Linkliste für Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe: Portale und Apps
Zehn Sprachen, ein Online-Angebot und eine PDF-Fassung zum Ausdrucken: So lag der Refugee-Guide im Herbst 2015 vor, als in vielen deutschen Städten Helferkreise entstanden und plötzlich sehr viele Menschen nach verlässlichem Material suchten. Die Orientierungshilfe erklärte Alltägliches – vom Umgang mit Behörden bis zu den ungeschriebenen Regeln des Zusammenlebens – in einer Form, die man Neuankömmlingen direkt in die Hand geben konnte.
Genau solche Fundstücke waren in jenen Monaten schwer zu überblicken. Neben staatlichen Stellen stellten Landesregierungen, Kirchen, Sender und private Initiativen eigene Angebote ins Netz, oft parallel und mit ähnlichem Inhalt. Eine nach Themen sortierte Linkliste nimmt Ehrenamtlichen die Vorarbeit ab und hilft, im Gespräch schnell das passende Blatt oder die richtige App zu finden.
Allgemeine Orientierung für Geflüchtete und Helfer
Den Einstieg bilden Materialien, die das Ankommen erklären. Neben dem Refugee-Guide gab es vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge ein Infoblatt zur Erstorientierung für Asylsuchende in sechs Sprachen. Die ARD bündelte unter dem Titel „Guide for refugees“ Erklärangebote ihrer Sender, darunter Videos des Bayerischen Rundfunks.
Für die Helfer selbst sind Handbücher wertvoll, die typische Situationen aus der Praxis durchgehen. Das Handbuch für die ehrenamtliche Flüchtlingshilfe in Baden-Württemberg behandelte etwa Fragen zu Zuständigkeiten, zum Asylverfahren und zur eigenen Rolle als Unterstützerin oder Unterstützer. In Nordrhein-Westfalen richtete die Landesregierung mit ich-helfe.nrw ein eigenes Portal ein, das Hilfsangebote und Engagement vor Ort zusammenführen sollte. Ähnlich angelegt war das Informationsportal wie-kann-ich-helfen.info, das Interessierten zeigte, wo Unterstützung gebraucht wurde.
Manches war erfrischend unbürokratisch gedacht. Die WDR-Sendung mit der Maus stellte ihre Lach- und Sachgeschichten in verschiedenen Sprachen bereit, was in Familien mit kleinen Kindern oft mehr bewirkte als jedes Merkblatt. Der NDR sendete mit Refugee Radio ein Programm speziell für Geflüchtete, und die Jobbörse Workeer brachte Arbeitgeber und Geflüchtete zusammen.
Für die häufigsten Grundsatzfragen, die Helfern im Freundeskreis oder am Arbeitsplatz gestellt werden, lohnt ein Frage-Antwort-Papier. Youngcaritas im Ruhrgebiet veröffentlichte einen Leitfaden zu Flucht und Asyl, der Begriffe wie Asylbewerber, anerkannter Flüchtling und Duldung auseinanderhielt. Wer diese Unterschiede kennt, kann Gerüchten sachlich begegnen und weiß besser, welche Stelle für welches Anliegen zuständig ist.
Offizielle Stellen, die man kennen sollte
Wer Menschen durch das Asylverfahren begleitet, kommt am Bundesamt für Migration und Flüchtlinge nicht vorbei. Dort finden sich Informationen zu Integrationskursen, Merkblätter und Kontaktadressen. Wer verlässliche Hintergrunddaten sucht, etwa für eine Diskussion im Bekanntenkreis oder einen Vortrag in der Gemeinde, ist beim Mediendienst Integration gut aufgehoben, der Zahlen und Studien zum Thema Migration aufbereitet.
Sobald es um Arbeit geht, werden zwei weitere Adressen wichtig. Das Bundesportal Make it in Germany bot eine Hotline zu Arbeiten und Leben in Deutschland an. Und das Portal Anerkennung in Deutschland erklärt, wie ausländische Berufsqualifikationen geprüft und anerkannt werden – ein Schritt, der für viele Geflüchtete mit Ausbildung oder Studium über die weitere berufliche Zukunft entscheidet.
Medizin und Verständigung beim Arzt
Beim Arztbesuch zeigt sich besonders deutlich, wie hilfreich vorbereitetes Material ist. Das Angebot tipdoc stellte medizinische Fragen und Antworten in über 20 Sprachen zur Verfügung, sodass Patientinnen und Patienten auf Symptome zeigen konnten, statt sie umständlich zu beschreiben. Die Apotheken Umschau veröffentlichte zudem ein kleines medizinisches Bildwörterbuch für Flüchtlingshelfer, das Körperteile, Beschwerden und Medikamente mit Bildern verknüpft.
Solche Hilfsmittel ersetzen keine Dolmetscherin, wenn es um eine Diagnose oder eine Operation geht.
Deutsch lernen mit Apps und Online-Kursen
Für den Spracherwerb gab es bereits 2015 eine solide Auswahl an kostenlosen Angeboten. Die Deutsche Welle bietet ihre Deutschkurse im Netz für unterschiedliche Niveaus an. Das Lernportal ich-will-deutsch-lernen.de des Deutschen Volkshochschul-Verbands richtete sich an Erwachsene und ließ sich gut mit einer persönlichen Lernbegleitung kombinieren. Für Kinder brachte Phase6 hallo Deutsch den Grundwortschatz spielerisch auf das Tablet.
Im Januar 2016 stellte das BAMF außerdem die App „Ankommen“ vor, die Informationen zum Asylverfahren, zum Leben in Deutschland und einen Sprachkurs in einer Anwendung bündelte. Daneben entstanden Welcome-Apps auf lokaler Ebene sowie ein digitaler Wegweiser in arabischer Sprache, den Syrer für Syrer geschrieben hatten. Gerade Angebote aus der Community selbst treffen oft einen Ton, den Behördentexte nicht erreichen.
Worauf beim Weitergeben von Links zu achten ist
Eine Linkliste altert schnell. Portale werden umgebaut, Apps verschwinden aus den Stores, Hotlines ändern ihre Nummer. Wer Material an Geflüchtete weitergibt, sollte es deshalb vorher selbst öffnen und prüfen, ob der Inhalt noch zur aktuellen Rechtslage passt. Das gilt besonders für Informationen zum Asylverfahren, die sich seit 2015 mehrfach geändert haben.
Hilfreich ist auch, nicht zu viel auf einmal weiterzugeben. Ein ausgedrucktes Blatt in der richtigen Sprache, eine installierte App und eine Telefonnummer für den Notfall sind in den ersten Wochen oft wertvoller als zwanzig Links, die niemand öffnet. Manche Helferkreise legen dafür gemeinsame Ordner an, in denen geprüfte Materialien nach Sprachen sortiert lagen.
Eine Kategorie wird dabei gern vergessen: Verkehrsregeln. Das Bistum Trier stellte Informationsmaterial zum Radfahren in mehreren Sprachen bereit, und da die ersten Wege in einer neuen Stadt oft auf einem gespendeten Fahrrad zurückgelegt werden, stellt sich die Frage, warum ausgerechnet dieses Blatt in so wenigen Willkommensmappen auftaucht.
Häufige Fragen
Welche offiziellen Stellen sind für Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe wichtig?
Die zentrale Bundesbehörde ist das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), das Informationen zum Asylverfahren, zu Integrationskursen und mehrsprachiges Material bereitstellt. Für Fragen zu Arbeit und Beruf gibt es das Portal Make it in Germany mit einer Hotline sowie die Seite Anerkennung in Deutschland zur Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse. Hintergrundwissen zu Zahlen und Rechtslage liefert der Mediendienst Integration. Vor Ort sind außerdem Ausländerbehörde, Sozialamt und kommunale Integrationsstellen zuständig.
Wie können Geflüchtete kostenlos online Deutsch lernen?
Die Deutsche Welle bietet seit Jahren kostenlose Online-Deutschkurse für verschiedene Niveaus an, teils mit Erklärungen in mehreren Ausgangssprachen. Das Portal ich-will-deutsch-lernen.de des Deutschen Volkshochschul-Verbands richtet sich an Erwachsene und kann allein oder begleitet genutzt werden. Für Kinder gab es spielerische Vokabel-Apps wie Phase6 hallo Deutsch. Sinnvoll ist, die Online-Angebote mit echten Gesprächen zu verbinden, etwa in einem Sprachcafé oder einer Lernpatenschaft.
Wie klappt die Verständigung beim Arztbesuch ohne gemeinsame Sprache?
Für den Arztbesuch haben sich mehrsprachige Anamnesebögen und Bildwörterbücher bewährt. Das Angebot tipdoc stellte medizinische Fragen und Antworten in über 20 Sprachen zur Verfügung, und die Apotheken Umschau veröffentlichte ein kleines medizinisches Bildwörterbuch für Helfer. Bei ernsten Diagnosen oder Behandlungen reicht das allerdings nicht aus: Dann sollte eine qualifizierte Dolmetscherin oder ein Sprachmittlerdienst hinzugezogen werden, den viele Kommunen und Wohlfahrtsverbände vermitteln.
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