Weihnachtsgeschäft in der Buchhandlung: ein Vormittag im Dezember
„Nein, tut uns leid, die Tonie-Box haben wir auch nicht mehr.“ Diesen Satz sagten die Buchhändlerinnen der Schatzinsel in Solingen-Ohligs im Dezember 2017 an manchen Tagen zwanzigmal. Die kleine inhabergeführte Buchhandlung steckte mitten im Weihnachtsgeschäft, und wer dort nur ein paar Vormittage mithalf, bekam einen guten Eindruck davon, was diese Wochen für den Buchhandel bedeuten.
Vor der Öffnung
Der Tag begann vor 9 Uhr mit den Büchern, die am Vortag bestellt worden waren. Der Großhändler lieferte sie früh am Morgen an, sofern Schnee und Eis nicht dazwischenkamen. Jedes Buch wurde dem Kunden zugeordnet und alphabetisch ins Abholfach sortiert. Dann ging das Licht an, die Markise wurde ausgefahren, und bei trockenem Wetter kamen die Kartenständer in den Hausflur und vor das Geschäft.
Kundenwellen
Kaum war die Tür offen, kamen die ersten Kunden, und gleichzeitig klingelte das Telefon. Ruhige Minuten, etwa für den Wareneingang der Online-Bestellungen, dauerten selten länger als zwei. Dann stand plötzlich wieder eine halbe Schlange an der Kasse: Weihnachtskarten, Bücher, Bestellungen zum Abholen und neue Bestellungen, bei denen die Lieferbarkeit bis zum Fest geprüft werden musste. Die Großhändler geben dafür Meldenummern aus, und manche davon bedeuten, dass es bis Weihnachten knapp wird.
Fast jedes Buch wurde als Geschenk eingepackt. Das beliebteste Papier zeigte übrigens einen Dompfaff und kein Rotkehlchen – so viel Vogelkunde gehörte zur Beratung dazu.
Gegen Mittag erreichte der Andrang oft seinen Höhepunkt, nur um wenige Minuten später in völlige Leere umzuschlagen. Warum Kunden in Wellen kommen, lässt sich im Einzelhandel kaum vorhersagen.
Beratung als Kern
Zwischen Kasse und Packtisch blieb die Beratung das Wichtigste. Eine typische Frage: ein Buch für einen fünfzehnjährigen Sohn, der „Erebos“ von Ursula Poznanski mochte, aber sonst wenig liest. Eine passende Antwort war Ende 2017 „Ready Player One“ von Ernest Cline, ein Science-Fiction-Thriller, dessen Verfilmung durch Steven Spielberg im Frühjahr 2018 in die Kinos kam.
Nebenbei liefen Vorbereitungen für Veranstaltungen, etwa das Drucken, Nummerieren und Stempeln von Eintrittskarten für eine Lesung mit dem Förster und Bestsellerautor Peter Wohlleben.
Die Woche vor dem Fest
Die eigentliche Hochphase kommt erst in der letzten Woche vor Weihnachten. Was bis dahin geleistet wird, fällt vielen Kunden kaum auf: bibliografieren, bestellen, beraten, verpacken, und das alles freundlich, auch beim zwanzigsten Mal. Wer dort einmal hinter dem Tresen gestanden hat, sieht die Buchhändlerin, die das Geschenkpapier mit einem Schwung sauber abreißt, mit anderen Augen.
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