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Kinderbuch Gefühle: acht Bilderbücher über Angst, Traurigkeit, Freude

Das Monster ist grün, gelb, blau, rot und schwarz zugleich, und die Farben laufen in seinem Fell wild durcheinander. Ein Mädchen hilft ihm, sie auseinanderzusortieren: Gelb ist Freude, Blau ist Traurigkeit, Rot ist Wut, Schwarz ist Angst, Grün ist Ruhe. Am Ende stehen die Gefühle in Gläsern auf dem Regal. Anna Llenas’ „Das Farbenmonster“ gehört zu den bekanntesten Bilderbüchern der letzten zehn Jahre, und an ihm lässt sich gut zeigen, wie ein Kinderbuch Gefühle ordnen kann. Solche Bücher geben einem Durcheinander Namen. Wer ein Kinderbuch zum Thema Gefühle sucht, findet heute Dutzende Titel mit Monstern, Fischen und Tieren, die weinen, zittern oder vor Freude hüpfen. Nicht alle davon sind gut.

Warum ein Kinderbuch über Gefühle mehr ist als ein Lernbuch

Kleine Kinder erleben Gefühle heftig und meist ohne Wort dafür. Ein Dreijähriges weiß, dass sich etwas im Bauch zusammenzieht, wenn die Mutter an der Kitatür geht. Dass dieses Ziehen „Traurigkeit“ oder „Angst“ heißt und dass es anderen auch so geht, lernt es erst durch Sprache. Bilderbücher bieten dafür einen geschützten Raum: Das Gefühl gehört zuerst einer Figur, nicht dem Kind selbst. Das macht es leichter, darüber zu reden.

Gute Bücher über Gefühle erzählen trotzdem eine Geschichte. Sie haben eine Figur, die etwas will, ein Problem und eine Wendung. Bücher, die nur Gefühle auflisten und am Ende erklären, wie man sich richtig verhält, funktionieren beim ersten Lesen und landen danach im Regal. Die Titel unten sind so ausgewählt, dass sie auch beim zwanzigsten Vorlesen noch tragen.

Kinderbuch Gefühle: acht Titel von 2 bis 8 Jahren

Die Liste beginnt mit Büchern für die Jüngsten und endet mit Geschichten, die eher Kindergarten- und Grundschulkindern liegen. Die Altersangaben sind Richtwerte.

Das Farbenmonster – Anna Llenas

Ab etwa drei Jahren. Die spanische Autorin und Illustratorin arbeitet mit Collagen aus Farben, Papier und kleinen bemalten Pappfiguren, was dem Buch eine ungewöhnliche, fast greifbare Oberfläche gibt. Jede Doppelseite gehört einem Gefühl, das mit Farbe, Bild und ein paar Sätzen beschrieben wird. Die Freude leuchtet gelb, die Traurigkeit ist blau und leise.

Das Buch eignet sich als Einstieg, weil es mehrere Gefühle nebeneinanderstellt, ohne eines davon schlecht zu machen. Die Angst bekommt genauso viel Raum wie die Ruhe. Die Farben lassen sich später gut im Alltag aufgreifen, etwa mit der Frage, welche Farbe der Tag heute hatte.

Beim Verlag: Jacoby & Stuart

Heute bin ich – Mies van Hout

Ab zwei Jahren. Auf jeder Doppelseite schwimmt links ein Fisch, gemalt mit kräftigen Ölpastellkreiden auf schwarzem Grund, rechts steht ein einziges Gefühlswort, künstlerisch auf farbigen Grund gesetzt. Mehr Text gibt es nicht. Das Buch wurde 2013 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert, und zwar in der Sparte Sachbuch, was ziemlich genau beschreibt, was es ist: ein Wörterbuch der Gesichter.

Kleinkinder ahmen die Fischmienen nach, Ältere erfinden Geschichten dazu, warum der Fisch gerade so schaut. Gerade weil der Text fehlt, wächst das Buch mit.

Beim Verlag: Aracari

Der kleine Angsthase – Elizabeth Shaw

Ab drei bis vier Jahren. Das Buch erschien 1963 im Kinderbuchverlag Berlin und gehört zu den erfolgreichsten Bilderbüchern der DDR, mit mehr als einer Million verkauften Exemplaren. Der kleine Hase fürchtet sich vor Hunden, vor Gespenstern und vor großen Jungen, und alle nennen ihn deshalb Angsthase. Sein einziger Freund ist der kleine Ulli.

Als ein Fuchs Ulli fangen will, springt der Angsthase auf den Fuchs und zieht ihn am Schwanz. Die Szene ist kurz und komisch gezeichnet, und sie zeigt etwas, das Kinder sofort verstehen: Wer Angst hat, kann trotzdem mutig sein, wenn es um jemanden geht, den er mag.

Beim Verlag: Beltz

Kannst du nicht schlafen, kleiner Bär? – Martin Waddell

Ab etwa vier Jahren, mit Bildern von Barbara Firth. Der kleine Bär liegt im Bett und kann nicht einschlafen, weil es dunkel ist. Der große Bär holt eine Laterne, dann eine größere, dann die größte, die es gibt. Es hilft alles nicht. Schließlich trägt er den kleinen Bären hinaus vor die Höhle und zeigt ihm den Mond und die Sterne.

Das Buch ist ein Abendbuch, und es wirkt am besten genau dort. Die Angst vor der Dunkelheit wird nicht wegdiskutiert. Sie verschwindet, weil jemand da ist und Geduld hat.

Beim Verlag: Annette Betz

Die Königin der Farben – Jutta Bauer

Ab vier Jahren. Königin Malwida ruft ihre Untertanen: Das Blau kommt sanft und mild, das Rot wild und gefährlich, das Gelb warm und hell, aber auch launisch. Als die Farben sich streiten, wird alles grau, und Malwida wird grau und traurig mit. Jutta Bauer, die für ihr Gesamtwerk den Hans-Christian-Andersen-Preis erhielt, erzählt das in wenigen, fast gedichtartigen Zeilen.

Das Buch spricht über Stimmungen, ohne ein einziges Gefühlswort zu erklären. Das Grau, in dem Malwida versinkt, ist eine sehr genaue Darstellung von Traurigkeit, und Kinder erkennen sie meist, ohne dass jemand sie erklären muss.

Beim Verlag: Beltz & Gelberg

Das kleine Ich bin ich – Mira Lobe

Ab drei Jahren, gezeichnet von Susi Weigel. Ein kleines, buntes Tier läuft über eine Blumenwiese und merkt, dass es keinem anderen Tier gleicht. Es ist kein Pferd, keine Kuh, kein Vogel und kein Nilpferd. Das Tier beginnt an sich zu zweifeln, bis es schließlich sagt: „Ich bin ich.“ Mira Lobe erhielt für das Buch 1972 den Österreichischen Staatspreis für Kinder- und Jugendliteratur.

Hier geht es um Unsicherheit und um das Gefühl, nicht dazuzugehören. Die Reime sind eingängig, und viele Erwachsene können ganze Passagen noch aus der eigenen Kindheit auswendig. Das Buch steht auch im Kinderbuch-Finder.

Beim Verlag: Jungbrunnen

Irgendwie Anders – Kathryn Cave

Ab vier Jahren, illustriert von Chris Riddell. Irgendwie Anders lebt ganz allein auf einem hohen Berg und hat keine Freunde. Er gibt sich große Mühe, so zu sein wie die anderen, doch sie lassen ihn nicht mitmachen. Eines Tages steht ein seltsames Etwas vor seiner Tür, das ganz anders aussieht als er und trotzdem behauptet, genau wie er zu sein. Irgendwie Anders begegnet ihm zuerst mit Misstrauen.

Diese Wendung macht das Buch stark: Die Figur, die selbst ausgegrenzt wird, zögert, als ein anderer Einlass sucht. „Irgendwie Anders“ erhielt den ersten Preis der UNESCO für Kinder- und Jugendliteratur im Dienst der Toleranz. Für Kinder, die sich in einer Gruppe einsam fühlen, ist es ein guter Anlass, darüber zu reden.

Beim Verlag: Oetinger

Ich bin ein bisschen schüchtern – Anna Böhm

Ab vier Jahren, mit Bildern von Tim Warnes. Die Katze Nora baut mit der Maus Pauli und dem Esel Eddi eine Höhle, als es klopft. Draußen steht Bill, ein blauer Vogel, der neue Nachbar, und er ist laut. Nora möchte sich am liebsten verstecken. Die gut gemeinten Ratschläge, sie solle doch nicht so schüchtern sein, machen alles schlimmer.

Das Buch behandelt Schüchternheit als Eigenschaft, nicht als Fehler. Nora muss am Ende nicht plötzlich laut werden. Sie entdeckt, dass ihre ruhige Art in einer bestimmten Lage genau das Richtige ist. Das ist ehrlicher als die meisten Mut-Geschichten, und schüchterne Kinder merken den Unterschied.

Beim Verlag: Oetinger

Was beim Vorlesen hilft

Ein Buch über Gefühle Kindern vorzulesen heißt nicht, nach jeder Seite abzufragen, wie sie sich gerade fühlen. Die meisten reagieren darauf mit Rückzug. Besser ist es, das Buch als Geschichte zu lesen und abzuwarten. Oft kommt ein Kommentar Tage später, beim Zähneputzen oder im Auto: „Heute war ich wie der kleine Angsthase.“

Wiederholung gehört dazu. Kinder wählen instinktiv das Buch, das zu ihrer Lage passt, und lesen es so lange, bis es nicht mehr nötig ist. Wenn nach dem Umzug drei Wochen lang jeden Abend „Irgendwie Anders“ auf dem Nachttisch liegt, hat das meist einen Grund.

Für Eltern, die selbst mehr über kindliche Gefühle lesen möchten, gibt es eine Auswahl an Ratgebern für Eltern von Jesper Juul bis Nora Imlau. Und wer nicht nach Thema, sondern nach Alter sucht, findet in den Kinderbuch-Empfehlungen nach Alter mit dem Kinderbuch-Finder einen breiteren Überblick.

Wenn ein Gefühl besonders viel Platz braucht

Manche Gefühle brauchen eigene Bücher, weil ein Kinderbuch Gefühle im Überblick nur anreißen kann. Wut zum Beispiel taucht im „Farbenmonster“ zwar auf, aber ein Kind, das jeden Nachmittag tobt, braucht Geschichten, in denen eine Figur genau das erlebt. Dafür gibt es eine eigene Auswahl mit einem Kinderbuch über Wut für jedes Alter. Ähnlich ist es mit Trauer nach dem Tod eines Großelternteils oder eines Haustiers, wofür die Liste mit Kinderbüchern über Tod und Trauer gedacht ist.

Dass ein Bilderbuch Gefühle benennen kann, ersetzt kein Gespräch. Es macht aber eines möglich, das sonst oft nicht zustande kommt.

Eine Frage des Formats

Ob ein Kinderbuch Gefühle im Alltag wirklich erreicht, hängt manchmal an einer Kleinigkeit, die beim Kauf leicht übersehen wird. Von mehreren Titeln auf dieser Liste gibt es inzwischen verschiedene Ausgaben. „Das Farbenmonster“ ist auch als Pop-up-Buch erschienen, „Heute bin ich“ als Pappbuch für die Kleinsten, „Das kleine Ich bin ich“ in mehrsprachigen Fassungen. Für Zweijährige ist die Pappausgabe fast immer die bessere Wahl. Wenn Sie für ein Vierjähriges kaufen, lohnt eher die gebundene Ausgabe. Das Pop-up-Farbenmonster ist schön, übersteht aber einen Kindergartentisch selten länger als eine Woche. Welche Fassung im Kinderzimmer landet, entscheidet oft darüber, ob ein Buch gelesen oder nur angeschaut wird.

Häufige Fragen

Ab welchem Alter eignet sich ein Kinderbuch über Gefühle?

Schon Zweijährige können mit Büchern etwas anfangen, die Gesichter und Stimmungen zeigen, etwa mit „Heute bin ich“ von Mies van Hout, wo jede Doppelseite einen Fisch mit einem einzigen Gefühlswort paart. Geschichten mit Handlung, in denen eine Figur ihre Angst überwindet oder sich fremd fühlt, tragen meist ab drei oder vier Jahren. Ab etwa sechs verstehen Kinder auch Bücher, in denen Gefühle nur angedeutet werden.

Wie liest man ein Buch über Gefühle vor, ohne dass es nach Unterricht klingt?

Am besten wie jedes andere Buch: in Ruhe, ohne Prüfungsfragen am Ende. Viele Kinder kommentieren von selbst, wenn eine Figur weint oder sich versteckt. Hilfreich ist es, auf Bilder zu zeigen und zu fragen, was die Figur gerade denkt, statt zu erklären, was sie fühlt. Und manche Kinder wollen ein Buch zehnmal hören, bevor sie überhaupt etwas dazu sagen.

Welches Bilderbuch über Gefühle hilft bei Angst im Dunkeln?

Ein bewährter Titel ist „Kannst du nicht schlafen, kleiner Bär?“ von Martin Waddell mit Bildern von Barbara Firth. Der große Bär bringt dem kleinen immer größere Laternen, doch erst als er ihn hinaus in die Nacht trägt und ihm Mond und Sterne zeigt, schläft der kleine Bär ein. Das Buch nimmt die Angst ernst und zeigt eine Lösung, die ohne Belehrung auskommt.

Gibt es Kinderbücher über Schüchternheit?

Ja, etwa „Ich bin ein bisschen schüchtern“ von Anna Böhm und Tim Warnes, erschienen bei Oetinger. Die Katze Nora will sich lieber verstecken, als ein lauter neuer Nachbar einzieht, und gut gemeinte Ratschläge machen es schlimmer. Am Ende zeigt sich, dass gerade ihre stille Art in einer bestimmten Lage hilft. Auch „Irgendwie Anders“ passt für Kinder, die sich am Rand einer Gruppe fühlen.

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