Die Arbeit, Im Büro
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Lasst mich bloß in Ruhe mit eurer Amazon-Meckerei!

Es ist mal wieder an der Zeit, meinem Unmut Luft zu verschaffen. Vermutlich werde ich beschimpft werden und einen digitalen Shitstorm auf mich ziehen, aber manchmal muss eine Frau tun, was eine Frau tun muss.

Es geht mal wieder um das leidige Thema Amazon. Wer schon einmal meine Website besucht hat, wird festgestellt haben, dass ich dort auf Amazon verlinke. Seit 2005 bin ich jedoch Mitglied im Börsenverein, habe eine buchhändlerische Verkehrsnummer und muss mich seitdem regelmäßig wegen meiner Amazon-Verlinkung anfeinden lassen. Deshalb möchte ich hier und jetzt einfach mal für Klarheit sorgen!

Die Buecherkinder-Website entstand 2002 aus meiner Lese- und Vorleseleidenschaft heraus (so wie heute auch viele Buchblogs). Damals von mir noch eigenhändig in HTML programmiert, enthielt die Seite Bücher, die ich mit meinen Kindern gelesen und für gut befunden hatte. Natürlich wollte ich Lesern der Bewertungen auch ermöglichen, das Buch zu kaufen und da war es naheliegend auf den damals größten Online-Buchversender zu verlinken. Dass durch die Verlinkung durch das Partnerprogramm auch noch ein wenig Taschengeld herausspringen sollte, war ein netter Nebeneffekt.

Über die Jahre hinweg erwarb ich mir im Kindergarten meiner Söhne den Ruf, mich gut mit Kinderbüchern auszukennen und es entstand der Wunsch der Kita eine Ausstellung bei ihnen zu organisieren. So kam es schließlich zur Zusammenarbeit mit dem Barsortiment Könemann und zu meiner buchhändlerischen Verkehrsnummer. Die Büchertische in Kindergärten organisiere ich nach wie vor.

Mittlerweile war meine Website bei Google gut gelistet und etliche Interessierte bestellten Kinderbücher über meine Links. Ich überlegte also, ob man diese Bestellungen nicht auch anderes abwickeln könnte und integrierte mein erstes Shop-System. Doch leider musste ich schnell feststellen, dass man vom Versandgeschäft ohne Inkasso-Abfrage im Internet besser die Finger lässt. Mahnungen schreiben und Mahnverfahren anstreben waren an der Tagesordnung. Ich sehnte mich nach meinem unverfänglichen Amazon-Link zurück, den ich irgendwann auch wieder installierte. Die Mission „Online-Shop“ war für mich gestorben. Auch ein späterer „Bestellservice vor Ort“-Button – eine Kooperation mit einem örtlichen Buchhändler – war nicht von Erfolg gekrönt. Meine Website-Besucher waren eben nicht seine Kunden und seine Kunden nicht meine.

Trotzdem hat mich der Wunsch nach einem eigenen Web-Shop nie ganz losgelassen, weshalb mir der Info-Tag des Börsenvereins zu möglichen Online-Shop-Lösungen wie gerufen kam. Leider hapert es nach wie vor bei den meisten Umsetzungen an der Inkasso-Abfrage. Lediglich ein Shop-System bot eine adäquate Lösung (große Titelauswahl, Inkasso-Überprüfung, Versand, Abwicklung der Remission etc.). Toll, dachte ich mir und begann zu rechnen. Die Werbekostenerstattung bei Amazon beträgt – bei meinen Umsätzen – 6,5 % des Nettoverkaufspreises. 85 % meines monatlichen Umsatzes bei Amazon generiere ich mit Büchern, die anderen 15 % sind Musik, Spielzeug, DVD, Hardware etc. Aber was müsste ich „berappen“, um dem Endverbraucher weiterhin das gleiche sorglose Amazon-Einkaufen zu bieten? Zum einen eine monatliche Gebühr für das Bereitstellen des Shop-Systems, dazu kommen Kosten, um auch weiterhin einen kostenlosen Versand anzubieten. Dieser Fakt gepaart mit der Information, dass auch hier die Marge nur im einstelligen Bereich liegt, ließ mich zum Schluss kommen, dass ich bei einer Umstellung, bei der sicherlich auch nicht alle Kunden mitziehen würden,  mit Gewinn-Einbußen rechnen müsse. Ich entschied mich unter diesen Umständen, an meiner Amazon-Verlinkung festzuhalten. Zeigt mir einen Buchhändler, der sich trotz des drohenden Verlusts anders entscheiden würde.

Übrigens ist es nicht lange her, dass einer sehr erfolgreichen Buchbloggerin eine Ausbildungsstelle im Buchhandel versagt blieb, weil sie auf ihrem Blog zu Amazon verlinkt. Einem Autor wurde an anderer Stelle mitgeteilt, dass er wegen seiner Amazon-Verlinkungen nicht für Lesungen eingeladen würde. Konsequenterweise dürfte diese Buchhändlerin dann aber auch keine Bücher mehr verkaufen, die in der Verlagsgruppe Random House erschienen sind, schließlich verlinken die Münchener ja auch ganz böse zu Amazon.

Deshalb: „Lasst mich bloß in Ruhe mit eurer Amazon-Meckerei!“ – Solange der Buchhandel kein adäquates Partnerprogramm für Buchblogger, Autoren etc. bietet, müsst ihr euch nicht wundern, dass wir zum großen „A“ verlinken.

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Aufgrund der aktuellen Amazon-Debatte möchte ich heute, am 21. Februar 2013, diesen Blogbeitrag noch etwas ergänzen:

Eine Lösung für mein obiges Problem, was die professionelle Alternative zu Amazon angeht, wird es sicherlich auch in naher Zukunft nicht geben. Trotzdem lässt mich die Leiharbeiter- und Steuerdebatte rund um Amazon natürlich nicht kalt. Zur Zeit überdenke ich die Einbindung ergänzender Bestellmöglichkeiten. Diese Änderung bedeutet allerdings einen Umbau auf meinen Seiten, der mit einem finanziellen Aufwand mittlerer dreistelliger Größe erst einmal gestemmt werden muss. (Für alle, die glauben, dass ich mit Amazon reich werde: Der Aufwand für den Umbau entspricht etwa meiner monatlichen Werbekostenerstattung bei Amazon). Hier muss ich mir nicht nur erneut die Frage der Rentabilibät stellen sondern mich zudem fragen, ob andere größere und wichtigere Unternehmen und Verlage ebenfalls bereit wären, existenzielle Einbußen hinzunehmen, um sich von Amazon abzuwenden. Ich glaube nicht –  anders kann ich mir nämlich das Schweigen im Verlagswalde nicht erklären.

Wer trotzdem gerne seine Buchbestellung bei Buecherkinder.de – und nur dort – loswerden möchte, kann mich natürlich gerne ansprechen. Lieferungs- und Zahlungsbedingungen erläutere ich gerne per Email 🙂

24 Kommentare

  1. Peter sagt

    Geht mir keinen Deut anders. Ich kaufe gerne beim Buchhändler. Aber speziell als E-Book-Kunde habe ich dort meist leider schlechte Karten.

  2. Stadt- und Schulbücherei Lauenburg sagt

    Wunderbarer Artikel! Und die Buchhändler sollten sich immer wieder vor Augen halten, dass Amazon eine prima Infoquelle ist, aber vielfach trotzdem vor Ort im Buchladen gekauft wird. Wir nutzen jedenfalss beides zu gleichen Teilen.

  3. Ich finde es ist jedem selbst überlassen, ich meine man ist ja nicht gezwungen auf den Link zu klicken. Jeder der sich darüber beschwert, hat einfach nichts besseres in seinem Leben zu tun, als sich über solche Dinge aufzuregen. Einfach nicht entmutigen lassen und immer das tun wonach einem der Kopf steht.

  4. Ist ja übel, was einem da von der Branche droht. Wenn ich dran denke, dass mein Leib- und Magenbuchhändler für seine Kunden auch schon mal schnell vergriffene Bücher über Amazon beschafft … böser Bube. 😉
    Gut gebrüllt Löwin! (Ich krieg jetzt auch keine Lesungen mehr).

  5. Sehr gut geschrieben. Ein offenes Wort ist immer gut.
    Ganz ehrlich: Wenn Buchhändler sich weigern bzw. „Gegenschritte“ einleiten, sollen sie sich nicht wundern, wenn irgendwann dort keiner mehr einkaufen geht. Mundpropaganda über schlechte Angewohnheiten verbreiten sich unheimlich schnell.

  6. Ich mag Buchläden. Und ich mag Amazon. Beides hat seine Berechtigung.
    Aber diese kleingeistigen Rache-Maßnahmen des klassischen Buchhandels werden seinen offenbar befürchteten Untergang eher beschleunigen als aufhalten. Wenn ich so etwas lese, mag ich den Buchhandel nämlich nicht mehr.

    Amazon wird sich ja demnächst auch als Verleger betätigen (oder tun sie’s schon?). Dann können auch Autoren nicht mehr auf so irrwitzige Weise erpresst werden.

    Also, wach auf Buchhandel! Gönn dem Blogger sein kleines Einkommen. Und finde zu einem konstruktiven Umgang mit dem „Problem“ Amazon, denn verschwinden wird es sicher nicht so bald. Eher verschwindest Du.

  7. Ein rundum gelungener Artikel – sowohl in Darstellung als auch in rhetorischen Belangen. – Die markttechnische Komponente muss letztendlich jeder selbst erörtern.

  8. Sehr schön! Das ist auch mein Reden und ich bekomme oft aus den Reihen des Börsenvereins mindestens böse Blicke. Wenn es der Buchhandel nicht schafft, einen Online-Auftritt und eine bundesweite Logistik mit demselben Komfort wie Amazon auf die Beine zu stellen, dann wird er den Online-Teil des Geschäftes mehr oder weniger komplett verlieren. Ich höre immer: Wir besorgen auch jedes Buch innerhalb von 24 Stunden. Ja klar, aber dann liegt es in der Buchhandlung. Und eBook ist in aller Regel Fehlanzeige, woran allerdings auch die deutschsprachigen Verlage nicht ganz unschuldig sind. Wir haben zumindest ein Online Marketing Tool für den Buchhandel kostenlos bereitgestellt. Aber die fast komplette Nichtbeachtung durch den deutschen Buchhandel dieses Tools spricht Bände … nein, an der Qualität des Tools liegt es in diesem Fall mal nicht, es gilt international als beste verfügbare Lösung. Aber wem sage ich das.

  9. cosima1973 sagt

    War mir gar noch nicht bewusst gewesen, dass ich was „Böses“ tu, wenn ich zu Amazon versinke. Nun, da ich es weiss, kann ich es ja mit gutem Gewissen weiter tun und dabei an deinen Beitrag denken.

  10. Ich verstehe nicht, warum sich einige Leute immer so anstellen. Ich finde es egal, ob man zu Amazon verlinkt oder nicht, und das verlinken macht die Blogger auch nicht zu schlechteren Menschen!

  11. Pingback: Keine halben Sachen! Keine Buchmesse. – Lesen // Leben // Lachen

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