Die Arbeit, Im Büro
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Was macht einen Autor zum Autor?

Eine komische Frage? Keinesfalls! Diese Frage stelle ich mir bzw. muss ich mir regelmäßig stellen, denn als Betreiberin von Buecherkinder.de und den Ohrensessel Wohnzimmer-lesungen bekomme ich regelmäßig Bücher zum Testlesen angeboten. Doch ist jeder Verfasser eines Buches wirklich als Autor zu bezeichnen? Irgendwo muss es doch einen Unterschied zwischen Lieschen Müller und sagen wir mal Zoë Beck geben!

Ich habe mal Wikipedia befragt. Dort heißt es:

Alles klar. Demnach sind die Verfasser aller mir zugesandter Bücher Autoren. Die Fragestellung führt also hinsichtlich der Qualität zu keiner befriedigenden Antwort. Vielleicht muss ich die Frage umformulieren und sie müsste lauten: „Macht ein Verlag einen Autor zum Autor?“

Zur Beantwortung springe ich kurz in die Vergangenheit. Als ich vor 10 Jahren meine Website Buecherkinder.de ins Leben rief, war meine Verlagswelt noch in Ordnung, sie war eben geordnet. Die Kinder- und Jugendbuchverlage waren allesamt Publikumsverlage, viele von ihnen zudem in der avj organisiert.

Für diejenigen, denen der Begriff „Publikumsverlag“ nicht ganz vertraut ist, habe ich mal den wie ich finde wichtigsten Satz des Wikipedia-Eintrags kopiert, in dem es heißt: Zur Sicherung des verlegerischen Zieles beschäftigen Publikumsverlage Fachpersonal wie Lektoren, die die Qualität und die Erfolgsaussichten eingereichter Manuskripte beurteilen, und Korrektoren, die die Qualität bis zur Fertigstellung sichern. Dies ist bei Publikumsverlagen für den Autor/die Autorin übrigens kostenlos, glücklicherweise aber nicht umsonst (sorry, dieses kleine Wortspiel konnte ich mir nicht verkneifen ;-)).  Natürlich heißt das noch lange nicht, dass ich jedes seitdem in diesen Verlagen erschienene Werk gut finden muss und sicherlich hätte das eine oder andere Buch besserer Betreuung bedürft, aber durch die Vorschaltung der Qualitätssicherung „Lektorat“ wird (fast) immer eine sprachlich und inhaltlich gute Qualität sichergestellt.

Etwa acht Jahre später stolperte ich das erste Mal über das Wort „Zuschussverlag“. Damals schrieb ich Blogbeiträge für das Literaturportal Lovelybooks und war plötzlich einem größeren Publikum bekannt. Erste Anfragen von Autoren, ob ich auch über ihr Buch berichten könne, ließen nicht lange auf sich warten. Und plötzlich sah ich mich mit völlig unbekannten Verlagen konfrontiert, auf deren Website ich Worte wie „Privatverlag“ oder „Risikobeteiligung“ fand.

Erneut bat ich das Internet um Hilfe und fand bei Wikipedia folgenden Eintrag:

Kann dem Zuschussverlag, der durch den Zuschuss ja letztlich schon den erwünschten Gewinn erwirtschaftet hat, der Inhalt des Buches nicht relativ egal sein? Schließlich tritt im Gegensatz dazu der Publikumsverlag in Vorleistung und trägt somit das ganze unternehmerische Risiko. Auch deshalb ist davon auszugehen, dass er großes Interesse an guter inhaltlicher Qualität hat.

Ich habe mich deshalb entschieden, keine Bücher, die in Zuschussverlagen erschienen sind, bei Buecherkinder.de zu besprechen oder deren Autoren in meinen Ohrensessel einzuladen. Ich fälle damit kein Urteil über die Qualität einer Autorin oder eines Autors, sondern versuche für mich eine einhaltbare klare Linie zu finden. Und trotzdem wird mir so manche Ablehnung auch in Zukunft nicht leicht fallen, denn schließlich ist mir bewusst, dass in den meisten Büchern und Geschichten viel Herzblut steckt. Aber leider macht eben noch nicht jede Geschichte ihren Verfasser gleich zum Schriftsteller.

Die eingangs gestellte Frage „Macht ein Verlag einen Autor zum Autor?“ kann und will ich nicht beantworten. Die Branche befindet sich zur Zeit in einem riesigen Umbruch, von dem auch die klassischen Verlagswege nicht ausgenommen sind. Es bleibt abzuwarten, wie sich diese Veränderungen auf die Verlagswelt bis hin zum Leser auswirken.

12 Kommentare

  1. Ich halte die Zuschussverlage (und die Abgrenzungsrituale gegenüber Zuschussverlagen) für ein Auslaufmodell, weil es im Bereich Selfpublishing mittlerweile diverse Angebote gibt, die wenig bis gar kein Geld kosten. Und dann gilt wohl: Autor ist, wer gelesen wird.

    Hier lässt sich ein Autor beim Entstehungsprozess über die Schulter sehen: http://ekinderbuch.wordpress.com/

    • Angelika sagt

      Sind Verlage, wie http://www.frieling.de , nicht trotzdem noch sinnvoll? Die Möglichkeiten für Autoren sind durch das Internet stark gestiegen. Kostenloses bzw. günstiges gibt es derzeit allerdings nur in Sachen eBooks. Wenn ich mich allein schon in meinem Bekanntenkreis umsehe, bevorzugen die meisten immer noch das herkömmliche Buch.

  2. Hallo Stefanie,
    ich denke da ähnlich und sehe eine „Qualitätstrennung“ eigentlich nur zwischen „Autor“ und „Schriftsteller“. Ich bin ja jetzt auch die Autorin dieses Kommentars, denn ich habe ihn verfasst und ich publiziere ihn hier 😉 Er ist auch für eine breite Öffentlichkeit zugänglich.
    Aber das macht mich noch lange zu keiner Schriftstellerin (schade!). Und persönlich denke ich auch nicht, dass ein Schriftsteller nach einer einzigen Buchveröffentlichung schon einer ist.

  3. Hm, da sollte man dann vielleicht doch die erweiterte Definition des Duden Herkunftswörterbuchs heranziehen, die da sagt: augere/auctum im Sinne von „wachsen machen, erhöhen, verherrlichen“, also letztendlich kommt zu den reinen Buchstaben etwas hinzu, sodass man nicht so schnell Gefahr läuft, plötzlich und versehentlich „AutorIn“ zu werden. Dann nehmen wir noch das Urheberrecht hinzu, das kennt den Begriff der „Schöpfungshöhe“, das geht in eine ähnliche Richtung. Und (gleich hat das Klugscheißen ein Ende, keine Sorge!) vielleicht noch ein kleines Adjektiv, nämlich „professionell“ … Dann haben wir eine gute Mischung. Das meinte übrigens auch Zoe Beck in ihrem Beitrag im culturmag: http://culturmag.de/crimemag/zoe-beck-differenziert-das-ebook-thema/56809
    🙂 Grüezi Frank, auch bekannt als Autor ohne r

  4. Was Lektorat und Korrektorat betrifft, so kommt die Welt wahrhaftig ins Ver-Schwimmen! Als Autorin mit altmodischen „Verlagssegen“ habe ich in meinem Programm z.B. ein Buch mit einem absolut lausigen Lektorat und Korrektorat aus einem absoluten Qualitätsverlag (zum Glück vergriffen). Man hatte damals die Praktikantin rangesetzt, weil der Programmchef im Urlaub war. Gleichzeitig habe ich ein Buch im Self Publishing gemacht, bei dem ich mir nicht nur eine Fachlektorin UND Lektorat und Korrektorat geleistet habe – das haben sogar eine echte Verlegerin und ein Kritiker vorab gelesen. Und das hat mir solchen Spaß gemacht, dass ich einen Verlag gründen werde. Aber hoppla, bin ich dann Verlegerin oder Autorin? 😉
    Ich stelle fest, die Beantwortung dieser Frage ist mir egal. Letztlich zählt doch nur die Qualität, die am Ende herauskommt, nicht der Weg.

    • Dem stimme ich zu. Nur hat mich die Erfahrung, die ich bisher gemacht habe, gelehrt, dass gerade das Kinder- und Jugendbuch von den ich möchte sie mal ganz böse Möchtegern-Autoren nennen völlig unterschätzt wird. Es reicht nicht Subjekt-Prädikat-Objekt-Sätze zu einer niedlichen Geschichte zusammenzuklöppeln und die Nachbarin, die ja ganz toll zeichnen kann, illustrieren zu lassen. Ihr glaubt nicht, was ich hier schon in den Fingern hatte … Zur Zeit kommt über die Zuschuss-Schiene nichts Brauchbares und mir fehlt die Zeit nach der einzigen Perle im Ozean zu suchen. Bei rund 8.000 Neuerscheinungen allein im Kinder- und Jugendbuch pro Jahr möge man mir das bitte nachsehen.

  5. Mir gefällt das „Entweder-Oder“ nicht, dass in so vielen Köpfen herumspukt. Warum kann ich als Autorin nicht ein „Sowohl-Als-Auch“ realisieren: Es gibt Manuskripte, für die finde ich Verlage, für andere nicht. Natürlich freue ich mich auch über einen Verlagsvertrag, schließe schreibe ich lieber als dass ich verlege. Aber bevor eine gute Geschichte in der Schublade versauert, mache ich sie halt selbst. Und wenn ich dann feststelle, dass die jungen Zuhörer/innen die Geschichte lieben, ich anfange, Manuskripte zu fotokopieren (schließlich muss sie ja zuende gelesen werden können), die ersten liebenswerten Zuschriften eintrudeln – ich finde, dann ist es an der Zeit, als Autorin dann mal nicht darauf zu warten, ob nicht doch irgendwann mal ein Verlag den Geschmack der Kinder erkennt, sondern selbst aktiv zu werden. Nicht beim Zuschussverlag im klassischen Sinn, sondern schlicht und einfach im Selbstverlag: Lektorat suchen, gute Illustratorin suchen (natürlich mit Honorar), jemanden, der professionell setzt, eine gute Buchdruckerei – natürlich all das auch mit verlegerischem also finanziellen Risiko – aber eben oft auch mit dem Ergebnis eines ordentlichen Buches, mit einer guten Geschichte, mit tollen Illus, in guter Qualität – und siehe da: Es verkauft sich! Vielleicht sogar mehr, als in so manch kleinem Nischenverlag möglich gewesen wäre … Ich verstehe, dass für „Bücherkinder“ irgendwo eine Grenze gesetzt werden muss – und bedaure es trotzdem. Ein gutes Buch ist für mich das, was Kinder gerne lesen oder vorgelesen bekommen.
    Die meisten dieser Bücher kommen sicherlich aus Verlagen.
    Einige aber auch nicht.
    Spannende Diskussion, bei der wir sicherlich erst am Anfang stehen!
    Liebe Grüße!
    Sabine Lipan

    • Liebe Sabine,
      alles, was du schreibst, unterschreibe ich dir sofort. Du als Autorin, die sowohl-als-auch verlegt, kennt sich aber auch mit dem Geschäft aus. Doch leider gibt es unzählige Geschichtenschreiber, die das nicht tun, deren Geschichten inhaltlich, sprachlich und gestalterisch unter aller Sau sind und vor Rechtschreibfehlern nur so wimmeln, deren Illustrationen man niemandem zumuten kann. Nur weil die Geschichte in gedruckter Form und nicht als Fotokopie vorliegt, heißt das noch lange nicht, dass sie etwas taugt, das glauben aber diese Möchtegern-Autoren gerne. Aber wie ich oben schon sagte, zum einen wird es sicherlich Perlen bei Dienstleisterverlagen geben, aber ich sehe es nicht als meine Aufgabe bei Buecherkinder.de an, diese zu finden. Dafür reicht meine Zeit einfach nicht. Zum anderen werden zukünftig ohnehin neue Wege beschritten werden, bekannte Autoren werden ihre Herzensbücher selbst verlegen, egal ob print oder digital. Wie ich eines Tages damit verfahren werde, ist mir selbst noch nicht klar, zumal ich ja auch vieles gar nicht selbst lese, sonderen zum Testlesen direkt in die Kinder- und Jugendredaktion gebe. Aber um diesen Umstand werde ich mich kümmern, wenn es soweit ist. Solange ist die Grundlage dieses Blogbeitrags mein Status Quo, auf den ich mich auch zukünftig berufen werde.
      Liebe Grüße
      Steffi Leo

      • Hallo Steffi,
        nur dass wir uns nicht missverstehen: Ich kann dich gut verstehen, irgendwo musst du eine Grenze ziehen, der Markt ist viel zu unübersichtlich, und dass du dich für diese Grenze entschieden hast, finde ich sehr nachvollziehbar. Mir ging es nur darum, das „entweder-oder“, das bei vielen anderen im Kopf steckt, einmal ins Wanken zu bringen … Liebe Grüße und ein schönes Wochenende! Sabine Lipan

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