telc B2 Zertifikat: Aufbau, Punkte pro Teil und was zum Bestehen zählt
Zehn Items, jedes 1,5 Punkte wert: Der Grammatikteil der Sprachbausteine gehört zu den beiden kleinsten Blöcken der ganzen Prüfung, und trotzdem lässt sich dort leicht zu viel Zeit verlieren. Wer den Aufbau der Prüfung kennt, weiß, dass sich das kaum lohnt. Ein falsches Item in den Sprachbausteinen kostet 1,5 Punkte, eine falsche Antwort in Teil 1 des Leseverstehens dagegen 5 Punkte. Das telc B2 Zertifikat belohnt, wer seine Zeit nach den Punkten einteilt.
Grundlage dieser Übersicht sind das Handbuch von telc zur Prüfung telc Deutsch B2, die Broschüre mit Tipps zur Prüfungsvorbereitung, der Übungstest des Anbieters und die Prüfungsordnung in der Fassung ab 15. April 2025. Wer sich fragt, wofür ein B2-Nachweis überhaupt gebraucht wird und welche anderen Anbieter es gibt, findet das im Beitrag zum B2 Zertifikat.
Aufbau der Prüfung im Überblick
Die Prüfung besteht aus einem schriftlichen und einem mündlichen Teil. Der schriftliche Teil umfasst vier Subtests, der mündliche findet als Paarprüfung statt. Nach dem Testformat im Handbuch sieht der Aufbau so aus:
| Subtest | Teile und Aufgaben | Zeit | Punkte |
|---|---|---|---|
| Leseverstehen | Teil 1: 5 Zuordnungsaufgaben (global) · Teil 2: 5 Multiple-Choice-Aufgaben (detailliert) · Teil 3: 10 Zuordnungsaufgaben (selektiv) | 90 Min. zusammen mit den Sprachbausteinen | 75 |
| Sprachbausteine | Teil 1: 10 Multiple-Choice-Aufgaben (Grammatik) · Teil 2: 10 Zuordnungsaufgaben (Lexik) | siehe oben | 30 |
| Hörverstehen | Teil 1: 5 · Teil 2: 10 · Teil 3: 5 Richtig-Falsch-Aufgaben | ca. 20 Min. | 75 |
| Schriftlicher Ausdruck | eine halbformelle E-Mail, Auswahl aus zwei Aufgaben | 30 Min. | 45 |
| Mündlicher Ausdruck | Teil 1: über Erfahrungen sprechen · Teil 2: Diskussion · Teil 3: gemeinsam etwas planen | ca. 15 Min., dazu 20 Min. Vorbereitung | 75 |
Der schriftliche Teil dauert damit rund 140 Minuten. Die 90 Minuten für Leseverstehen und Sprachbausteine sind ein gemeinsamer Block: Wie die Zeit zwischen den fünf Teilen verteilt wird, entscheiden die Prüflinge selbst. Die Tipps von telc schlagen Richtwerte vor, etwa rund 15 Minuten für den ersten Leseteil, betonen aber, dass es nur Vorschläge sind. Alle Texte zusammen haben etwa 3.000 Wörter, und innerhalb der 90 Minuten müssen auch die Lösungen auf den Antwortbogen übertragen werden, wofür telc rund zehn Minuten veranschlagt. Die Reihenfolge der Aufgaben ist frei; die Broschüre regt ausdrücklich an, sich zu überlegen, ob zuerst die Aufgaben mit höheren Punktzahlen drankommen sollen. Das Hörverstehen läuft dagegen im Takt der Tonaufnahme, und der Schriftliche Ausdruck hat feste 30 Minuten.
Im Schriftlichen Ausdruck wählen die Teilnehmenden eine von zwei Aufgaben. Gefragt ist eine halbformelle E-Mail als Antwort auf eine Anzeige, wie sie im Internet oder in Zeitschriften zu finden ist, mit vier Leitpunkten und mindestens 150 Wörtern. In der mündlichen Prüfung sprechen zwei Teilnehmende miteinander. Für den ersten Teil wird eines von sieben Themen zu Hause vorbereitet, im zweiten Teil diskutieren beide über einen Zeitungsartikel zu einem kontroversen Thema, im dritten planen sie gemeinsam eine Aktivität.
Wie sich die 300 Punkte verteilen
Die Gesamtpunktzahl liegt bei 300. Davon entfallen 225 Punkte auf den schriftlichen Teil, das sind 75 Prozent, und 75 Punkte auf den mündlichen, das sind 25 Prozent. Innerhalb der schriftlichen Prüfung sind die Gewichte ungleich verteilt, und genau hier liegt der Wert der genauen Zahlen.
Im Leseverstehen bringt jedes der fünf Items in Teil 1 und Teil 2 jeweils 5 Punkte, in Teil 3 bringt jedes der zehn Items 2,5 Punkte. Jeder Teil ist damit 25 Punkte wert, zusammen 75. Die Sprachbausteine bringen 1,5 Punkte pro Item, also 15 Punkte pro Teil und 30 insgesamt. Das Hörverstehen folgt dem Muster des Leseverstehens: 5 Punkte pro Item in Teil 1 und Teil 3, 2,5 Punkte pro Item im zehnteiligen Teil 2, zusammen 75 Punkte.
Die Punkte für den Schriftlichen Ausdruck entstehen anders. Zwei Bewerterinnen oder Bewerter beurteilen die E-Mail nach drei Kriterien: Berücksichtigung der Leitpunkte, kommunikative Gestaltung und formale Richtigkeit. Die Summe wird in der telc Zentrale mit drei multipliziert, das ergibt maximal 45 Punkte. Weichen die beiden Bewertungen voneinander ab, gilt die zweite.
In der mündlichen Prüfung ist jeder der drei Teile 25 Punkte wert. Bewertet werden Ausdrucksfähigkeit, Aufgabenbewältigung, formale Richtigkeit sowie Aussprache und Intonation.
Aus diesen Zahlen folgt eine praktische Einsicht. Die zwanzig Items der Sprachbausteine bringen zusammen 30 Punkte, die fünf Items in Teil 1 des Leseverstehens allein 25. Eine Stunde Grammatikdrill kurz vor der Prüfung bringt deshalb meist weniger als eine Stunde Übung im schnellen Erfassen von Zeitungstexten.
Hörverstehen und mündliche Prüfung im Ablauf
Zwei Teile der Prüfung laufen nicht im eigenen Tempo, und gerade sie sorgen oft für Nervosität. Im Hörverstehen wird jeder Text nur einmal gehört. Die Aufnahme läuft durch und darf nicht angehalten werden; alle Pausen zum Lesen der Aufgaben und zum Markieren der Antworten sind auf der Aufnahme bereits enthalten. Die Aufgabenstellungen stehen zusätzlich in den Prüfungsunterlagen, sodass mitgelesen werden kann. In Teil 1 laufen sechs kurze Radiomeldungen, auf dem Blatt stehen aber nur fünf Aussagen – zu einer Meldung gibt es also keine passende Aussage. Für das Lesen der Aussagen bleiben 30 Sekunden. telc empfiehlt, die Lösungen sofort auf dem Antwortbogen zu markieren und mit regional gefärbter Aussprache zu rechnen; ein Blick in bayerisches, österreichisches oder Schweizer Radio gehört nach den Tipps des Anbieters zur Vorbereitung dazu.
Die mündliche Prüfung beginnt mit einer kurzen Phase zum Kennenlernen von etwa einer Minute, die nicht bewertet wird. In den 20 Minuten Vorbereitung gibt es ein Blatt mit den Aufgaben und gestempeltes Papier für Notizen, die in der Prüfung verwendet werden dürfen. Im ersten Teil spricht jede Person etwa anderthalb Minuten über das vorbereitete Thema und beantwortet danach Fragen des Gegenübers. Für die Diskussion im zweiten Teil empfiehlt telc, rund zehn der zwanzig Vorbereitungsminuten zu nutzen: Argumente für und gegen die Position des Textes notieren und eigene Erfahrungen als Beispiele sammeln. Für das Planen im dritten Teil nennt die Broschüre Leitfragen, die fast immer passen: Was? Wer? Wann? Wo? Essen und Trinken? Kosten?
Entscheidend ist, dass die beiden Teilnehmenden miteinander sprechen und nicht mit den Prüfenden. Wer möglichst viel allein redet, sammelt deshalb nicht automatisch Punkte. Für das telc B2 Zertifikat zählt ein Gespräch, zu dem beide etwa gleich viel beitragen – einschließlich der Fähigkeit, das Gegenüber freundlich zu unterbrechen, wenn es das Wort nicht mehr abgibt.
Bestehen: die 60-Prozent-Grenze in beiden Teilen
Zum Bestehen müssen sowohl in der schriftlichen als auch in der mündlichen Prüfung jeweils 60 Prozent der möglichen Höchstpunktzahl erreicht werden. Das sind 135 Punkte im schriftlichen und 45 Punkte im mündlichen Teil. Die beiden Grenzen gelten getrennt: 200 Punkte im Schriftlichen helfen nicht, wenn im Mündlichen nur 40 erreicht sind. Für das telc B2 Zertifikat gibt es also zwei Hürden, keine gemeinsame.
Wer beide Hürden nimmt, bekommt eine Note. Diese ergibt sich aus der Summe der beiden Teilergebnisse. Der Übungstest von telc nennt dafür folgende Stufen: 270 bis 300 Punkte sehr gut, 240 bis 269,5 Punkte gut, 210 bis 239,5 Punkte befriedigend und 180 bis 209,5 Punkte ausreichend. Die untere Grenze von 180 ist genau die Summe der beiden Mindestwerte.
Zum Bestehen gehört auch das Formale. Wer ein Mobiltelefon oder ein anderes Gerät mit Speicher- oder Fotofunktion in den Prüfungsraum mitnimmt, begeht nach den Hinweisen von telc immer eine Täuschung. Wer täuscht, wird aus der gesamten Prüfung ausgeschlossen, und die Prüfung wird nicht ausgewertet. Auf dem Tisch liegen nur Aufgabenheft, Antwortbogen, Stifte, Radiergummi, Spitzer und gestempeltes Notizpapier. Und was ins Aufgabenheft geschrieben wird, zählt nicht: Bewertet wird allein der Antwortbogen. Wer die Lösungen zuerst im Heft markiert, muss also die zehn Minuten für das Übertragen einplanen, sonst gehen Punkte verloren, obwohl die richtige Antwort längst gefunden war.
Nach dem telc B2 Zertifikat: Ergebnis, Einspruch, Wiederholung
Wer die Prüfung besteht, erhält ein Zertifikat, wer sie nicht besteht, einen Ergebnisbogen. Auf dem Zertifikat steht keine Gültigkeitsdauer. Die persönlichen Daten müssen dem Prüfungszentrum so mitgeteilt werden, wie sie im Ausweis stehen; Korrekturen sind innerhalb von vier Monaten nach Ausstellung möglich.
Mit dem Ergebnis nicht einverstanden? Eine kostenpflichtige Ergebnisüberprüfung kann innerhalb von sechs Wochen nach Ausstellung des Zertifikats oder Ergebnisbogens beantragt werden, das Entgelt beträgt laut Prüfungsordnung 40 Euro. Die Neubewertung gilt unwiderruflich, sie kann also auch schlechter ausfallen. Wird das Ergebnis revidiert, erstattet telc die Kosten der Überprüfung. Das bloße Nichterreichen einer bestimmten Punktzahl ist allerdings kein Grund für einen Einspruch gegen die Durchführung.
Bei einem knappen Nichtbestehen ist die Teilwiederholung meist der bessere Weg. Für Prüfungen auf dem Niveau B2 erlaubt telc, nur die mündliche oder nur die schriftliche Prüfung zu wiederholen und das bereits erbrachte Teilergebnis anrechnen zu lassen. Das muss innerhalb von zwölf Monaten nach der ersten Prüfung geschehen, gerechnet ab dem Ausstellungsdatum des Ergebnisbogens. Einzelne Subtests lassen sich nicht wiederholen: Wer im Schriftlichen durchgefallen ist, schreibt Leseverstehen, Sprachbausteine, Hörverstehen und Schriftlichen Ausdruck noch einmal komplett. Den Wunsch nach Anrechnung müssen Sie dem Prüfungszentrum schon bei der Anmeldung mitteilen, eine nachträgliche Anrechnung kostet 40 Euro.
Für die über zwei Niveaus skalierten Prüfungen wie telc Deutsch B1·B2 Beruf gilt diese Regel nicht; dort ist eine Anrechnung von Teilergebnissen ausgeschlossen. Wie oft die Gesamtprüfung wiederholt wird, ist dagegen nicht begrenzt, und jedes Ergebnis bleibt gültig, auch wenn später ein besseres folgt.
Eine Kleinigkeit am Schluss, die oft übersehen wird: Die mündliche Prüfung dauert laut den Tipps von telc bei einer Dreierprüfung entsprechend länger. Wer bei einer ungeraden Teilnehmerzahl in die Dreiergruppe rutscht, hat also mehr Redezeit zu füllen – und sollte für den ersten Teil ein Thema vorbereitet haben, zu dem sich auch nach anderthalb Minuten noch etwas sagen lässt.
Häufige Fragen
Wie viele Punkte braucht man für das telc B2 Zertifikat?
Die Prüfung hat 300 Punkte, davon 225 im schriftlichen und 75 im mündlichen Teil. Zum Bestehen sind in beiden Teilen getrennt mindestens 60 Prozent nötig, also 135 Punkte schriftlich und 45 Punkte mündlich. Ein sehr starkes Ergebnis im Schriftlichen gleicht ein schwaches Ergebnis im Mündlichen nicht aus. Wer in beiden Teilen die Mindestpunktzahl erreicht, erhält eine Note, die sich aus der Summe der beiden Teilergebnisse ergibt.
Kann man nur den mündlichen Teil der telc B2 Prüfung wiederholen?
Ja. Bei Prüfungen auf dem Niveau B2 erlaubt die Prüfungsordnung von telc, bei Nichtbestehen nur die mündliche oder nur die schriftliche Prüfung zu wiederholen und das bereits erreichte Teilergebnis anrechnen zu lassen. Das muss innerhalb von zwölf Monaten nach der ersten Prüfung geschehen, gerechnet ab dem Ausstellungsdatum des Ergebnisbogens. Einzelne Subtests, etwa nur das Hörverstehen, lassen sich nicht wiederholen. Der Wunsch nach Anrechnung muss bei der Anmeldung angegeben werden.
Wie lange dauert die telc Deutsch B2 Prüfung?
Der schriftliche Teil dauert insgesamt etwa 140 Minuten: 90 Minuten für Leseverstehen und Sprachbausteine zusammen, rund 20 Minuten Hörverstehen und 30 Minuten Schriftlicher Ausdruck. Die mündliche Prüfung findet als Paarprüfung statt und dauert etwa 15 Minuten, davor gibt es 20 Minuten Vorbereitungszeit. Bei einer ungeraden Teilnehmerzahl wird zu dritt geprüft, dann dauert der mündliche Teil entsprechend länger. Ein Wörterbuch ist während der gesamten Prüfung nicht erlaubt, auch nicht in der Vorbereitungszeit.
Wer bewertet den Schriftlichen Ausdruck?
Jede E-Mail wird von zwei lizenzierten telc Bewerterinnen oder Bewertern beurteilt. Die zweite Bewertung soll die erste bestätigen oder gegebenenfalls korrigieren; weichen beide voneinander ab, gilt die zweite. Bewertet werden drei Kriterien: die Berücksichtigung der Leitpunkte, die kommunikative Gestaltung und die formale Richtigkeit. Die Summe der Punkte wird mit drei multipliziert, sodass maximal 45 Punkte möglich sind, das entspricht 15 Prozent der Gesamtpunktzahl.
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