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Kennen oder wissen? Der Unterschied einfach erklärt – mit einer Übung

„Weißt du, wo der Bahnhof ist?“ – „Nein, aber ich kenne jemanden, der es weiß.“ In diesem kurzen Wechsel stecken beide Verben, und für viele Deutschlernende ist genau diese Stelle ein Stolperstein. Kennen oder wissen, das ist eine der Fragen, die im Unterricht früh auftauchen und trotzdem noch auf B2-Niveau Fehler produzieren. Der Grund liegt meist in der Muttersprache: Das Englische hat für beides nur „to know“.

Kennen vs wissen: die Faustregel

Kennen bedeutet, mit etwas oder jemandem vertraut zu sein, weil man es erlebt, gesehen, gehört oder getroffen hat. Man kennt Menschen, Städte, Bücher, Filme, Lieder, einen Geruch.

Wissen bedeutet, eine Information zu besitzen. Etwas, das sich in einem Satz weitersagen lässt: dass der Zug um acht fährt, wo die Schlüssel liegen, warum der Laden heute zu hat.

Eine einfache Probe hilft fast immer: Lässt sich der Inhalt als Satz weitergeben? Dann passt wissen. Geht es um eine Bekanntschaft mit einer Person, einem Ort oder einem Werk? Dann passt kennen.

  • Ich kenne Frau Berger. (Person)
  • Ich kenne Solingen ganz gut. (Ort)
  • Ich kenne das Buch, aber ich habe es nie gelesen. (Werk, vom Hörensagen)
  • Ich weiß, dass Frau Berger in Solingen wohnt. (Information)
  • Ich weiß nicht, ob das Buch übersetzt wurde. (Information)

Der dritte Satz zeigt übrigens, dass kennen nicht immer tiefe Vertrautheit bedeutet. Ein Buch kann man kennen, weil man den Titel oft gehört hat.

Wissen kennen Unterschied in der Grammatik

Unter Stichworten wie „wissen kennen Unterschied“ finden sich lange Tabellen, dabei zeigt die Satzstruktur den Unterschied oft schon von selbst. Nach kennen steht ein Akkusativobjekt, meistens ein Substantiv oder ein Pronomen: Ich kenne ihn. Kennst du das Café am Markt?

Nach wissen steht dagegen häufig ein Nebensatz, eingeleitet mit dass, ob oder einem Fragewort:

  • Ich weiß, dass du recht hast.
  • Weißt du, ob sie kommt?
  • Niemand weiß, wann die Baustelle fertig ist.

Ein Nebensatz nach kennen ist nicht möglich. „Ich kenne, dass …“ ist immer falsch. Das macht die Unterscheidung in vielen Fällen mechanisch einfach: Folgt ein dass, ob, wo, wann oder warum, kommt wissen.

Wissen kann auch mit einem Pronomen stehen, das eine Information ersetzt: Ich weiß es. Das weiß doch jeder. Ebenso mit einigen festen Verbindungen wie Bescheid wissen („Weißt du schon Bescheid?“) oder etwas auswendig wissen.

Eine Grauzone gibt es bei Substantiven, die selbst eine Information bezeichnen. Die Antwort, die Lösung, den Weg, die Adresse: Hier sind beide Verben möglich. „Ich weiß den Weg“ und „Ich kenne den Weg“ bedeuten fast dasselbe, wobei das zweite ein wenig nach Ortskenntnis klingt.

Die Konjugation von wissen

Wissen ist unregelmäßig, und die Formen im Singular sehen anders aus, als viele erwarten:

PersonPräsens
ichweiß
duweißt
er / sie / esweiß
wirwissen
ihrwisst
sie / Siewissen

Auffällig ist zweierlei. Der Vokal wechselt im Singular von i zu ei, und die erste und dritte Person haben keine Endung – genau wie bei den Modalverben (ich kann, er kann). Das Präteritum lautet ich wusste, das Perfekt ich habe gewusst.

Kennen ist im Präsens regelmäßig: ich kenne, du kennst, er kennt. In der Vergangenheit ändert sich aber der Vokal: ich kannte, ich habe gekannt. Solche Verben heißen gemischte Verben; brennen, nennen und denken gehören zur selben Gruppe.

Kennen oder wissen: typische Fehler mit Korrektur

Die folgenden Fehler tauchen in Kursen immer wieder auf. Jeder hat eine erkennbare Ursache.

„Ich weiß ihn nicht.“ → Ich kenne ihn nicht. Bei Personen geht nur kennen. Der Fehler entsteht oft, weil wissen als „das normale Verb für know“ gelernt wurde.

„Kennst du, wo die Post ist?“ → Weißt du, wo die Post ist? Nach kennen kann kein Nebensatz stehen.

„Ich weiße das.“ / „Er weißt es.“ → Ich weiß das. / Er weiß es. Hier wird die unregelmäßige Form mit einer regelmäßigen Endung versehen. Die erste und dritte Person Singular bleiben endungslos.

„Ich habe das nicht gewisst.“ → Ich habe das nicht gewusst. Das Partizip ist unregelmäßig, mit u statt i.

„Ich kenne Deutsch und ein bisschen Italienisch.“ → Ich kann Deutsch und ein bisschen Italienisch. Dazu gleich mehr.

„Ich weiß schwimmen.“ → Ich kann schwimmen. Dieser Fehler stammt häufig aus dem Französischen oder Spanischen, wo „je sais nager“ und „sé nadar“ mit dem Verb für wissen gebildet werden. Im Deutschen übernimmt diese Aufgabe können.

Kennen, können, wissen: das dritte Verb

Weil viele Sprachen Kenntnis und Fähigkeit mit einem Wort ausdrücken, gehört können fast immer mit in dieses Kapitel. Lehrwerke stellen die drei deshalb gern nebeneinander, und das Trio kennen, können, wissen ist fester Bestandteil vieler Arbeitsblätter.

Können beschreibt eine erlernte Fähigkeit. Bei Sprachen steht es sogar allein, ohne zweites Verb: Sie kann Spanisch. Kannst du Türkisch? Dasselbe gilt für manche Fertigkeiten, die man als Ganzes gelernt hat: Er kann das Gedicht auswendig. Das Kind kann schon das Einmaleins.

Der Vergleich zeigt, wie fein das Deutsche trennt:

  • Ich kenne Spanien. (Ich war schon dort.)
  • Ich kann Spanisch. (Ich spreche die Sprache.)
  • Ich weiß, dass in Spanien spät zu Abend gegessen wird. (Eine Information.)

Wer im Kurs gerade mit Grammatik dieser Art arbeitet, findet passende Übungsmaterialien in der Übersicht zu Materialien für Deutsch als Fremdsprache. Weitere Beiträge zu Wortschatz und Prüfungen sind in der Rubrik Deutsch lernen gesammelt.

Übung: kennen, wissen oder können?

In jede Lücke gehört eine Form von kennen, wissen oder können.

  1. ___ du, wann der Kurs anfängt?
  2. Ich ___ den Lehrer noch nicht, er ist neu.
  3. Meine Schwester ___ sehr gut Englisch.
  4. Wir ___ nicht, ob wir am Wochenende Zeit haben.
  5. ___ ihr das Restaurant an der Ecke?
  6. Er ___ nicht Auto fahren.
  7. Das habe ich nicht ___. (Perfekt von wissen)
  8. Ich ___ das Lied, aber den Text ___ ich nicht auswendig.
  9. ___ Sie, wie spät es ist?
  10. Früher ___ ich jeden Laden in der Straße. (Präteritum)

Lösungen:

  1. Weißt – ein Nebensatz mit wann folgt.
  2. kenne – eine Person.
  3. kann – eine Sprache.
  4. wissen – ein Nebensatz mit ob folgt.
  5. Kennt – ein Ort.
  6. kann – eine Fähigkeit.
  7. gewusst – unregelmäßiges Partizip.
  8. kenne, kann – das Lied als Werk, der Text als etwas Gelerntes. Auch „weiß ich nicht auswendig“ ist möglich.
  9. Wissen – ein Nebensatz mit wie folgt.
  10. kannte – gemischtes Verb.

Satz 8 ist die kleine Falle der Übung, weil auswendig mit können und mit wissen stehen kann. Wo die Entscheidung zwischen kennen oder wissen bei solchen Sätzen unsicher bleibt, lohnt es, eine Handvoll fester Wendungen als Ganzes zu lernen statt die Regel jedes Mal neu anzuwenden.

Ein Sonderfall: sich auskennen

Ein Verb bringt die schöne Faustregel dann doch durcheinander: sich auskennen. Es gehört zur Familie von kennen, beschreibt aber etwas, das eher nach Wissen klingt. „Sie kennt sich in Solingen aus“ heißt, sie findet sich zurecht, kennt die Abkürzungen und weiß, welcher Bus wohin fährt. „Kennst du dich mit Steuern aus?“ fragt nach Fachwissen, nicht nach einer Bekanntschaft. Die Präposition verrät den Bereich: in bei Orten, mit bei Themen. Und wer sich nirgends auskennt, sagt im Alltag meist einfach: „Keine Ahnung, ich bin nicht von hier.“

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen kennen und wissen?

Kennen beschreibt Vertrautheit durch Erfahrung: Man kennt Menschen, Orte, Bücher, Lieder, einen Geschmack. Nach kennen steht fast immer ein Akkusativobjekt, kein Nebensatz. Wissen beschreibt Informationen und Tatsachen, die man weitergeben kann: dass etwas so ist, wann, wo oder warum etwas geschieht. Deshalb folgt auf wissen oft ein Nebensatz mit dass, ob oder einem Fragewort. Als Faustregel hilft die Frage, ob man den Inhalt in einem Satz weitersagen könnte.

Wie konjugiert man wissen?

Wissen ist unregelmäßig. Im Präsens heißt es ich weiß, du weißt, er, sie und es weiß, wir wissen, ihr wisst, sie und Sie wissen. Die Singularformen haben also einen anderen Vokal als der Infinitiv, und die erste und dritte Person Singular haben keine Endung. Das Präteritum lautet ich wusste, das Partizip Perfekt gewusst. Kennen ist ein sogenanntes gemischtes Verb: Präsens regelmäßig, aber Präteritum kannte und Partizip gekannt.

Sagt man „Ich kenne Deutsch“ oder „Ich kann Deutsch“?

Richtig ist „Ich kann Deutsch“ oder „Ich spreche Deutsch“. Für Sprachen und erlernte Fähigkeiten verwendet das Deutsche können, auch ohne zweites Verb: Sie kann Spanisch, er kann gut kochen, das Kind kann schon schwimmen. „Ich kenne Deutsch“ ist ein typischer Fehler, der meist aus dem Englischen oder aus Sprachen kommt, in denen ein einziges Verb für Kenntnis und Können zuständig ist. Kennen passt dagegen, wenn es um ein Land oder eine Stadt geht: Ich kenne Deutschland.

Kann man „die Antwort kennen“ und „die Antwort wissen“ sagen?

Ja, beides ist korrekt, und hier verschwimmt die Grenze. Bei einigen Substantiven, die selbst eine Information bezeichnen, sind beide Verben möglich: die Antwort, die Lösung, den Weg, die Adresse, die Uhrzeit. „Ich weiß die Antwort“ klingt dabei etwas alltäglicher, „Ich kenne die Antwort“ etwas neutraler. Bei Personen und Orten geht dagegen nur kennen, bei einem folgenden Nebensatz nur wissen.

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