Die Arbeit, Im Büro
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Offene Antwort auf den Buchmarkt-Beitrag vom 26.01.14

Dies ist meine Antwort auf „Das Sonntagsgespräch“, das das Magazin „Buchmarkt“ am vergangenen Sonntag mit der Überschrift Gabriele Hoffmann über den Stellenwert von „Leanders Lieblingen“ und über richtige Leseförderung veröffentlichte:

Gabriele Hoffman, (einst) Kinderbuchikone in deutschen Landen, hat dem Branchenmagazin „Buchmarkt“ ein Interview – oder war es doch eher eine Werbeveranstaltung? – gegeben und dort solch haarsträubende Behauptungen aufgestellt, die ich – nach reiflicher Überlegung – nicht unkommentiert stehen lassen kann.

Dass Gabriele Hoffmann in ihrem Arbeitsleben viel für die Wahrnehmung von Kinderbüchern getan hat, ist unumstritten. Sich aber als die einzig wahre Kennerin des Kinderbuchmarktes und der Leseförderung darzustellen (Zitat – BM: Wollen Sie die „Marcellina“ der Kinderliteratur werden? GH: Warum nicht? Niemand sonst hat so viel Erfahrung mit lesenden Kindern.) ist anmaßend und an Selbstverliebtheit kaum noch zu übertreffen.

Frau Hoffmann lässt im Interview nur eine Meinung zu und das ist ihre eigene. Sie stellt Behauptungen auf ohne diese mit Beispielen zu belegen (Zitat zum Thema Leseförderung – GH: Ich finde da wird viel falsch gemacht. … Zum Beispiel werden fast ausschließlich Bücher besprochen, die Literaturwissenschaftler oder Kunsthistoriker, auf jeden Fall aber Erwachsene gut finden.). Ich muss Frau Hoffmann da aufs Äußerste widersprechen. Gerade der Leipziger Lesekompass, der Kilifü oder auch die Fachzeitschrift Eselsohr – um nur drei zu nennen – gehen in besonderem Maße auf die Lesebedürfnisse der Zielgruppe ein.

Gabriele Hoffmann jedoch setzt nach wie vor auf „Leseförderung durch bewährte Titel“ (Zitat – GH: Ich habe dabei bewusst auf modische Experimente des Kinderbuchmarktes verzichtet, weil ich denke, dass Kinder keine Versuchskaninchen sein sollten.) Modische Experimente? So wie das Experiment „Das große Buch der Bilder und Wörter“ von Ole Könnecke, dem sie in einem weiteren Interview bescheinigt, „den Kleinen nichts zu sagen“. Starker Tobak, so über ein Buch herzuziehen, das 2011 in der Sparte Sachbuch sogar für den Jugendliteraturpreis nominiert war.

Ebenso hart geht Hoffmann in der Rhein-Neckar-Zeitung mit den heutigen Autoren ins Gericht (Zitat – GH: Früher waren es Autoren, die mit Kindern gelebt haben und rundum sehr gebildete Leute waren. Die meisten Autoren, die heute erfolgreich sind, sind junge Leute, die zwar das Schreiben beherrschen, aber da ist oft wenig Substanz dahinter. Die wissen nicht, was sie tun.). Was soll das denn bitte bedeuten? Über den Umkehrschluss ihres ersten Satzes möchte ich gar nicht nachdenken!

Bei Frau Hoffmann bleibt niemand verschont! Kollegen nicht, Autoren nicht, Verlage sowieso nicht und auch die Zielgruppe kriegt ihr Fett weg (Zitat – BM: Aber die Kinder lesen doch mehr denn je! GH: Ja, aber nur um laue Luft durch ihre Computerhirne zu blasen.)

Liebe Frau Hoffmann, meine Söhne sind – wie Sie es so schön formulieren – noch keine Intellektuellen. Sie haben die Buddenbrooks noch nicht gelesen. Auch ihre Mutter tat dies erst mit über 40 Jahren. Was ich meinen Söhnen aber im Gegensatz zu ihnen bescheinigen kann, ist eine große Aufgeschlossenheit gegenüber Neuem. Natürlich spielen sie am Computer und nutzen Apps für ihr tägliches Leben, aber sie lesen eben auch und zwar das, was sie möchten. Da ist das Sams genauso dabei wie der eine oder andere Fantasy-Roman, ein Genre, dem Sie ja ebenfalls nachsagen, nur „laue Luft“ zu sein.

Willkommen im 21. Jahrhundert, Frau Hoffmann, treten Sie ein, es ist gar nicht so schwer!

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  1. Gut gebrüllt Löwe! (Bin ich jetzt ein Intellektueller?) Frau Hoffmann steht für die alte Buchbranche, für eine bornierte, verkopfte, einbetonierte Branche, die NICHTS von ihren eigentliche Kunden weiß und auch noch stolz darauf ist. Die Bücherkinder leben und wachsen in einem Paralleluniversum. Ich weiß nicht ob es Wurmlöcher zwischen beiden gibt- Es ist aber auch egal, denn die Insassen des alten Buchuniversums wollen sowieso nicht durch.

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