Kinderbuch Wut: sieben Bilderbücher über wütende Kinder und Wutanfälle
Die Hütte des kleinen Trolls fällt schon wieder zusammen. Die Äpfel wollen nicht vom Baum fallen, egal wie sehr er schüttelt. Also grollt er, stampft und schimpft, bis seine Freunde irgendwann ihre Sachen packen und gehen. „Der Grolltroll“ von Barbara van den Speulhof und Stephan Pricken zeigt, wie ein Kinderbuch Wut erzählen kann, ohne sie zu erklären. Sie passiert einfach, und Dreijährige verstehen das sofort. Wer ein Kinderbuch zum Thema Wut sucht, findet solche Geschichten in großer Zahl. Die sieben Titel unten sind die, die sich auch nach vielen Vorleseabenden noch halten.
Was ein gutes Kinderbuch über Wut ausmacht
Wut ist für kleine Kinder ein körperliches Ereignis. Es wird heiß, die Hände ballen sich, die Stimme wird laut. Dass dieses Gefühl einen Namen hat und dass auch andere es kennen, ist für ein Kind im Kindergartenalter eine echte Entdeckung.
Wenn ein Bilderbuch Wut kleinredet, hat es schon verloren. Ein brauchbares zeigt eine Figur, die wirklich tobt, und dann, was danach geschieht: Die Wut vergeht, jemand ist noch da, die Welt ist nicht kaputt. Bücher, die schon auf Seite zwei erklären, dass man nicht wütend sein soll, verfehlen diesen Punkt. Kinder merken sehr schnell, ob ein Buch ihnen zuhört oder sie erziehen will.
Die folgende Auswahl reicht von drei bis etwa acht Jahren. Die meisten Titel sind Vorlesebücher.
Kinderbuch Wut: sieben Titel für Kindergarten und Grundschule
Der Grolltroll – Barbara van den Speulhof
Ab drei Jahren, mit Bildern von Stephan Pricken. Der Grolltroll war ursprünglich ein Plüschtier, erfunden vom Designerpaar aprilkind, und erst danach entstand das Buch. Man sieht es der Figur an, sie wirkt wie ein Kuscheltier, das sich über alles ärgert, was nicht klappt. Und als die Freunde ihre Sachen packen, steht der Troll mit seiner Wut plötzlich allein da.
Das Buch eignet sich für Kinder, die schnell frustriert sind, wenn etwas nicht gelingt. Es gibt inzwischen mehrere Fortsetzungen und eine Pappausgabe für die Jüngeren.
Beim Verlag: Coppenrath
Wenn ich wütend bin – Nanna Neßhöver
Ab etwa vier Jahren, illustriert von Eleanor Sommer, erschienen 2019 bei Carlsen. Der Affe Wim hat einen Tag, an dem einfach alles schiefgeht, und er wird richtig wütend. Die anderen Tiere im Dschungel kennen dieses Gefühl gut, und jedes erzählt, was ihm hilft.
Das Buch ist bewusst als Mitmachbuch angelegt, mit vielen Ideen, was ein Kind mit seiner Wut tun kann. Ein Nachwort stammt von dem Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten Hans Hopf. Wer ein Buch mit konkreten Vorschlägen sucht, ist hier richtig. Wer eine reine Geschichte will, eher nicht.
Beim Verlag: Carlsen
Heute hab ich Wut im Bauch! – Anna Böhm
Ab vier Jahren, mit Bildern von Tim Warnes, 2022 bei Oetinger erschienen. Die Katze Nora hat einen schlechten Tag, ein Wutanfall folgt auf den nächsten. Im Garten lebt der alte, freundliche Hund Lollo, der immer Verständnis hat. Nora schreit und stampft ihre Wut heraus, dann erzählt sie Lollo, was sie bedrückt, und danach geht es ihr besser.
Die Reihenfolge ist das Entscheidende an diesem Buch. Erst kommt die Wut, dann das Gespräch – und genau so lässt es sich auch im Familienalltag halten.
Beim Verlag: Oetinger
Der Dachs hat heute schlechte Laune – Moritz Petz
Ab vier Jahren, illustriert von Amélie Jackowski. Der Dachs wacht mit furchtbarer Laune auf, und jedes Tier, dem er begegnet, wird davon angesteckt. Am Abend geht es dem Dachs wieder gut, aber jetzt sind alle anderen verärgert. Er muss sich etwas einfallen lassen und veranstaltet ein Fest der schlechten Laune.
Das Buch ist leichter im Ton als die anderen auf dieser Liste und eher für Tage gedacht, an denen die Stimmung nur gereizt ist. Es zeigt auf komische Weise, dass schlechte Laune ansteckt. Das verstehen auch Erwachsene.
Beim Verlag: NordSüd
Das NEINhorn – Marc-Uwe Kling
Ab drei Jahren, illustriert von Astrid Henn, 2019 bei Carlsen erschienen. Ein kleines Einhorn aus dem Herzwald sagt zu allem Nein, weshalb es bald nur noch NEINhorn heißt. Es zieht los und trifft unter anderem einen WASBÄR, der nie zuhört, einen Hund, dem alles egal ist, und eine Prinzessin, die immer widerspricht.
Streng genommen ist es ein Buch über Trotz, nicht über Wut. In der Trotzphase liegt beides aber eng beieinander, und das NEINhorn hat einen großen Vorteil: Es bringt wütende Kinder zum Lachen, ohne sie auszulachen. Die Sprachspiele funktionieren auch für Erwachsene, weshalb das Buch auch unter den Büchern zum Lachen steht.
Beim Verlag: Carlsen
Wütend – Britta Teckentrup
Eher für ältere Kindergarten- und Grundschulkinder, erschienen bei Prestel. Das Buch beginnt mit dem Satz „Ich sehe rot“, und das Wort „rot“ ist tatsächlich rot gedruckt, mitten im schwarzen Text. Ein kleines, sehr wütendes Mädchen bewegt sich durch eine stürmische Landschaft, über Wiesen, durch den Himmel, über das Meer.
Die Bilder werden im Verlauf des Buches heller. Ein Mond taucht die Landschaft in warmes Gelb, schließlich folgt ein ruhiger, hellblauer Himmel. Teckentrup erzählt in Reimen, und ihr Buch deutet Wut als Kraft, die etwas in Bewegung bringt. Das ist ein guter Gegenpol zu den Büchern mit Tipps.
Beim Verlag: Prestel
Wo die wilden Kerle wohnen – Maurice Sendak
Ab vier Jahren, 1963 in den USA erschienen, 1967 auf Deutsch bei Diogenes in der Übersetzung von Claudia Schmölders. Max zieht seinen Wolfspelz an und hat nur Unfug im Kopf, bis seine Mutter ihn „Wilder Kerl!“ nennt und ohne Essen ins Bett schickt. In seinem Zimmer wächst ein Wald, Max segelt zu den wilden Kerlen, zähmt sie und wird ihr König.
Das Buch ist seit Jahrzehnten der Klassiker unter den Wutbüchern, gerade weil es nicht moralisiert. Max darf wütend sein, er darf wild sein, und als er zurückkommt, steht sein Abendessen noch warm im Zimmer. Mehr Trost braucht die Geschichte nicht. Der Titel taucht auch in den Kinderbuch-Empfehlungen nach Alter auf, dort bei den Vier- bis Sechsjährigen.
Beim Verlag: Diogenes
Nach dem Wutanfall lesen, nicht mittendrin
Die naheliegende Idee ist, ein Kinderbuch Wut genau dann entgegenzusetzen, wenn das Kind gerade tobt. Das funktioniert fast nie. Ein Kind im Wutanfall ist nicht empfänglich für eine Geschichte, und ein Buch wirkt in diesem Moment wie ein Versuch, das Gefühl abzuschalten. Manche Kinder werden dadurch noch wütender.
Besser ist der Moment danach. Das kann eine Stunde später sein, beim Abendritual oder am nächsten Morgen. Das Kind ist wieder ruhig, der Anlass liegt zurück, und die Geschichte einer wütenden Figur lässt sich mit Abstand anschauen. Oft stellt das Kind dann selbst die Verbindung her: „Der Troll war so wie ich heute.“
Beim gemeinsamen Lesen danach helfen ein paar einfache Dinge:
- Die Geschichte ganz vorlesen, bevor über das eigene Erlebnis gesprochen wird.
- Auf die Bilder zeigen und fragen, was die Figur gerade macht, nicht, was das Kind hätte tun sollen.
- Den Teil betonen, in dem die Wut vorbei ist und jemand noch da ist.
- Kein Urteil über den Wutanfall in das Buch hineinlegen.
Ein Buch über Wut für Kinder ist kein Werkzeug gegen die Wut, schon weil kein Kinderbuch Wut ungeschehen machen kann. Es ist eher eine Landkarte, auf der ein Kind sieht, dass nach dem Sturm wieder Land kommt.
Wut ist nur ein Gefühl unter vielen
Viele Kinder, die gerade viel toben, haben gleichzeitig Angst, sind traurig oder unsicher, und die Wut ist nur das, was nach außen dringt. Bücher, die mehrere Gefühle nebeneinanderstellen, wie „Das Farbenmonster“, fangen das auf. Eine Auswahl dazu findet sich unter Kinderbuch über Gefühle von Angst bis Freude. Häufig entsteht Wut auch im Streit zwischen Geschwistern, wofür es eine eigene Liste mit Kinderbüchern über Geschwister gibt.
Für die Erwachsenen lohnt sich manchmal ein Blick auf die eigene Seite: Wer selbst gelassener auf Wutanfälle reagieren möchte, findet in den Büchern für Eltern einige Ratgeber zur Trotzphase.
Das Abendessen im Zimmer
Eine Einzelheit aus „Wo die wilden Kerle wohnen“ geht beim Vorlesen oft unter. Die Mutter ist im ganzen Buch nie zu sehen, sie ist nur die Stimme, die am Anfang „Wilder Kerl!“ ruft. Trotzdem ist sie am Ende anwesend, durch das Abendessen, das im Zimmer auf Max wartet. Kinder, die das Buch oft genug gehört haben, fragen irgendwann, wer das Essen hingestellt hat. Die Antwort ist offensichtlich. Achten Sie beim nächsten Vorlesen einmal darauf, ob das Kind sie selbst gibt.
Häufige Fragen
Ab welchem Alter lohnt sich ein Kinderbuch über Wut?
Etwa ab drei Jahren, wenn Kinder einer Handlung über mehrere Seiten folgen können. Für diese Altersgruppe gibt es den Grolltroll auch als Pappbilderbuch. Titel wie „Wenn ich wütend bin“ oder „Heute hab ich Wut im Bauch!“ liegen eher bei vier Jahren. Britta Teckentrups gereimtes „Wütend“ und „Wo die wilden Kerle wohnen“ sprechen auch Grundschulkinder an, weil sie mehr zeigen, als sie erklären.
Soll man während eines Wutanfalls ein Buch vorlesen?
In der Regel nicht. Mitten in einem Wutanfall hört ein Kind kaum zu, und ein Buch wirkt dann leicht wie eine Ablenkung oder eine Belehrung. Sinnvoller ist ein ruhiger Moment danach, wenn das Kind wieder erreichbar ist, oft erst am Abend oder am nächsten Tag. Dann kann eine Geschichte über eine wütende Figur helfen, das Erlebte mit etwas Abstand anzuschauen.
Ist ein Buch über Wut für Kinder eine Erziehungsmaßnahme?
Ein gutes Buch über Wut für Kinder ist zuerst eine Geschichte. Es zeigt eine Figur, die wütend wird, und was danach passiert. Manche Titel geben am Ende Tipps, etwa zum Stampfen oder tiefen Atmen, andere verzichten ganz darauf. Kinder greifen oft zu dem Buch, das ihnen gerade nahe ist, und lesen es wieder und wieder. Das ist meist ein gutes Zeichen.
Welche Bücher über Wut gibt es für Eltern?
Für Erwachsene, die verstehen wollen, was bei einem Wutanfall im Kind vorgeht, gibt es eigene Ratgeber. Verbreitet sind etwa „Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn“ von Danielle Graf und Katja Seide sowie Nora Imlaus „So viel Freude, so viel Wut“. Sie ersetzen die Bilderbücher nicht, sondern ergänzen sie auf der Seite der Eltern.
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