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Kinderbuch Tod und Trauer: acht Bücher für Kinder beim Abschied

Ein Mädchen läuft mit einer riesigen Handtasche durch den Park und ruft immer wieder: „Gehört das so??!“ Ein dürres Mädchen mit Jo-Jo schließt sich an, ein Dackel, ein Teddy, ein Mann mit Libellenflügeln. Erst nach und nach erfahren sie, was in der Tasche liegt. Es ist Elvis, der Kanarienvogel, und er ist tot. Peter Schössow erhielt für dieses Bilderbuch 2005 den Deutschen Jugendliteraturpreis, und es ist ein gutes Beispiel dafür, wie ein Kinderbuch Tod und Trauer erzählen kann: Es beginnt mit Wut, nicht mit Erklärungen, und endet mit einer Beerdigung, bei der das Mädchen erzählen darf, wie schön Elvis gesungen hat.

Warum ein Kinderbuch Tod und Abschied oft leichter zugänglich macht als ein Gespräch

Kinder fragen direkt. Wo ist Opa jetzt? Kommt die Katze wieder? Muss ich auch sterben? Erwachsene zögern bei solchen Fragen, weil sie selbst keine sicheren Antworten haben oder gerade selbst trauern. Ein Buch nimmt diesen Druck heraus. Die Geschichte stellt die Fragen, und Kind und Erwachsener können gemeinsam darauf schauen.

Ein gutes Kinderbuch über Trauer benutzt klare Worte. Tote Tiere sind tot, nicht „eingeschlafen“, und eine Beerdigung ist eine Beerdigung. Das wird in Ratgebern häufig empfohlen, weil Umschreibungen kleine Kinder eher verwirren. Ein Kind, dem gesagt wird, Opa sei eingeschlafen, kann Angst vor dem eigenen Einschlafen bekommen.

Die Bücher unten sind nach Alter sortiert, von drei bis etwa zwölf Jahren. Nicht jedes passt zu jedem Anlass: Nach dem Tod eines Haustiers wirkt ein anderes Buch als nach dem Tod der Großmutter.

Bilderbuch Tod und Kinderroman: acht Titel von 3 bis 12 Jahren

Der Baum der Erinnerung – Britta Teckentrup

Ab etwa vier Jahren, 2013 bei arsEdition erschienen. Der Fuchs legt sich im Wald zur Ruhe und stirbt. Die Tiere des Waldes kommen zusammen und erinnern sich an das, was sie mit ihm erlebt haben. Während sie erzählen, wächst an der Stelle ein kleiner Trieb aus dem Boden, der mit jeder Erinnerung größer wird, bis ein großer Baum daraus geworden ist.

Das Bild vom wachsenden Baum ist für kleine Kinder sehr zugänglich. Es verbindet die Trauer mit etwas, das bleibt. Teckentrups ruhige Bilder passen zum Thema, ohne düster zu sein.

Beim Verlag: arsEdition

Leb wohl, lieber Dachs – Susan Varley

Ab vier Jahren, erstmals 1984 erschienen, auf Deutsch bei Annette Betz. Der alte Dachs war immer für die anderen da. Er hat dem Frosch das Schlittschuhlaufen beigebracht, dem Fuchs das Binden einer Krawatte und Frau Kaninchen sein berühmtes Lebkuchenrezept überlassen. Als er stirbt, sind die Tiere zunächst untröstlich.

Dann beginnen sie, sich zu erzählen, was jeder vom Dachs gelernt hat, und merken, dass all das geblieben ist. Mit dem letzten Schnee wird ihre Traurigkeit leichter. Das Buch gilt seit Jahrzehnten als Klassiker zum Thema, und das zu Recht: Es zeigt Trauer als etwas, das sich mit der Zeit verändert.

Beim Verlag: Annette Betz

Gehört das so??! – Peter Schössow

Ab etwa vier Jahren. Das Mädchen mit der Handtasche ist wütend, und die seltsame Gruppe, die sich ihm anschließt, erfährt erst nach und nach den Grund. Sie bleiben trotzdem bei ihm, und am Ende bekommt Elvis eine richtige Beerdigung. Schössow zeigt, wie eine Gruppe trauert, tröstet, beerdigt, erinnert und am Ende sogar ein wenig feiert.

Besonders wertvoll ist das Buch, weil es Wut als Teil der Trauer ernst nimmt. Viele Kinder reagieren auf einen Verlust nicht mit Tränen, sondern mit Ärger, und finden sich in diesem Mädchen wieder.

Beim Verlag: Hanser

Ente, Tod und Tulpe – Wolf Erlbruch

Ab etwa fünf Jahren, 2007 bei Antje Kunstmann erschienen. Eine Ente merkt, dass ihr jemand folgt. Es ist der Tod, eine Gestalt mit Totenkopf, kariertem Gewand und einer Tulpe in der Hand. Die Ente erschrickt, doch der Tod hat keine Eile und ist eigentlich ganz freundlich. Sie reden darüber, was nach dem Sterben kommt – manche Enten glauben an den Himmel, andere an die Hölle –, und bis zum Herbst werden die beiden Freunde. Am Ende trägt der Tod die Ente zum Wasser, legt die Tulpe auf sie und lässt sie davontreiben.

Selten erzählt ein Kinderbuch Tod so ohne Schrecken und ohne Beschönigung wie dieses. Das Buch ist leise und in seiner Offenheit ungewöhnlich. Es eignet sich weniger für die akute Trauer als für die allgemeine Frage, was Sterben eigentlich ist, und wird auch von Erwachsenen gern gelesen.

Beim Verlag: Kunstmann

Hat Opa einen Anzug an? – Amelie Fried

Etwa ab fünf Jahren, illustriert von Jacky Gleich, bei Hanser erschienen und 1998 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet. Bruno liebt seinen Opa, und nun ist Opa gestorben. Sein Bruder Xaver sagt, Opa sei auf dem Friedhof. Der Vater sagt, er sei im Himmel. Beides zugleich kann nicht stimmen, und niemand beantwortet Brunos eigentliche Frage: Wer geht jetzt mit ihm angeln?

Wenn der Opa gestorben ist, ist dieses Buch der Klassiker. Die Bilder von Jacky Gleich sind dunkel gehalten, der Text nimmt Brunos Verwirrung ernst. Das Buch zeigt, wie Erwachsene in ihrer eigenen Trauer an den Fragen eines Kindes vorbeireden können.

Beim Verlag: Hanser

Erik und das Opa-Gespenst – Kim Fupz Aakeson

Ab etwa fünf Jahren, mit Bildern von Eva Eriksson, 2014 bei Gerstenberg auf Deutsch erschienen, übersetzt von Dagmar Brunow. Erik ist traurig, weil sein Opa gestorben ist. Eines Nachts spaziert Opa durch die Wand in sein Zimmer, als Gespenst. Er hat noch etwas zu erledigen, weiß aber nicht mehr, was.

Gemeinsam gehen Erik und Opa ihre Erinnerungen durch, und am Ende finden sie es heraus: Sie haben sich noch nicht verabschiedet. Das Buch ist warm und oft komisch. Es passt gut für Kinder, die beim Tod eines Großelternteils nicht dabei sein konnten.

Die besten Beerdigungen der Welt – Ulf Nilsson

Ab fünf bis sechs Jahren, illustriert von Eva Eriksson, 2006 im Moritz Verlag erschienen, übersetzt von Ole Könnecke. Ester, ihr kleiner Bruder Putte und der Junge, der die Geschichte erzählt, gründen an einem langweiligen Sommertag ein Beerdigungsinstitut für tote Tiere, um die sich sonst niemand kümmert. Den Anfang macht eine tote Hummel, die Ester findet.

Ester geht mit der Kiste voran, dahinter der Erzähler, der für das Tier ein Gedicht spricht, am Ende Putte mit dem Spaten. Danach folgen Mäuse aus der Falle, ein überfahrenes Kaninchen, ein Hamster aus der Nachbarschaft und drei Heringe aus dem Kühlschrank. Das Buch ist lustig und berührend zugleich, und es zeigt etwas, das Erwachsene leicht vergessen: Kinder nähern sich dem Tod oft im Spiel.

Beim Verlag: Moritz

Die Brüder Löwenherz – Astrid Lindgren

Ab etwa neun Jahren, 1973 erschienen, auf Deutsch bei Oetinger, mit Bildern von Ilon Wikland. Karl, genannt Krümel, ist schwer krank, und sein großer Bruder Jonathan erzählt ihm jeden Abend von Nangijala, dem Land, in das man nach dem Tod kommt. Dann stirbt Jonathan zuerst, bei einem Brand, als er Krümel rettet. Bald darauf folgt ihm Krümel nach Nangijala, und dort beginnt ein Abenteuer gegen einen grausamen Tyrannen.

Der Roman ist kein Trauerbuch im engeren Sinn, sondern eine große Abenteuergeschichte, die mit dem Tod beginnt und mit ihm endet. Für Kinder zwischen neun und zwölf ist er einer der wenigen Klassiker, die dieses Thema so offen anfassen. Er eignet sich gut zum gemeinsamen Lesen, weil viele Stellen Gesprächsbedarf wecken.

Beim Verlag: Oetinger

Kinderbuch Trauer: was beim gemeinsamen Lesen hilft

Beim Vorlesen eines Buches über den Tod braucht es keine besondere Methode. Hilfreich ist vor allem Zeit. Das Buch sollte nicht kurz vor dem Einschlafen zum ersten Mal auf den Tisch kommen, sondern in einem ruhigen Moment, in dem danach noch Platz für Fragen bleibt.

Kinder reagieren sehr unterschiedlich. Manche wollen ein Buch sofort noch einmal hören, andere legen es weg und fragen eine Woche später nach. Beides ist in Ordnung. Wenn Sie selbst gerade trauern, darf das Kind das merken, auch beim Vorlesen.

Wer mehr Hintergrund zum Umgang mit Kindern in schwierigen Phasen sucht, findet in den Büchern für Eltern mehrere Ratgeber. Viele Kinder in Trauer sind außerdem wütend oder ängstlich, wofür die Leselisten zum Kinderbuch über Gefühle und zum Kinderbuch über Wut weitere Titel bereithalten.

Wenn es um ein Haustier geht

Für viele Kinder ist der erste Tod, den sie erleben, der eines Tieres: ein Hamster, eine Katze, ein Vogel. Erwachsene unterschätzen diesen Verlust manchmal. „Gehört das so??!“ und „Die besten Beerdigungen der Welt“ passen hier besonders gut, weil beide Bücher eine Beerdigung als etwas zeigen, das Kinder selbst gestalten können.

Eine kleine Zeremonie im Garten, ein gemaltes Bild, ein Stein mit Namen: Kinder übernehmen solche Ideen aus Büchern oft ganz von selbst. In Nilssons Geschichte werden die Tiere dabei immer ungewöhnlicher, bis zu den Heringen aus dem Kühlschrank. Irgendwann stirbt eine Amsel direkt vor den Augen der drei Kinder, und aus dem Spiel wird für einen Moment Ernst. Ob ein Hering dieselbe Feier verdient wie eine Amsel, darüber lässt sich nach dem Vorlesen gut gemeinsam streiten.

Häufige Fragen

Ab welchem Alter kann man ein Kinderbuch über den Tod vorlesen?

Schon mit drei oder vier Jahren, besonders wenn es einen Anlass gibt, etwa ein gestorbenes Haustier. Bilderbücher wie „Der Baum der Erinnerung“ oder „Leb wohl, lieber Dachs“ erzählen mit Tieren und wenig Text. Titel wie „Hat Opa einen Anzug an?“ oder „Die besten Beerdigungen der Welt“ passen eher ab fünf, „Die Brüder Löwenherz“ ab etwa neun Jahren. Entscheidend ist weniger das Alter als die Frage, ob das Kind gerade mit dem Thema beschäftigt ist.

Welches Kinderbuch passt, wenn der Opa gestorben ist?

Zwei Titel erzählen genau davon. „Hat Opa einen Anzug an?“ von Amelie Fried und Jacky Gleich begleitet den kleinen Bruno, der nicht versteht, warum Opa gleichzeitig auf dem Friedhof und im Himmel sein soll. „Erik und das Opa-Gespenst“ von Kim Fupz Aakeson und Eva Eriksson ist leichter im Ton: Opa kehrt als Gespenst zurück, weil er etwas vergessen hat, nämlich sich zu verabschieden.

Sollte man ein Buch über den Tod lesen, bevor jemand gestorben ist?

Das kann sinnvoll sein. Ein Buch, das ohne akuten Anlass gelesen wird, lässt Fragen in Ruhe zu, weil niemand gerade um einen bestimmten Menschen trauert. Viele Kinder fragen ohnehin von selbst nach dem Tod, oft ausgelöst durch einen toten Vogel oder eine Geschichte im Kindergarten. Ein Buch wie „Ente, Tod und Tulpe“ oder „Die besten Beerdigungen der Welt“ bietet dann einen Rahmen, ohne dass es gleich um den eigenen Verlust geht.

Was tun, wenn ein Buch das Kind traurig macht?

Traurigkeit beim Lesen ist bei diesem Thema normal und kein Zeichen, dass das Buch falsch gewählt war. Wichtig ist, dass danach Zeit bleibt und niemand das Gespräch eilig beendet. Manche Kinder wollen sofort weiterspielen, andere fragen erst Tage später nach. Wenn die Trauer über lange Zeit sehr belastend bleibt, können Kinderarzt, Beratungsstellen oder Hospizvereine weiterhelfen, die oft eigene Angebote für Kinder haben.

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