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Tattoo mit Buchmotiv: Buchliebe unter der Haut – vom Motiv zum Studio

Auf dem rechten Unterarm schwebt eine Figur, und in ihren Händen liegen keine Vögel, sondern Bücher. Die Vorlage stammt von dem Illustrator Mehrdad Zaeri, gestochen wurde sie im Juni 2018 in einem Tattoostudio in Solingen. Das Motiv hat einen Namen, „Die Fliegende“, und es zeigt beispielhaft, wie aus Buchliebe ein Tattoo werden kann, das mehr erzählt als eine Vorlage aus dem Netz.

Warum Bücher auf die Haut wandern

Für viele Menschen sind Bücher mehr als Unterhaltung. Sie begleiten durch Krisen, trösten, bringen zum Lachen, liefern Antworten auf Fragen der eigenen Zeit und tragen ein Stück weit durchs Leben. Wer so liest, trägt diese Beziehung irgendwann gern sichtbar mit sich herum. Tattoos mit Buchmotiv sind deshalb seit Jahren beliebt, von kleinen Bücherstapeln am Handgelenk über Zitate aus Lieblingsromanen bis zu großflächigen Illustrationen.

Auf Plattformen wie Pinterest finden sich unzählige Sammlungen mit Vorlagen und fertigen Tattoos. Das ist Inspiration und Falle zugleich.

Denn ein Kunstwerk, das man ein Leben lang auf der Haut trägt, sollte etwas Besonderes sein und eine persönliche Bedeutung haben. Eine Vorlage, die ein paar Tausend andere Menschen ebenfalls gespeichert haben, erfüllt diesen Anspruch selten, auch wenn sie hier und da ein wenig abgewandelt wird.

Der Künstler hinter dem Motiv

Mehrdad Zaeri ist vielen zuerst als Kinderbuchillustrator begegnet. Seine Bilder sind poetisch, oft mit fliegenden Figuren, Vögeln und fein verästelten Linien, und sie erzählen Geschichten, ohne Worte zu brauchen. Gemeinsam mit seiner Frau Christina Laube arbeitet er als Duo unter dem Namen „Sourati“. Eines ihrer ersten Großprojekte war die Gestaltung eines Hauses in Mannheim, 2016 entstanden unter dem Titel „Freiheitstesterin“. Das Gebäude sollte im Sommer 2018 abgerissen werden, was der Arbeit im Nachhinein eine eigene Vergänglichkeit verleiht.

„Die Fliegende“ tauchte als Illustration in sozialen Netzwerken auf, genau in der Phase, in der die Suche nach einem Tattoomotiv lief. Ob Zufall oder Algorithmus, das Bild ließ die spätere Trägerin nicht mehr los. Statt die Illustration einfach abzupausen, nahm sie Kontakt zum Künstler auf und fragte, ob er den Vogel in der Hand der Figur gegen Bücher austauschen würde. Zaeri sagte zu und lieferte das angepasste Motiv.

Was bei einem Buch-Tattoo zählt

Der Weg über den Künstler ist nicht nur eine Frage der Höflichkeit. Illustrationen sind urheberrechtlich geschützt, und ein Tattoo nach einem fremden Werk ohne Zustimmung zu stechen, ist rechtlich heikel. Die direkte Anfrage hat zudem einen praktischen Vorteil: Wer ein Motiv gemeinsam mit seinem Urheber anpasst, bekommt ein Unikat, das zur eigenen Geschichte passt.

Bei der Wahl des Motivs helfen ein paar Fragen. Welches Buch, welche Figur, welcher Satz hat wirklich etwas verändert? Soll das Tattoo ein bestimmtes Werk zitieren oder die Liebe zum Lesen allgemein ausdrücken? Und wie wird es in zwanzig Jahren wirken, wenn sich der Geschmack vielleicht verändert hat? Allgemeine Symbole wie ein aufgeschlagenes Buch, ein Stapel oder eine lesende Figur altern meist besser als der Titel eines aktuellen Bestsellers.

Auch die Größe spielt eine Rolle. Feine Linien, wie sie in Illustrationen üblich sind, brauchen Platz, damit sie mit den Jahren nicht verschwimmen. Der Unterarm bietet dafür eine gute Fläche, und das Motiv bleibt für die Trägerin selbst im Blick.

Schriftzüge: vom Zitat bis „Lebe, liebe, lache“

Nicht jedes Buch-Tattoo ist ein Bild. Viele Leserinnen und Leser entscheiden sich für Schrift, etwa für einen einzelnen Satz aus einem Roman, der sie geprägt hat, oder für einen Dreiklang wie „Lebe, liebe, lache“, der auf Unterarmen und Schulterblättern ein beliebtes Motiv ist. Auch das Bild vom Leben als Buch, in dem jeder Tag eine neue Seite füllt, wird gern in Schrift und Symbol übersetzt.

Bei Zitaten lohnt besondere Sorgfalt. Ein Tippfehler lässt sich nicht mit einem Radiergummi korrigieren, und bei Übersetzungen weicht der Wortlaut je nach Ausgabe ab. Wer einen Satz aus einem Lieblingsbuch wählt, sollte ihn deshalb in der Ausgabe nachschlagen, die er selbst gelesen hat, und die Schreibweise mit dem Studio mehrfach abgleichen.

Auch die Schriftart verdient Aufmerksamkeit.

Zarte Schreibschriften sehen auf dem Entwurf elegant aus, laufen aber mit den Jahren leichter zu als klare, etwas kräftigere Buchstaben.

Das Studio

Gestochen wurde „Die Fliegende“ im Studio Tattoo Kunstwerk in Solingen. Das Tätowieren erwies sich als weniger schmerzhaft als befürchtet. Wichtiger als die Schmerzfrage ist ohnehin die Wahl eines Studios, das mit feinen, illustrativen Motiven Erfahrung hat. Ein Blick auf die Arbeiten des Tätowierers vorab zeigt, ob sein Stil zum Motiv passt.

Nach dem Stechen gelten die Pflegehinweise des Studios, die sich je nach Technik unterscheiden. Wer die ersten Wochen sorgfältig einhält, hat lange Freude an klaren Linien.

Beruf und Tattoo

Bleibt die Frage, wie ein sichtbares Tattoo im Berufsleben ankommt. In konservativen Branchen wie Banken oder Verwaltungen stößt es mitunter noch auf Vorbehalte, auch wenn sich das in den letzten Jahren spürbar entspannt hat. In der Buchbranche dürfte ein Motiv wie dieses dagegen eher Türen öffnen als verschließen – und bei der nächsten Lesung ein Gesprächsthema liefern, sobald jemand den Ärmel hochschiebt.

Häufige Fragen

Welche Buchmotive eignen sich für ein Tattoo?

Beliebt sind aufgeschlagene Bücher, aus denen Vögel, Blätter oder Figuren aufsteigen, Bücherstapel, Lesende in einer Illustration, Buchrücken mit den Titeln prägender Werke und kurze Zitate aus Lieblingsromanen. Auch Schriftzüge wie „Lebe, liebe, lache“ oder das Bild vom „Buch des Lebens“ werden oft gewählt. Am stärksten wirkt ein Motiv, das eine persönliche Bedeutung trägt und nicht aus einer beliebigen Vorlage stammt.

Darf man die Illustration eines Künstlers als Tattoo stechen lassen?

Illustrationen sind urheberrechtlich geschützt. Wer das Werk eines bestimmten Künstlers auf der Haut tragen möchte, fragt deshalb am besten direkt bei ihm nach. Viele Illustratorinnen und Illustratoren freuen sich über die Anfrage und passen das Motiv sogar an, etwa indem sie ein Detail austauschen. Seriöse Studios achten ebenfalls darauf, dass Vorlagen nicht ungefragt kopiert werden.

Wo lässt sich ein Buch-Tattoo gut platzieren?

Für Motive mit feinen Linien und erzählerischen Details eignet sich der Unterarm besonders gut: Die Fläche ist groß genug, das Tattoo bleibt für die Trägerin selbst sichtbar und lässt sich bei Bedarf mit einem Ärmel bedecken. Kleinere Motive wie ein einzelnes Buch oder ein kurzes Zitat passen auch an Handgelenk, Knöchel oder Schulterblatt. Ein erfahrenes Studio berät zur Größe, damit feine Linien auch nach Jahren noch lesbar bleiben.

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