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Hashtag Kultur oder Wenn aus On Air online wird

IMG_6049Seit Januar 2014 ist der Sender WDR 3 nicht mehr nur „On Air“ sondern neben seinem Onlineauftritt auch in den sozialen Netzwerken Twitter und Facebook vertreten.

Den abgelaufenen 8-wöchigen Welpenschutz nahm der Sender unter seinem Programmchef Karl Karst zum Anlass, rund 100 Kulturmacher, Blogger und Twitterer ins Funkhaus am Wallrafplatz zur Livesendung einzuladen.

Unter der großen Überschrift „Hashtag Kultur“ sollte es in der knapp einstündigen Podiumsdiskussion unter anderem darum gehen, was Soziale Medien kulturellen Einrichtungen bringen und mit welchen Problemen hinter den Kulissen immer noch gekämpft werden muss. Auf dem Podium hatten sich neben WDR 2-Moterator Uwe Schulz die Herren Christoph Müller-Girod – Social Media Manager und Strategic Consultant der CMG Media, Dirk von Gehlen – Leiter „Social Media/Innovation“ bei der Süddeutschen Zeitung (SZ), Roland Nachtigäller – künstlerischer Direktor des Museums MARTa Herford und der stellvertretender Programmbereichsleiter von WDR 3 Wolfram Kähler eingefunden. Natürlich blieb das Fehlen des anderen Geschlechts nicht unerwähnt und der Unmut darüber schlug sich auch in einigen Tweets nieder. Vielleicht gibt es ja beim nächsten WDR 3-Tweetup eine rein weibliche Social-Media-Runde?!

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Ansonsten war der WDR bestens auf seine Gäste vorbereitet. Schon vor der Sendung wurden wir mit kühlen Getränken und Fingerfood begrüßt und da sich bloggende und twitternde Menschen zumindest online recht gut untereinander kennen, herrschte auch gleich ausgelassene Stimmung. Der Sendesaal selbst hieß uns mit ausreichend WLAN und einer Twitterwall willkommen. Hier hatte jemand seine Hausaufgaben gemacht und wenn auf den zuvor ausgeteilten Namensschildern noch der Twittername gestanden hätte, wäre es perfekt gewesen. Aber jetzt klage ich auch schon auf sehr hohem Niveau.

Auf den Inhalt der Diskussion möchte ich im einzelnen gar nicht eingehen, den Link zum Podcast ebenso wie zum Live-Blog habe ich unten aufgeführt, ich möchte nur kurz über meine Erfahrungen mit twitternden und auf Facebook befindlichen Kultureinrichtungen berichten.

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Dass Theater, Opernhäuser, Museen, Radiosender, Literaturhäuser ins soziale Netz (egal ob Twitter, Facebook, Instagram, YouTube, Blog etc. ) gehören, steht für mich völlig außer Frage, denn wer sich auch die Generation Z ins Haus holen und für Kultur begeistern möchte, muss die neuen Gäste eben (zunächst) dort abholen, wo sie regelmäßig anzutreffen sind. Dass die Teilnahme an Facebook und Co. bisweilen an einem Social-Media-Verbot im eigenen Hause scheitert und nicht nur an Personalmangel, Unerfahrenheit und der großen Angst vor Kontrollverlust, war eine der Erkenntnisse, die ich aus der gestrigen Diskussion erschüttert mit nach Hause nahm. Bis dato hatte ich gar nicht in Erwägung gezogen, dass ein nicht vorhandener Social-Media-Auftritt auf ein Verbot zurückzuführen sein könnte. Hier muss wirklich noch viel Aufklärungsarbeit geleistet werden!

Besonders gut gefiel mir Dirk von Gehlens Vergleich mit den verschiedenen Aggregatzuständen der Kultur. Genauso wie Kultur ständiger Veränderung unterliegt, muss sich auch die Kommunikation darüber fließend anpassen. Dass das nicht von heute auf morgen geschehen muss und kann, sollte jedem klar sein. Zudem müssen sich auch Mitarbeiter erst an die neue interaktive Kommunikation gewöhnen. Im Zweifel kommt die – Zitat Roland Nachtigäller – „sympathische Unprofessionalität“ ohnehin gut an.

Ich für meine Person kann nur sagen, dass ich dank der sozialen Netzwerke vom kulturphoben zum kulturphilen Menschen mutiert bin. Gerade die zum Teil lockere Art und der Austausch im Thread einzelner Kultureinrichtungen ließen mich u.a. mein Kindheitstrauma von langweiligen und angestaubten Museen überwinden.

IMG_6066Was ich mir für die Zukunft wünsche? Dass ich weitere interessante Kultureinrichtungen im Netz entdecke, dass Menschen in Kulturbetrieben mutiger werden, dass Kultur sich bewegt um weiterhin zu bewegen, dass der Twitter-Rookie und Programmchef des WDR 3 den Spaß am Twittern entdeckt … und dass ich einmal mit dem Paternoster im WDR Funkhaus fahren darf 😉

Weiterführende Links:
Die Sendung zum Nachhören
Die Diskussion im Live-Blog zum Nachlesen

 

 

2 Kommentare

  1. Ich hatte einen Fall, in dem eine Institution und deren Mitarbeiter total fürs Social Web brannten – und dann kam halt die Anordnung von oben, dass man das nicht für notwendig erachten würde. Das gibt es also durchaus, dass Social Web nicht von den Chefetagen gewünscht ist. Abgesehen mal davon dass es manchmal im städtischen Umfeld schwierig ist, Facebook und die Sozialen Netzwerke zu erreichen – die sind halt einfach gesperrt.
    Insofern war die Aussage beim Panel nichts, was ich nicht schon selbst erlebt hätte.
    Ad Astra

  2. Pingback: Verrückte Ideen Teil 3 oder Warum nicht mal ein #Bookup? | Lesen :: Leben :: Lachen

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