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re:publica 2014 oder „Um etwas zu verstehen, nehmen wir es auseinander!“

Die re:publica 2014 ist vorbei. Nachdem ich (und etwa 5.999 andere) mich in Berlin zwei von drei Tagen „Into the wild“ begeben habe, sitze ich nun wieder im heimischen Büro und starre auf meine blanko WordPress-Oberfläche in der Hoffnung, von der Muse geküsst oder von ihr jedenfalls kräftig in den Allerwertesten getreten zu werden. An dieser Stelle verneige ich mich vor allen, die best-recherchierte und kurzweilige Rückblicke zur #rp14 bereits am Donnerstag kurz nach Toreschluss veröffentlichten. Hut ab! Ich hingegen bin zumindest gedanklich immer noch nicht „Out of the wild“ zurückgekehrt und bekomme das Großereignis re:publica irgendwie nicht am Schlafittchen gepackt.

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Hier kann vermutlich nur noch der Hackercodex, den ich auf der re:publica lernte, helfen:
„Um etwas zu verstehen, nehmen wir es auseinander!“

Ich hole mein Werkzeug und betrachte das große Ganze vor dem Auseinandernehmen einmal von außen. – „Was ist denn diese re:publica eigentlich?“ wurde ich von vielen gefragt, denen ich außerhalb der STATION begegnete. Unweigerlich musste ich an Gunter Duecks letztjährige Session zum metakulturellen Diskurs denken, in der er folgenden Satz formulierte: „Die Realität ist draußen, 200 Meter weiter sind andere.“ Tja, und diese anderen u.a. kulturschaffende Berliner fragten mich zu Recht nach der re:publica, hatte ich doch immerhin 120 Euro bezahlt, um an ihr teilzunehmen. Wie gut, dass ich bereits vorher den Wikipedia-Eintrag auswendig gelernt hatte und mit den klugen Wiki-Worten: „Die re:publica ist eine Konferenz rund um das Web 2.0, speziell Weblogs, soziale Medien und die Digitale Gesellschaft.“ antwortete. Letztendlich konnte ich ihnen aber nicht wirklich mehr erzählen; zum einen weil ich selbst erst einmal in 2012 an der Konferenz teilgenommen hatte, zum anderen aber auch, weil man viele Sessions irgendwie für Duecks „Andere“ schwierig aus dem Web 2.0-Sprech ins Hochdeutsche übertragen kann. Schade, ich hätte sie gerne neugieriger gemacht und könnte sie mir gut als Besucher der #rp15 vorstellen.

Ich schraube weiter und gelange zu den Sessions, einem wichtigen Bestandteil der re:publica. Wie auch in sogenannten Barcamps üblich reichen Teilnehmer Vorschläge für Workshops, Aktionen, Diskussionen und Vorträge ein, die Teilnehmer selbst werden also zu Vortragenden. Bei rund 350 Sessions auf 13 Stages mit zum Teil sehr kryptischen Bezeichnungen kann man da als Beginner trotz App leider sehr schnell den Überblick verlieren. Nur zu oft hatte ich das Gefühl, eine falsche Session für meine Bedürfnisse gewählt zu haben. Zwar kann man jederzeit eine andere Session aufsuchen, jedoch ist ein Wechsel aufgrund von Überfüllung oft nicht möglich. Vielleicht sollte mal jemand am Tag der pre:publica eine pre:session mit dem Titel „re:publica für Rookies“ anbieten.
Zudem waren manche Sessions für Klein-Blogger – obwohl ich mich auch schon gut 5 Jahre im Web 2.0 rumtreibe – inhaltlich so speziell und abgehoben, dass ich mich zum Teil völlig fehl am Platz fühlte. In meinen Augen reicht die Unterteilung in „Beginner“ und „Fortgeschrittene“ einfach nicht aus, denn so manchem Sprecher im Bereich der Fortgeschrittenen konnte ich durchaus begeisternd folgen. Zudem könnte die eine oder andere Umformulierung der Kurzinhalte durchaus hilfreich sein, hier hatte ich bisweilen das Gefühl, dass das Motto oftmals „je hipper, je besser“ war.

Eine besondere Form der Sessions sind sogenannte Guerilla-Sessions, bei der sich die Teilnehmer per Twitter kurz vorher verabreden. Auf der re:publica handelte es sich bei den Guerilla-Sessions um Whisky-Tasteups, weshalb ich auch jeden Tag brav mein Nosingglas dabei hatte. Diese Form der Sessions fand ich übrigens richtig klasse, weil auf diese Weise ganz unterschiedliche Menschen, deren Schnittmenge die Vorliebe für Whisky ist, aufeinandertrafen. Tatsächlich hatte ich hier das angenehme Gefühl, allen Unbekannten auf Augen- bzw. Glashöhe zu begegnen. Vielen Dank deshalb auch noch mal an dieser Stelle an die Organisatoren Christian Kaufmann, Jay F Kay und Jens A. Heim.

Und schließlich bin ich nach langer Schrauberei am Motor, am Kern, an meinem Herzstück der re:publica angekommen: Den Menschen. Denn tatsächlich sind solche Konferenzen auch immer ein wenig wie ein Klassentreffen, zumindest für diejenigen, die kommunikativ auf Twitter und Facebook unterwegs sind und vielleicht schon einmal das eine oder andere Barcamp von innen gesehen haben. Ich für meinen Teil kann sagen, dass ich viele Menschen umarmt habe und immer noch völlig verwundert bin, dass ich nicht mit einem post:publica-Virus darniederliege. Aber wer weiß, vielleicht hat das einfach eine längere Inkubationszeit. Aber Spaß beiseite, der Hof der STATION eignet sich einfach wunderbar zum Treffen, zum Kennenlernen, zum Netzwerken und zum Selfies schießen, um Daheimgebliebene zu erheitern. Ich glaube es hat funktioniert! Übrigens habe ich mich sehr gefreut, einige Twitterer statt #flausch und #drück endlich mal so richtig an mein Herz zu drücken, allen voran Junebug, Su C. S. und Steffen. Ihr wart mein besonderes re:publica-Highlight!!

Jetzt kann ich die re:publica 2014 getrost wieder zusammensetzen. Vermutlich bleiben ein paar Teile übrig, ist ja beim Toaster auch nicht anders. Funktionieren wird sie auch nächstes Jahr, dessen bin ich mir sicher, und ein wenig mehr verstehe ich sie jetzt auch …
Was ich mir für 2015 wünsche? Dass die re:publica nicht zu einer einsamen Insel im Web-2.0-Ozean wird. Es gibt viele Menschen, die zu Online-Themen etwas zu sagen haben, sich aber aufgrund der eingeschworenen re:publica-Gemeinschaft möglicherweise nicht trauen. Dann wünsche ich mir, dass Gunter Dueck kommendes Jahr wieder spricht, weil er es schafft komplexe Themen verständlich und charmant an Beginner und Fortgeschrittene weiterzugeben und ich ihn gerne mal live erleben möchte. Und ich wünsche mir, dass mein Badge ein Jahr lang hält, da Johnny Haeusler mich per Twitter in Versuchung geführt hat.

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Danke an dieser Stelle an das ganze re:publica-Team für die ausgezeichnete Organisation. Das Wald-Thema fand ich übrigens großartig!

So. Dies war mein #rp14-Rückblick. Ich freue mich über Kommentare und vielleicht sieht man sich ja 2015 wieder.

 

2 Kommentare

  1. Pingback: #rp14 – So war´s auf der republica 2014 | Der hallimash-Blog

  2. Liebe Stefanie,
    vielen Dank für die lobende Erwähnung in deinem Beitrag. Und vielen Dank für die sehr stimmige Zusammenfassung der re:publica. Es war wirklich schön, viele Menschen kennen gelernt (auch ausserhalb unserer Sessions) und schöne Stunden mit gutem Whisky verbracht.
    Bis 2015 😉
    Sonnige Grüße
    Jens

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