Die Arbeit, Lesen
Kommentare 6

Über gelesene Bücher, Sperrfristen und SteffiLeaks

Der Juni war seit langem mal wieder ein richtig guter Lesemonat – sowohl inhaltlich als auch mengenmäßig.

sommernachtszauberBegonnen habe ich mit Sommernachtszauber von Ellen Alpsten (Coppenrath): Seit ihrer ersten Begegnung mit dem jungen Schauspieler Johannes ist das Leben für Caroline wie ein Rausch. Tagsüber gibt sie auf der Bühne alles, um ihre erste große Rolle als Julia perfekt zu spielen. Nachts trifft sie sich heimlich mit ihm für weitere Proben im dunklen Theater. Johannes holt aus ihr und der Rolle das Beste heraus und die beiden verlieben sich haltlos ineinander. Doch Caroline wagt nicht, irgendjemandem von ihrem Glück zu erzählen. Denn Johannes dürfte gar nicht existieren. Er wurde während einer „Romeo und Julia“-Inszenierung in den 30er-Jahren grausam auf der Bühne erstochen und mit einem Fluch belegt. Und langsam erkennt Caroline, dass ihre Liebe zu Johannes sie vor eine unmögliche Wahl stellt …

Kurzfazit: Romantische Liebesgeschichte à la Romeo und Julia. Die Mädchen ab 14 werden es lieben, da bin ich mir sicher!

silberKurz vor Erscheinungstermin im Juni trudelte Kerstin Giers neuer Roman Silber – Das erste Buch der Träume (Fischer) bei mir ein: Geheimnisvolle Türen mit Eidechsenknäufen, sprechende Steinfiguren und ein wildgewordenes Kindermädchen mit einem Beil … Liv Silbers Träume sind in der letzten Zeit ziemlich unheimlich. Besonders einer von ihnen beschäftigt sie sehr. In diesem Traum war sie auf einem Friedhof, bei Nacht, und hat vier Jungs bei einem düsteren magischen Ritual beobachtet. Zumindest die Jungs stellen aber eine ganz reale Verbindung zu Livs Leben dar, denn Grayson und seine drei besten Freunde gibt es wirklich. Seit kurzem geht Liv auf dieselbe Schule wie die vier. Eigentlich sind sie ganz nett.  Wirklich unheimlich – noch viel unheimlicher als jeder Friedhof bei Nacht – ist jedoch, dass die Jungs Dinge über sie wissen, die sie tagsüber nie preisgegeben hat – wohl aber im Traum. Kann das wirklich sein? Wie sie das hinbekommen, ist ihr absolut rätselhaft, aber einem guten Rätsel konnte Liv noch nie widerstehen …

Kurzfazit: Wieder einmal eine unverwechselbare „Gier“-Geschichte. Das Buch ist spannend, das Thema neu, zudem geht es um die erste zarte Liebe und eine sympathische, selbstbewusste Hauptdarstellerin, die mit genügend Humor ausgestattet ist. Herz, was willst du mehr?!

DSC00331Norden ist, wo oben ist (Ravensburger) ist der aktuelle Roman von Rüdiger Bertram: Mel kennt sich mit Raststätten aus, Paul mit Western. Mel, weil an Raststätten schon mal ein paar Pommes übrig bleiben und man praktisch denken muss, wenn man nicht viel Geld hat; Paul, weil er lieber Revolverhelden beim Schießen zusieht als seinen Eltern beim Streiten in der großen Villa. Arme Mel, reicher Paul? Nicht ganz. Das Schicksal schickt die zwei auf große Reise. Ans Meer, auf eine Odyssee, die alles verändert. Die Bedeutung von Reichtum zum Beispiel. Und die von Freundschaft.

Kurzfazit: Tolle Roadmovie-Freundschaftsgeschichte für Leser ab etwa 10 Jahren. Übrigens wird Rüdiger Bertram bei der kommenden Lesung auch aus diesem Buch lesen.

Gelegentlich treiben mich Sperrfristen und Leseexemplare in den Wahnsinn. Die vielen Bücher, die im Jahr durch meine Hände wandern, stehen mir oft nur kurze Zeit zur Verfügung, da sie meist zügig zum Lesen von den Kindern und Jugendlichen der Buecherkinder-Redaktion angefordert werden. Meist bleiben mir nur wenige Tage, mich für ein paar Bücher zu entscheiden und diese noch eine Weile zurückzuhalten und selbst zu lesen oder zumindest anzulesen. Gerne greife ich dabei auch nach Leseexemplaren, die mit einer sogenannten Sperrfrist ausgestattet sind. Diese Sperrfrist gibt das Datum an, ab dem Rezensionen zum Buch veröffentlicht werden dürfen. Dieser Tag fällt oft auf den Ersterscheinungstermin, damit die beworbenen Bücher auch gleich erworben werden können. Zugleich bedeutet das aber auch, mich weitere Wochen in Schweigen hüllen zu müssen und leider verblasst der Eindruck eines Buches sehr schnell, wenn man ein Dutzend weiterer gelesen hat. Nun könnte ich mich ja hinsetzen und direkt nach dem Lesen eine Bewertung schreiben und diese erst nach Ablauf der Sperrfrist veröffentlichen, aber das Schreiben für die „Konserve“ bereitet mir so überhaupt keine Freude, weshalb ich es dann gleich lasse. Was für eine Krux!

Mit den Verlagen der folgenden drei Bücher, die im Laufe der nächsten Monate erscheinen, habe ich nun Rücksprache gehalten und darf zumindest mit einem Kurzfazit die Bücher „anteasen“. Und selbstverständlich könnt ihr alle drei Bücher bereits bei eurem Buchhändler des Vertrauens vorbestellen, damit ihr sie auch gleich zum Erscheinungstermin erhaltet 🙂

annaundannaAm 29. Juli erscheint Anna und Anna (Hanser) von Charlotte Inden: Anna und Jan verbindet eine tiefe Freundschaft. Doch dann verliebt sich Anna in Jan, und der zieht auch noch ganz weit weg. Zum Glück gibt es Großmutter Anna, die nicht nur genauso heißt, sondern auch genau weiß, wie es sich anfühlt, wenn einem plötzlich etwas fehlt. Als endlich der ersehnte Brief von Jan eintrifft, ist Oma Anna die Erste, die davon erfährt. Und Enkelin Anna ist die Einzige, mit der ihre Großmutter über Henri spricht, den mysteriösen Unbekannten, dem sie die ganze Zeit Briefe schreibt, die sie aber nie abschickt. Kann es Zufall sein, dass Jan und Henri beide in Amsterdam wohnen?

Kurzfazit: Ein Buch in Briefform. Sehr poetisch aber auch anspruchsvoll. Etwas Besonderes für Leser ab 12 Jahren.

DSC00335Am 22. August können sich die Leser auf Ruby Redfort: Gefährlicher als Gold (Fischer) von Lauren Child freuen: Ruby Redfort ist ein ganz normales Mädchen.
Das denkt jeder, der sie das erste Mal sieht. Viel entscheidender ist, was man nicht sofort erkennt: Ruby ist ein Rätselgenie. Aber wir sprechen hier nicht von Kreuzworträtseln oder Sudoku. Wir sprechen von der jüngsten Codeknackerin, die je für den Geheimdienst gearbeitet hat. Wir sprechen von Ruby Redfort. Frech, clever und mutig kommt sie einer gefährlichen Verbrecherbande auf die Spur.

Kurzfazit: Spannender, gut gemachter Agentenkrimi mit sympathischer, schlagkräftiger und wortgewandter Heldin. Für geübte Leser ab 10, aber auch 12-Jährige werden an der Geschichte noch viel Spaß haben.

dreilebenErst am 16. September erscheint der Roman Die drei Leben der Tomomi Ishikawa (Script5) von Benjamin Constable: Tomomi Ishikawa ist tot. Sie hat sich umgebracht, so steht es in dem Abschiedsbrief an ihren Freund Ben Constable. Doch Tomomi weigert sich hartnäckig, in Frieden zu ruhen. Stattdessen hinterlässt sie Ben eine Menge rätselhafte Botschaften, die ihn, ähnlich wie bei einer Schnitzeljagd, durch Paris, New York und Tomomis Vergangenheit führen. Ben würde gerne glauben, dass es sich bloß um ein Spiel handelt, dass die Geschichten, die Tomomi ihm hinterlassen hat, nur Ausgeburt ihrer Fantasie sind, doch dann offenbaren sie ihm ein grausames Geheimnis. War Tomomi Ishikawa in Wahrheit eine Serienmörderin? Und ist sie tatsächlich tot? Bald weiß Ben nicht mehr, was Fiktion und was Realität ist.

Kurzfazit: Der Einstieg ist nicht ganz einfach, aber dann entpuppt sich dieses Buch als etwas ganz Außergewöhnliches! Kein wirklicher Jugendroman sondern ein Buch für junge (und auch ältere 😉 ) Erwachsene.

6 Kommentare

  1. Über Sinn und Sinnlosigkeit dieser Sperrfristen kann man auch fast schon Bücher schreiben. Bei deutschen Originalausgaben versteh ich es ja noch, aber wenn es eine Übersetzung und das Original unter Umständen schon Jahre erhältlich ist? Völlig sinnfrei. Da könnte man dann auch eine Rezension schreiben und sie mit dem Originalcover schmücken, schon kann keiner mehr was sagen. Bekloppt.

      • Ja, das sehe ich genauso. Das habe ich auch schon öfter gesehen, dass dann bei der englischen Ausgabe eine deutsche Rezension geschrieben wurde, wobei die deutsche Ausgabe noch nicht erhältlich ist. Sinnfrei also.. 😉

  2. Becca sagt

    Ich mag Deine Buchrezensionen. Und da ich am WE meinen diesjährigen Urlaub gebucht habe, musste natürlich noch die Idee für eine passende Reiselektüre her. Ich werd mir mal „Die drei Leben der Tomomi Ishikawa“ besorgen. Klang irgendwie gut 🙂 Vielen Dank an dieser Stelle mal für Deine tollen Beiträge! Und P.S.: dass der Alkohol verboten wird auf Malle finde ich super!

    • Ich habe „Die drei Leben der Tomomi Ishikawa“ gerade im englischen Original gelesen und bin hin und weg. Super! Ein bisschen wie Murakami, nur noch ganz so verdreht. Spannend und sehr rätselhaft, man muss hinterher lange über die Auflösung(en) nachdenken. Für mich das beste Buch dieses Sommers – aber wenn die deutsche Fassung erscheint, ist der ja schon vorbei. Ich kann es allen wärmstens empfehlen und bin gespannt auf deine Rezension.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.