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Redemittel B2: Meinung äußern, widersprechen, Kompromiss finden

In der Broschüre „Tipps zur Prüfungsvorbereitung“ zur Prüfung telc Deutsch B2 steht ein Satz, der in vielen Kursräumen hängen könnte: Man sollte mehr Formulierungen beherrschen als nur „Meiner Meinung nach …“ und „Ich meine, dass …“. Genau darum geht es bei Redemitteln B2. Gemeint sind feste Wendungen, mit denen man im Gespräch oder im Text eine bestimmte Aufgabe erfüllt: eine Meinung einführen, widersprechen, ein Beispiel ankündigen, einen Kompromiss anbieten.

Die folgenden Redemittel B2 sind nach genau diesen Aufgaben sortiert. Zu jedem Ausdruck gibt es einen kurzen Beispielsatz, denn eine Wendung ohne Satz drumherum lernt sich schlecht.

Warum eine Liste allein nicht reicht

Die meisten Lernenden besitzen längst eine Redemittelliste, oft sogar mehrere. Das Problem liegt selten im Material, sondern in der Situation: In einer Diskussion fehlt die Zeit, auf ein Blatt zu schauen. Was nicht automatisch kommt, kommt gar nicht.

Deshalb lohnt es sich, pro Funktion nur wenige Ausdrücke auszuwählen und diese dann wirklich zu üben. Zwei sichere Wendungen zum Widersprechen helfen mehr als acht, die man nur wiedererkennt. Wer wissen möchte, wie die mündliche Prüfung genau aufgebaut ist und wo diese Ausdrücke gebraucht werden, findet das im Beitrag zu telc B2 Sprechen mit allen drei Prüfungsteilen.

Meinung äußern: Redemittel B2 für den ersten Satz

Eine eigene Position lässt sich auf viele Arten einleiten. Manche Ausdrücke klingen neutral, andere zeigen, wie sicher sich jemand ist.

  • Ich bin der Ansicht, dass … – Ich bin der Ansicht, dass Schulen später beginnen sollten.
  • Für mich steht fest, dass … – Für mich steht fest, dass Homeoffice nicht für jeden Beruf taugt.
  • Ich halte es für sinnvoll, … – Ich halte es für sinnvoll, Plastiktüten ganz zu verbieten.
  • Soweit ich das beurteilen kann, … – Soweit ich das beurteilen kann, hat sich der Nahverkehr hier verbessert.
  • Ich sehe das so: … – Ich sehe das so: Wer mehr arbeitet, sollte auch mehr verdienen.

Der letzte Ausdruck ist bewusst schlicht. Er eignet sich für das Gespräch, weniger für einen schriftlichen Text. „Soweit ich das beurteilen kann“ ist dagegen eine gute Wahl, wenn man sich vorsichtig äußern möchte, etwa zu einem Thema, bei dem die eigenen Kenntnisse begrenzt sind.

Zustimmen und widersprechen

In vielen Kursunterlagen heißt dieses Blatt „Redemittel Diskussion B2“, und es ist wahrscheinlich das wichtigste. Denn eine Diskussion besteht zum größten Teil aus Reaktionen auf das, was die andere Person gesagt hat.

Zum Zustimmen:

  • Da stimme ich dir völlig zu. – Da stimme ich dir völlig zu, das Angebot ist zu teuer.
  • Das sehe ich genauso. – Das sehe ich genauso, vor allem was die Kosten betrifft.
  • Da hast du einen wichtigen Punkt angesprochen. – Da hast du einen wichtigen Punkt angesprochen: Die Kinder werden gar nicht gefragt.

Zum Widersprechen:

  • Da bin ich anderer Meinung. – Da bin ich anderer Meinung, weil die Busse abends kaum fahren.
  • Das sehe ich etwas anders. – Das sehe ich etwas anders. Die Umfrage ist doch schon zehn Jahre alt.
  • Ich verstehe dein Argument, aber … – Ich verstehe dein Argument, aber die Zahlen sprechen dagegen.
  • Ganz im Gegenteil: … – Ganz im Gegenteil: Kleine Klassen kosten auf Dauer weniger.

Eine Zwischenform wird oft vergessen, obwohl sie im echten Gespräch ständig vorkommt: teilweise zustimmen. „Da ist etwas dran, aber …“ oder „Im Prinzip ja, nur …“ erlauben es, einen Einwand zu machen, ohne das Gegenüber vor den Kopf zu stoßen. Auf B2 zeigt gerade diese Abstufung, dass jemand mehr kann als Ja und Nein.

Argumente einleiten und Beispiele geben

Ein Argument braucht eine Einleitung, damit das Gegenüber merkt, dass jetzt eine Begründung folgt. Hier helfen Ausdrücke, die eine Reihenfolge herstellen oder etwas hinzufügen.

  • Ein wichtiges Argument dafür ist … – Ein wichtiges Argument dafür ist der geringere Verkehr.
  • Hinzu kommt, dass … – Hinzu kommt, dass viele Eltern ohnehin im Homeoffice sind.
  • Nicht zu vergessen ist … – Nicht zu vergessen ist der Datenschutz.
  • Dagegen spricht, dass … – Dagegen spricht, dass die Geräte schnell veralten.

Für Beispiele:

  • Zum Beispiel … / Ein Beispiel dafür ist … – Ein Beispiel dafür ist die Stadtbibliothek im Viertel, die jetzt sonntags öffnet.
  • Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass … – Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass Sprachtandems viel bringen.
  • Das sieht man etwa daran, dass … – Das sieht man etwa daran, dass die Wartelisten immer länger werden.

„Zum Beispiel“ gehört zu den Wörtern, die sich in Prüfungsgesprächen am schnellsten abnutzen. In einem Beispielgespräch, das telc in seinen Prüfungstipps abdruckt, fällt es bei einem der beiden Teilnehmer immer wieder, oft ohne dass danach ein Beispiel folgt. Es wird dort zum Füllwort, das Zeit zum Nachdenken verschafft. Das ist menschlich, aber wer das an sich bemerkt, kann gezielt ein „also“ oder eine kurze Pause an seine Stelle setzen.

Einen Kompromiss vorschlagen und zum Schluss kommen

Viele Aufgaben auf B2, mündlich wie schriftlich, verlangen am Ende eine Lösung, mit der beide Seiten leben können. Die Wendungen dafür klingen oft etwas förmlich, sind aber sehr nützlich.

  • Wie wäre es, wenn wir …? – Wie wäre es, wenn wir den Ausflug auf Samstag verschieben?
  • Könnten wir uns darauf einigen, dass …? – Könnten wir uns darauf einigen, dass jeder einen Salat mitbringt?
  • Ein Kompromiss wäre vielleicht, … – Ein Kompromiss wäre vielleicht, das Handy nur in den Pausen zu erlauben.
  • Einverstanden, dann machen wir es so.

Zum Abschluss eines Beitrags oder einer Diskussion:

  • Alles in allem bin ich der Meinung, dass …
  • Abschließend möchte ich sagen, dass …
  • Für mich bleibt also festzuhalten, dass …

Diese drei gehören eher in den schriftlichen Text. Im Gespräch reicht oft ein „Also, dann halten wir fest: …“.

Redemittel B2 schreiben oder sprechen: zwei Register

Hier liegt ein Unterschied, den viele Listen verschweigen. Wer Redemittel B2 schreiben muss, etwa für einen Forumsbeitrag auf B2-Niveau oder eine halbformelle E-Mail, kann ruhig zu „Hinzu kommt, dass …“ und „Abschließend möchte ich betonen …“ greifen. Auf dem Papier wirken sie geordnet und klar.

In einem Gespräch dagegen klingt dieselbe Wendung schnell wie vorgelesen. Wer unter dem Stichwort „Redemittel B2 sprechen“ übt, sollte deshalb nach kürzeren, beweglicheren Formen suchen: „Und noch was:“, „Moment, da muss ich kurz einhaken“, „Na ja, kommt drauf an“. Solche Ausdrücke sind keine Umgangssprache im schlechten Sinn. Sie gehören zu einem lebendigen Gespräch, und genau das verlangt die mündliche Prüfung. Die Tipps von telc betonen ausdrücklich, dass die Teilnehmenden miteinander reden sollen und nicht mit den Prüfenden.

Eine praktische Folgerung: Die eigene Liste in zwei Spalten teilen, eine für Texte und eine für das Gespräch. Manche Ausdrücke stehen in beiden, viele nicht.

Lernen, ohne auswendig gelernt zu klingen

Prüfende hören schnell, wenn ein Satz auswendig gelernt ist. Im Übungstest zum Deutsch-Test für den Beruf B2 wird das sogar beschrieben: Auswendig gelernte Beiträge erkennt man am veränderten Redefluss und Sprechtempo, an einer monotonen Satzmelodie und an Pausen an der falschen Stelle. Das Gleiche gilt für einzelne Redemittel. Wenn „Ich bin der Ansicht, dass“ blitzschnell kommt und der Rest des Satzes stockt, fällt der Bruch auf.

Drei Übungen helfen dagegen, und alle drei kosten wenig Zeit.

Erstens: Ein Ausdruck pro Tag, aber mit echtem Inhalt. Wer morgens „Dagegen spricht, dass …“ auswählt, bildet damit im Laufe des Tages drei Sätze über Dinge, die wirklich passieren – über den verspäteten Zug, den neuen Stundenplan der Kinder, eine Nachricht in der Zeitung. Die Wendung wird so an eigene Gedanken gebunden statt an eine Liste.

Zweitens: Sich selbst aufnehmen. Eine Minute Sprachnachricht zu einem strittigen Thema, danach anhören. Beim Zuhören fällt sofort auf, welche Ausdrücke natürlich klingen und welche wie ein Fremdkörper.

Drittens: Variieren, bevor es langweilig wird. Wer merkt, dass er dreimal hintereinander „Ich finde“ gesagt hat, kann beim vierten Mal bewusst „Für mich ist klar“ wählen. Diese kleine Aufmerksamkeit ist wirksamer als jede neue Liste.

Materialien, mit denen sich solche Übungen ergänzen lassen, sind in der Übersicht zu Materialien für Deutsch als Fremdsprache zusammengestellt.

Ein Fehler, der nichts kostet

Im selben Beispielgespräch aus den telc-Tipps antwortet ein Teilnehmer auf die Position seiner Partnerin mit dem Satz „Ich bin ganz im Gegenteil.“ Korrekt wäre „Ganz im Gegenteil“ oder „Ich bin ganz anderer Meinung“ – zwei Redemittel, die hier zu einem verschmolzen sind. Trotzdem erfüllen nach den Musterbewertungen im Heft beide Teilnehmenden die Anforderungen. Der Satz hat seine Aufgabe erledigt: Die Partnerin wusste sofort, dass jetzt Widerspruch kommt. Ob ein Redemittel sitzt, entscheidet sich offenbar zuerst daran, ob es im richtigen Moment kommt, und erst danach an der Form.

Häufige Fragen

Wie viele Redemittel braucht man für B2?

Eine feste Zahl gibt es nicht. Sinnvoll ist, für jede Gesprächsfunktion zwei oder drei Ausdrücke sicher zu beherrschen: Meinung äußern, zustimmen, widersprechen, ein Argument einleiten, ein Beispiel geben, einen Kompromiss vorschlagen und zum Schluss kommen. Das ergibt etwa zwanzig Wendungen. Wer sie wirklich frei verwenden kann, klingt souveräner als jemand, der sechzig Ausdrücke auf einer Liste hat und im Gespräch doch wieder zu „Ich denke“ greift.

Sind Redemittel für das Schreiben und das Sprechen dieselben?

Zum großen Teil ja, aber das Register unterscheidet sich. In einem Forumsbeitrag oder einer E-Mail passen Wendungen wie „Hinzu kommt, dass …“ oder „Abschließend möchte ich betonen …“. Im Gespräch wirken sie schnell steif. Dort sind kürzere Formen üblich, etwa „Und noch was:“ oder „Also, für mich heißt das …“. Wer für beide Situationen übt, sollte die Ausdrücke deshalb getrennt notieren und laut ausprobieren.

Wie lernt man Redemittel, ohne auswendig gelernt zu klingen?

Am besten in kleinen Portionen und immer mit eigenem Inhalt. Ein Ausdruck pro Tag, eingesetzt in drei Sätze über echte Themen aus dem eigenen Alltag, bleibt besser hängen als eine ganze Liste am Wochenende. Hilfreich ist außerdem, Gespräche aufzunehmen und anzuhören: Ein auswendig gelerntes Redemittel erkennt man daran, dass es schneller und gleichmäßiger gesprochen wird als der Rest des Satzes.

Ist „Meiner Meinung nach“ auf B2 falsch?

Nein, der Ausdruck ist korrekt und darf verwendet werden. Problematisch wird er nur, wenn er der einzige bleibt. Die Tipps von telc zur Prüfung telc Deutsch B2 empfehlen ausdrücklich, mehr Formulierungen zu beherrschen als „Meiner Meinung nach …“ und „Ich meine, dass …“. Ein breiterer Wortschatz gehört zu dem, was auf diesem Niveau bewertet wird, und Abwechslung zeigt genau das.

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