn es nicht zu teuer ist …

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