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„Meine wundervolle Buchhandlung“ von Petra Hartlieb: der Buchhandel

„Das Buch ist blau.“ Mit diesem Satz beginnen in Buchhandlungen erstaunlich viele Suchaufträge, und erstaunlich oft endet die Suche trotzdem mit dem richtigen Titel in der Hand der Kundin. Solche kleinen detektivischen Erfolge gehören zum Alltag im Buchhandel, genau wie Lieferungen, die nicht pünktlich kommen, Bücherkisten, die in Regale sollen, in denen kein Platz mehr ist, und die Kasse, die ausgerechnet mitten im Weihnachtsgeschäft ausfällt. In Romanen kommt davon selten etwas vor. Petra Hartliebs „Meine wundervolle Buchhandlung“ ist eine Ausnahme.

Buchhandlungen im Roman: meist verzaubert

Geschichten, in denen Buchhandlungen eine Rolle spielen, sind bei Verlagen und Leserinnen gleichermaßen beliebt. Der Laden wird darin gern zum Ort des Verliebens, liegt an der Seine oder schwimmt gleich auf ihr, wie in Nina Georges „Das Lavendelzimmer“. Er kann sonderbar sein, wie in Robin Sloans „Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra“, oder als Planwagen durch Neuengland ziehen, wie schon in Christopher Morleys Klassiker „Parnassus on Wheels“ von 1917.

Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Genau das ist für viele, die tatsächlich in einer Buchhandlung arbeiten, das Problem. Sie würden sich zwischen den Buchdeckeln etwas mehr Wirklichkeit wünschen: die Wahrheit über schlaflose Nächte vor Inventuren, über die Liebe zum Laden und zu den Stammkunden, über große Literatur und kleine Margen. Erzählen kann das eigentlich nur jemand vom Fach.

Beim Verlag: DuMont

Die Geschichte hinter dem Buch

Petra Hartlieb ist vom Fach, wenn auch als Quereinsteigerin. Aus einer Schnapsidee heraus bewarb sie sich im Urlaub gemeinsam mit ihrem Mann um eine gerade geschlossene Traditionsbuchhandlung in Wien und bekam zu ihrer eigenen Überraschung den Zuschlag. Von einem Tag auf den anderen kündigte sie ihren Job und begann mit der Familie ein neues Leben in einer neuen Stadt, ohne genau zu wissen, worauf sie sich einließ.

Davon erzählt „Meine wundervolle Buchhandlung“, erschienen bei DuMont. Die Buchhandlung wird darin zum Wohnzimmer der eigenen Familie und zum Treffpunkt der Nachbarschaft, mit Stammkunden, die zu Freunden werden, und Freunden, die Stammkunden sind.

Warum das Buch überzeugt

Die Stärke des Buches liegt in seinem Ton. Hartlieb beschönigt nichts, sie beschreibt Erschöpfung, Geldsorgen und das ständige Jonglieren zwischen Laden und Familie, und doch kommt sie ohne Jammern aus. Die Szenen sind witzig, oft selbstironisch, und sie wirken so genau beobachtet, dass Buchhändlerinnen darin ihren eigenen Alltag wiedererkennen, auch wenn sie nur an wenigen Tagen im Monat hinter der Theke stehen.

Bemerkenswert ist auch die Haltung, die das Buch trägt. Läden wie der ihre werden seit Jahren totgesagt, erst wegen der großen Ketten, dann wegen des Onlinehandels. Hartliebs Antwort ist schlicht: weitermachen. Weil es nichts gibt, was sie lieber täte, und nichts, was sie besser könnte.

Ein kurioses Detail am Rand: Ausgerechnet Buchhändlerinnen winken bei solchen Titeln gern ab, mit der Begründung, sie mögen keine Buchhandlungsgeschichten lesen. Das sagt vermutlich mehr über das Genre im Allgemeinen als über dieses Buch im Besonderen, denn Hartlieb schreibt genau über das, was in den verklärten Varianten fehlt.

Dazu gehört die Arbeit, die Kundinnen nie sehen. Bestellungen bei Verlagen und Barsortimenten, Vertreterbesuche mit Stapeln von Vorschauen, die Frage, welche Neuerscheinung einen Platz auf dem Tisch am Eingang bekommt und welche nur im Regal steht. Dazu kommen Lesungen, die organisiert werden wollen, Schulklassen, die zu Besuch kommen, und Stammkunden, die jeden Samstag eine halbe Stunde über ihre letzte Lektüre sprechen möchten. Hartlieb beschreibt all das ohne Pathos, und gerade deshalb entsteht beim Lesen ein Respekt vor diesem Beruf, den kein verzauberter Roman erzeugen kann.

Für wen es sich lohnt

„Meine wundervolle Buchhandlung“ eignet sich für alle, die Buchhandlungen lieben und wissen wollen, was hinter der Ladentheke passiert. Für Menschen, die selbst im Buchhandel arbeiten, ist es eine Mischung aus Wiedererkennen und Trost, und manche Passage eignet sich gut zum Vorlesen im Pausenraum. Und wer schon einmal davon geträumt hat, einen eigenen Buchladen zu eröffnen, bekommt eine ehrliche Vorstellung davon, was dieser Traum im Alltag bedeutet.

Das Buch ist zudem ein Beispiel dafür, wie lohnend Backlist-Pflege sein kann. Bücher, die schon einige Jahre auf dem Markt sind, verschwinden oft aus dem Blick, obwohl sie nichts von ihrer Qualität verloren haben. Die Solinger Buchhandlung Schatzinsel stellte den Titel im November 2018, vier Jahre nach seinem ersten Erscheinen, als Buchtipp im Solinger Tageblatt vor.

Und die Fortsetzung?

Im Herbst 2018 legte Petra Hartlieb mit „Weihnachten in der wundervollen Buchhandlung“ nach. Die Fortsetzung konzentriert sich auf die Wochen vor dem Fest, die im Buchhandel die anstrengendsten des Jahres sind. Als Geschenk für die Adventszeit liegt sie nahe, reicht aber nicht ganz an ihren Vorgänger heran. Die Szenen wirken bekannter, der Blick weniger überrascht, und der Reiz des Neuanfangs, der das erste Buch trägt, lässt sich naturgemäß nicht wiederholen.

Wer beide Bücher in die Hand nimmt, sollte deshalb mit dem ersten anfangen, und zwar am besten nicht im Dezember, wenn die eigene Buchhandlung gerade selbst im Ausnahmezustand ist.

Häufige Fragen

Worum geht es in „Meine wundervolle Buchhandlung“?

Petra Hartlieb erzählt ihre eigene Geschichte: Mit ihrem Mann bewarb sie sich aus einer spontanen Idee heraus um eine gerade geschlossene Traditionsbuchhandlung in Wien und bekam überraschend den Zuschlag. Sie kündigte ihren Job, zog mit der Familie in die neue Stadt und lernte das Buchhändlerleben von Grund auf kennen. Das Buch schildert die Höhen und Tiefen dieses Neuanfangs mit Humor und ohne Beschönigung.

Ist „Meine wundervolle Buchhandlung“ ein Roman oder ein Sachbuch?

Das Buch ist ein erzählender Erfahrungsbericht. Es liest sich wie ein Roman, beruht aber auf dem tatsächlichen Leben der Autorin als Buchhändlerin in Wien. Gerade diese Nähe zur Wirklichkeit unterscheidet es von vielen Romanen, in denen Buchhandlungen als verzauberte Orte erscheinen. Wer wissen will, wie der Alltag hinter der Ladentheke aussieht, findet hier einen ehrlichen Einblick.

Gibt es eine Fortsetzung von „Meine wundervolle Buchhandlung“?

Ja. 2018 erschien bei DuMont „Weihnachten in der wundervollen Buchhandlung“, das an das erste Buch anknüpft und die hektischen Wochen vor dem Fest in den Mittelpunkt stellt. Die Fortsetzung erreicht allerdings nicht ganz die Frische und Genauigkeit des ersten Bandes. Wer nur eines der beiden Bücher lesen möchte, ist mit dem Original besser beraten.

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