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Lesung zwischen Maschinen: Melanie Raabe liest „Die Falle“ in Solingen

Das Lesepult stand zwischen Maschinen, und auf ihm lag ein Solinger Messer. An diesem Abend im September 2015 gehörte es zur Dekoration, und es blieb dabei: Gebraucht wurde es nur in der Geschichte, die vorgelesen wurde.

Die Autorin war Melanie Raabe, der Ort die Besteckhalle der Solinger Firma Carl Mertens, einem Familienunternehmen, das damals auf fast hundert Jahre Firmengeschichte zurückblickte. Zwischen den Anlagen standen rund hundert Stühle, und wer auf dem Weg zu seinem Platz an den Regalen vorbeiging, sah Messer und Besteckteile in verschiedenen Stadien der Fertigung.

Ein Debüt, das vor dem Erscheinen um die Welt ging

Melanie Raabe las aus „Die Falle“, ihrem ersten Roman. Das Buch war schon vor dem Erscheinen in mehrere Sprachen verkauft worden, und auch aus der Filmbranche kam Interesse. Die in Köln lebende Autorin hatte zuvor als Journalistin gearbeitet und stand als Schauspielerin auf der Bühne. Das war zu hören: Sie las mit einer ruhigen, tragenden Stimme, die den Raum füllte, ohne laut zu werden, und hielt die Spannung über lange Passagen.

Die Geschichte eignet sich für eine Lesung, weil sie aus zwei Schichten besteht. Linda Conrads, eine erfolgreiche Schriftstellerin, lebt seit Jahren zurückgezogen in ihrem Haus. Als sie im Fernsehen den Mann zu erkennen glaubt, der ihre Schwester ermordet haben soll, schreibt sie einen Krimi über die Tat – und nutzt das Buch als Köder. Beim Vorlesen wechseln sich damit Roman und Roman im Roman ab.

Gastgeber, die zur Lesung gehören

Organisiert hatte den Abend die Solinger Buchhandlung Die Schatzinsel gemeinsam mit der Stadtteilbücherei Dorp. Buchhändler Ingo Klaus eröffnete die Lesung, wie bei seinen Veranstaltungen üblich, mit einer eigenen Rede über das Buch und über die Frage, wie es zu dieser Lesung gekommen war. Für ihn war es die 51. Lesung als Gastgeber. Firmenchef Curt Mertens begrüßte die Gäste in seiner Halle selbst.

Solche Begrüßungen sind mehr als Höflichkeit. Sie geben dem Publikum den Rahmen, bevor die erste Seite gelesen wird, und sie machen aus einer Veranstaltung einen Abend, an den man sich erinnert.

Was einen Lesungsort besonders macht

Eine Buchhandlung bietet Regale, eine Bücherei Ruhe. Eine Fabrikhalle bringt etwas mit, das beiden fehlt: einen Bezug zur Stadt. In Solingen, wo seit Jahrhunderten Klingen geschmiedet und geschliffen werden, ist eine Besteckhalle für einen Kriminalroman mit Messer auf dem Pult fast zwangsläufig.

Nach zwei Stunden, einem Glas Sekt und einem Croissant mit Frischkäse gingen die meisten mit einem signierten Buch nach Hause. Wer „Die Falle“ später selbst liest, hört die Stimme der Autorin vermutlich noch eine Weile mit.

Häufige Fragen

Worum geht es in Melanie Raabes Roman „Die Falle“?

Eine berühmte Schriftstellerin, die ihr Haus seit Jahren nicht verlässt, erkennt im Fernsehen den Mann wieder, den sie für den Mörder ihrer Schwester hält. Um ihn zu überführen, schreibt sie einen Kriminalroman über die Tat und lädt ihn unter einem Vorwand zu einem Interview ein. Der Roman war Raabes Debüt und erschien 2015 bei btb.

Warum finden Lesungen an ungewöhnlichen Orten statt?

Ein Ort, der zum Buch passt, erzählt einen Teil der Geschichte mit. Für Veranstalter wie Buchhandlungen und Stadtbüchereien ist ein besonderer Ort außerdem ein Grund für Gäste, die sonst nicht zu einer Lesung kämen. In Solingen bietet sich die Industriegeschichte der Klingenstadt dafür an: Hallen, Kotten und Fabriken, in denen seit Generationen Messer und Besteck entstehen.

Wie läuft eine Autorenlesung meistens ab?

Nach einer Begrüßung durch die Gastgeber liest die Autorin oder der Autor mehrere Passagen, oft mit kurzen Erklärungen dazwischen. Danach gibt es Zeit für Fragen aus dem Publikum und am Ende für das Signieren. Eine Lesung dauert meist ein bis zwei Stunden, mit Pause und Getränken auch länger.

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