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Kinderbuch Geschwister: neun Bücher für Große, wenn das Baby kommt

Elmore Green ist ein Einzelkind, und zwar ein sehr geliebtes. Seine Eltern finden ihn witzig, klug und charmant. Dann kommt eines Tages ein neues Wesen ins Haus, weint während seiner Lieblingssendungen, wirft seine Sachen herum und leckt seine Süßigkeiten ab. So erzählt Lauren Child in „Bleibt der jetzt für immer?“, und die Frage im Titel ist die ehrlichste, die ein Kinderbuch über Geschwister stellen kann. Ein gutes Kinderbuch Geschwister betreffend beginnt selten mit Begeisterung. Es beginnt mit Verwirrung.

Kaum ein Ereignis verändert das Leben eines Kleinkindes so gründlich wie die Geburt eines Geschwisterchens. Bis gestern gehörten Mama und Papa ihm allein, ab heute teilt es sie mit jemandem, der nicht einmal spielen kann. Bücher können diese Umstellung nicht verhindern. Sie können aber Worte für etwas liefern, das ein Dreijähriges sonst nur durch Wutanfälle und plötzliches Babysprechen ausdrückt.

Kinderbuch Geschwister: was ein gutes Buch leisten muss

Die meisten Titel zum Thema fallen in zwei Gruppen. Die einen bereiten auf das Baby vor: wie es im Bauch wächst, wann es kommt, was es anfangs kann und was nicht. Die anderen erzählen, was danach passiert, von Eifersucht, Streit und der langsamen Entdeckung, dass ein kleiner Bruder auch ein Verbündeter sein kann.

Beide Gruppen braucht es, aber nicht zur selben Zeit. Vor der Geburt hilft Sachwissen, weil es das Unbekannte schrumpfen lässt. Nach der Geburt hilft eine Geschichte, in der ein anderes Kind genau so wütend ist. Die meisten Bücher darüber, wie man großer Bruder oder große Schwester wird, gehören zur ersten Sorte, ebenso fast jedes Bilderbuch, in dem ein Geschwisterchen erwartet wird. Die zweite ist seltener und oft wertvoller.

Ein Detail lohnt sich beim Aussuchen: Wie sieht das große Kind im Buch aus, wenn das Baby da ist? Strahlt es auf jeder Seite, bekommt das eigene Kind leicht das Gefühl, mit seinem Ärger falsch zu liegen.

Neun Bücher über das Baby, den Neid und das Leben zu zweit

Wieso? Weshalb? Warum? junior: Unser Baby – Angela Weinhold

Band 12 der junior-Reihe bei Ravensburger, illustriert von Clara Suetens, für Kinder von zwei bis vier Jahren. Das Buch erklärt, wie das Baby im Bauch wächst, ob es dort schon hören kann und wie sich die Familie verändert. Unter den Klappen verbergen sich Bewegungen und kleine Überraschungen.

Bemerkenswert ist, dass die Enttäuschung vieler Erstgeborener ausdrücklich vorkommt. Das Buch sagt, warum Babys so viel weinen und wann sie endlich zum Spielen taugen – genau die Frage, die Zweijährige am meisten beschäftigt.

Beim Verlag: Ravensburger

Juhu, ich bin jetzt große Schwester! – Katja Reider und Sabine Kraushaar

Ein gereimtes Pappbilderbuch ab zwei Jahren, erschienen 2022, mit dem Gegenstück „Juhu, ich bin jetzt großer Bruder!“. Das Baby wächst im Bauch, kommt auf die Welt, und dann wird gekitzelt, gekuschelt, gebadet, getröstet und gespielt.

Das Buch ist freundlich und kurz, eher Einstimmung als Auseinandersetzung. Es gibt zu, dass die Eltern weniger Zeit haben. Für die Kleinsten ist das genug.

Beim Verlag: Penguin Junior

Conni und das neue Baby – Liane Schneider

In der Neuausgabe illustriert von Janina Görrissen, ab drei Jahren. Conni erfährt, dass in Mamas Bauch ein Baby wächst, und hat tausend Fragen. Sie begleitet die Eltern zur Vorsorgeuntersuchung, sieht beim Ultraschall zu und lernt in einem Geschwisterkurs, was Babys können und was nicht.

Conni-Bücher sind nüchtern im besten Sinn. Kein Zauber, keine Tiere, sondern ein Alltag, der dem eigenen ähnelt. Auch der Frust über das Warten und das neue Familienleben bekommt Platz.

Beim Verlag: Carlsen

Kleiner Bruder, großer Bruder – Inka Friese

Ein ungewöhnliches Buch, weil es statt Zeichnungen Fotografien von Elena Shumilova zeigt. Joschi und sein großer Bruder Wanja sind unzertrennlich. Dann kündigt sich ein weiteres Baby an, und Joschi macht sich plötzlich Sorgen, dass Wanja den Neuen lieber haben könnte.

Das Buch dreht die übliche Perspektive: Hier fürchtet nicht das älteste Kind um die Eltern, sondern das mittlere um den Bruder.

Bleibt der jetzt für immer? – Lauren Child

Die englische Originalausgabe „The New Small Person“ erschien 2014, die deutsche Übersetzung von Saskia Heintz 2016 bei Hanser. Elmore Green verliert seinen Platz als Mittelpunkt der Familie an einen kleinen Bruder, der nervt, sabbert und alles anfasst.

Lauren Child erzählt die Eifersucht ohne erhobenen Zeigefinger. Am Ende zahlt sich die bedingungslose Bewunderung des Kleinen für den Großen aus, und zwar ohne dass Elmore ein anderer Mensch werden muss.

Beim Verlag: Hanser

Klar, dass Mama Ole lieber hat / Klar, dass Mama Anna lieber hat – Kirsten Boie

Zwei Bilderbücher in einem, illustriert von Silke Brix, ab vier Jahren. Eine Hälfte erzählt Annas Sicht, dann wird das Buch umgedreht und Ole erzählt dieselben Streitereien. Beide sind überzeugt, dass die Mutter das andere Kind bevorzugt.

Das Wendebuch hat über die Jahre nichts von seiner Wirkung verloren. Kinder begreifen mit den Händen, dass es zu jedem Streit eine zweite Seite gibt – sie müssen das Buch ja umdrehen, um sie zu lesen.

Beim Verlag: Oetinger

Die Kinder aus der Krachmacherstraße – Astrid Lindgren

Illustriert von Ilon Wikland, zum Vorlesen ab etwa sechs Jahren. Lotta ist drei, als die Geschichten beginnen, und lebt mit ihren älteren Geschwistern Jonas und Mia-Maria in einer Straße, die der Vater wegen des Lärms Krachmacherstraße nennt. Die drei picknicken im Baumhaus, besuchen Tante Berg im Nachbarhaus und bauen das Kinderzimmer zum Piratennest um.

Um ein neues Baby geht es hier nicht. Das Buch zeigt, was Geschwister später miteinander anfangen, und ist deshalb eine gute Ergänzung für Familien, in denen das Baby schon laufen kann.

Beim Verlag: Oetinger

Peter, Ida und Minimum – Grethe Fagerström und Gunilla Hansson

Der Untertitel lautet „Familie Lindström bekommt ein Baby“, empfohlen ab sechs Jahren. Peter und Ida erfahren, dass ihre Mutter ein Kind erwartet, und nennen es „Minimum“, weil es noch keinen Namen hat. Dann stellen sie alle Fragen, die Kinder in dieser Lage stellen – auch die nach Sex und nach dem Unterschied zwischen Männern und Frauen.

Die Geschichte ist als Comic erzählt und endet nicht mit der Geburt. Sie zeigt auch die anstrengenden Wochen mit einem Säugling, der viel schreit. Manche Eltern finden die Offenheit überraschend, Kinder in der Regel nicht.

Beim Verlag: Ravensburger

Ich und meine Schwester Klara – Dimiter Inkiow

Die Reihe begann 1977 und wuchs auf mehr als dreißig Bände. Erzähler ist der achtjährige Klaus, seine Schwester Klara ist zehn. Die kurzen Geschichten handeln von Streichen und Verboten, erzählt aus dem trockenen, manchmal naiven Blick des kleinen Bruders, der mit großer Beharrlichkeit darauf besteht, dass er eben nicht Klara ist.

Für Grundschulkinder, die längst Geschwister haben, ist das die entspannteste Lektüre dieser Liste. Kein Baby, kein Problem, nur zwei Kinder, die sich zanken und trotzdem zusammenhalten.

Beim Verlag: Oetinger

Welches Buch in welchem Alter passt

Die Altersangaben der Verlage sind hier ausnahmsweise recht verlässlich, weil sie mit dem Verständnis von Zeit zusammenhängen. Zweijährige können mit „in ein paar Monaten“ wenig anfangen. Für sie taugen die Pappbücher von Katja Reider und der Band aus der junior-Reihe, weil sie das Baby als etwas Anschauliches zeigen: einen runden Bauch, ein kleines Bündel, ein Gesicht, das weint.

Zwischen drei und fünf wird die Geschichte wichtiger als die Information. Conni, Elmore Green und die beiden Streithähne aus Kirsten Boies Wendebuch sind Figuren, an denen ein Kind das eigene Durcheinander ablesen kann, ohne selbst gemeint zu sein. Ab sechs tragen dann längere Texte und genauere Fragen. „Peter, Ida und Minimum“ ist in diesem Alter fast unschlagbar, und Lindgren und Inkiow liefern den Stoff für die Jahre, in denen aus dem Baby ein Mitspieler geworden ist, der gelegentlich das Zimmer verwüstet.

Ein Kind, das schon zum zweiten Mal großes Geschwister wird, braucht übrigens oft ein anderes Buch als beim ersten Mal. Es kennt das Baby-Thema bereits und fragt eher, was aus seinem Platz in der Reihe wird – genau die Lücke, in die „Kleiner Bruder, großer Bruder“ passt.

Wenn aus Eifersucht Wut wird

Eifersucht auf ein Baby äußert sich selten höflich. Manche Kinder werden laut, andere ziehen sich zurück, wieder andere wollen plötzlich wieder gewickelt werden. Ein Buch über Geschwister kann solche Phasen begleiten, aber manchmal braucht es zusätzlich ein Buch, das Wut selbst zum Thema macht. Eine eigene Auswahl dazu steht unter Kinderbücher über Wut.

Für die Erwachsenen lohnt sich parallel ein Blick in die Ratgeber für Eltern, besonders die Titel, die erklären, was im Kopf eines Kleinkindes während eines Wutanfalls vor sich geht. Wer eher nach Büchern sortiert nach Alter sucht, findet die Kinderbuch-Empfehlungen von null bis zwölf.

Vorlesen, wenn das Baby schon da ist

In den ersten Wochen mit einem Neugeborenen fällt das Vorleseritual oft aus, weil gestillt, gewickelt oder getragen werden muss. Gerade dann ist es für das große Kind besonders wichtig. Es muss nicht lang sein. Zehn Minuten auf dem Sofa, während das Baby schläft, reichen, wenn sie verlässlich wiederkehren.

Manche Familien machen daraus eine Gewohnheit, die das große Kind selbst verwaltet: Es sucht das Buch aus, es bestimmt, wie oft geblättert wird. Und irgendwann, meist früher als erwartet, fragt es, ob das Baby zuhören darf. Das ist ein guter Moment für eines der Pappbücher aus dem eigenen Regal, am besten eines mit Klappen, die der große Bruder oder die große Schwester öffnen darf.

Bleibt die Frage, wann ein Kinderbuch Geschwister als Thema überhaupt wieder braucht. Oft kommt sie mit dem nächsten Umbruch zurück, etwa wenn das große Kind in den Kindergarten wechselt und das Baby zu Hause bleibt. Für diesen Moment gibt es wieder eigene Bücher, zum Beispiel über die Eingewöhnung in der Kita.

Häufige Fragen

Wann ist der richtige Zeitpunkt für ein Buch über das neue Geschwisterchen?

Für Kinder unter drei reicht es meist, das Buch in den letzten Wochen vor der Geburt einzuführen, weil ein halbes Jahr für sie eine unüberschaubare Zeit ist. Ältere Kinder vertragen einen früheren Beginn, etwa wenn der Bauch sichtbar wird und die Fragen kommen. Nach der Geburt lohnt sich ein zweites Buch, das von Eifersucht und Enttäuschung erzählt, denn diese Gefühle kommen oft erst, wenn das Baby tatsächlich da ist.

Welches Buch hilft bei Eifersucht auf das Baby?

Gut geeignet sind Bücher, in denen die Eifersucht offen ausgesprochen wird, statt dass das große Kind von Anfang an begeistert ist. „Bleibt der jetzt für immer?“ von Lauren Child erzählt aus der Sicht eines Jungen, dem das Baby alles durcheinanderbringt. „Klar, dass Mama Ole lieber hat“ von Kirsten Boie zeigt dieselbe Rivalität aus zwei Blickwinkeln. Beide Bücher verurteilen den Ärger nicht, sondern lassen ihn gelten.

Gibt es Sachbücher für Kinder über Schwangerschaft und Geburt?

Ja. Für Zwei- bis Vierjährige erklärt „Unser Baby“ aus der Reihe Wieso? Weshalb? Warum? junior, wie das Baby im Bauch wächst, ob es dort schon hören kann und warum Babys so viel weinen. Für Kinder ab etwa sechs ist „Peter, Ida und Minimum“ ein bewährter Klassiker, der auch Fragen nach Sexualität und dem Unterschied zwischen Mann und Frau kindgerecht beantwortet.

Was hilft älteren Geschwistern neben Büchern?

Eine feste Zeit allein mit Mutter oder Vater, auch nur eine Viertelstunde am Tag, wirkt oft mehr als jedes Gespräch. Viele Kinder genießen außerdem kleine Aufgaben, die wirklich gebraucht werden, etwa die Windel holen oder dem Baby etwas vorsingen. Wichtig ist, dass das große Kind auch schlechte Laune über das Baby äußern darf, ohne dafür getadelt zu werden.

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