Sozialkaufhaus Solingen und Kleiderkammer: Spenden für Flüchtlinge
Ein Paar Kinderschuhe, an den Schnürsenkeln zusammengeknotet, ist in einer Kleiderkammer mehr wert als drei lose Einzelschuhe in einem Müllsack. Diese Erfahrung machten im Spätsommer 2015 viele Freiwillige in Solingen, als die Zahl der ankommenden Geflüchteten stieg und die Hilfsbereitschaft der Stadt kaum noch zu kanalisieren war. Innerhalb weniger Wochen entstanden Abläufe, Listen und Ansprechpartner, und immer wieder tauchten dieselben Fragen auf: Wohin mit der Kleidung, wohin mit dem Sofa, und wer braucht eigentlich gerade was?
Die Antworten von damals sind nicht mehr in jedem Detail gültig. Adressen, Öffnungszeiten und Zuständigkeiten haben sich seither verändert. Die Grundregeln des Spendens aber gelten weiter, und sie erklären, warum ein Sozialkaufhaus anders funktioniert als eine Kleiderkammer.
Sachspenden: was an der Rampe wirklich hilft
Wer Kleidung abgibt, spart den Helfern vor Ort viel Arbeit, wenn sie schon sortiert ankommt. Das klingt banal, ist aber der größte Hebel. In den Sammelstellen stapelten sich 2015 Säcke, deren Inhalt erst Stück für Stück geprüft werden musste, und was fleckig oder kaputt war, konnte niemand gebrauchen. Sinnvoll ist deshalb eine kurze Vorauswahl zu Hause.
- nur saubere und intakte Kleidung, Schuhe geputzt
- passend zur Jahreszeit, im Herbst also Jacken, Pullover und Winterschuhe
- gefaltet und nach Größe und Geschlecht getrennt, Tüten und Kartons beschriftet
- Schuhe paarweise gebunden oder in einer verschlossenen Tüte
- Kuscheltiere gewaschen, Spielzeug vollständig und mit Gummiband gesichert
- Hygieneartikel ausschließlich neu und ungeöffnet
Ein Detail, das kaum jemand auf dem Zettel hatte: Einkaufstüten. Wer in einer Kleiderkammer ein paar Hosen und eine Jacke bekommt, braucht etwas, um sie nach Hause zu tragen. Stabile Taschen gehörten deshalb zu den Dingen, die ständig fehlten.
Große Stücke sind ein eigenes Thema. Kinderwagen, Rollstühle oder Fahrräder werden gebraucht, aber nicht immer dort, wo sie abgegeben werden, und nicht immer sofort. Eine kurze Anfrage vorab verhindert, dass ein Rollstuhl wochenlang einen Lagerraum blockiert, während in einer anderen Unterkunft genau so einer fehlt.
Kleiderkammer des DRK und Sozialkaufhaus Solingen
In Solingen gab es 2015 zwei naheliegende Anlaufstellen für Kleidung. Die Kleiderkammer des Deutschen Roten Kreuzes an der Burgstraße nahm Spenden vormittags an Werktagen entgegen; außerhalb dieser Zeiten standen Container in der Einfahrt, die von den Mitarbeitenden geleert wurden. Die Kleidung ging von dort an Menschen, die sie brauchten.
Das Sozialkaufhaus an der Schlagbaumer Straße folgte einer anderen Logik. Es wurde von der Jugendberufshilfe Solingen getragen, und dort arbeiteten Teilnehmende von Arbeits- und Qualifizierungsmaßnahmen. Gespendete Kleidung und Möbel wurden zu kleinen Preisen verkauft, nicht verschenkt. Das irritierte manche Spender, die ihre Sachen direkt bei Geflüchteten ankommen sehen wollten. Der Gedanke dahinter ist aber schlüssig: Das Kaufhaus schafft Beschäftigung, und wer wenig Geld hat, findet dort trotzdem ein Bett, einen Tisch oder einen Wintermantel zu einem Betrag, der niemanden überfordert.
Für Möbel war das Sozialkaufhaus die erste Adresse. Größere Stücke meldete man telefonisch an, und in manchen Fällen wurden sie abgeholt. Gerade für Menschen, die aus einer Sammelunterkunft in eine eigene Wohnung zogen, war das wichtig, denn eine leere Wohnung mit Mietvertrag ist noch kein Zuhause.
Wer heute spenden möchte, sollte die aktuellen Bedingungen direkt bei den Einrichtungen erfragen. Öffnungszeiten, Annahmestellen und der Bedarf ändern sich, und eine Sammelstelle, die im Herbst dringend Jacken sucht, kann im Frühjahr schon übervoll sein.
Geld, Wohnraum und Zeit
Neben Sachspenden sammelte ein Förderverein des Kommunalen Integrationszentrums in Solingen Geld für die Flüchtlingshilfe und stellte Spendenbescheinigungen aus. Geldspenden haben einen unterschätzten Vorteil: Sie lassen sich genau dort einsetzen, wo gerade eine Lücke ist, ohne Lager und ohne Transport.
Gesucht wurde außerdem privater Wohnraum. Fragen dazu beantwortete der Stadtdienst Wohnen der Stadt Solingen.
Die knappste Ressource war aber Zeit. Viele Menschen wollten helfen und wussten nicht, wo sie anfangen sollten. Der pragmatischste Rat lautete, zuerst im eigenen Viertel zu schauen: Hatte die Kirchengemeinde einen Aufruf gestartet, suchte die Grundschule Lesepaten, brauchte der Kindergarten Begleitung für neue Familien? Wer sich breiter orientieren wollte, fand bei der Solinger Freiwilligen Agentur regelmäßige Beratungstermine. Auch der neu gegründete Verein Flüchtlingshilfe in Solingen bündelte Informationen. Eine Koordinierungsstelle bei der AWO registrierte Freiwillige für Sprachförderung, Patenschaften und praktische Einsätze; weil sich so viele meldeten, ließen Rückmeldungen mitunter auf sich warten. Das war kein Zeichen von Desinteresse, sondern Absicht: Unterstützung sollte auch noch in einem halben Jahr da sein und nicht nur in der ersten Aufregung.
Deutsch sprechen, nicht pauken
Für viele Neuankömmlinge war die Sprache die höchste Hürde. Die Stadtbibliothek Solingen startete deshalb gemeinsam mit der Freiwilligen Agentur das Format Dialog in Deutsch, das die Bücherhallen Hamburg entwickelt hatten. In kleinen Gesprächsrunden, moderiert von geschulten Ehrenamtlichen, konnten Zugewanderte ihr Deutsch im lockeren Austausch anwenden. Ausdrücklich ging es dabei nicht um Unterricht mit Grammatiktabellen, sondern um die Freude am Sprechen und um Kontakte.
Wer lieber allein übte, konnte auf den kostenlosen Selbstlernkurs Ich will Deutsch lernen des Deutschen Volkshochschul-Verbands zurückgreifen.
Ein weiteres Solinger Projekt richtete sich an junge Leute zwischen 15 und 25 Jahren. Unter dem Titel „Wenn aus Fremden Freunde werden“ organisierte es Treffen und Ausflüge, bei denen einheimische und geflüchtete Jugendliche einander kennenlernten, ohne dass einer von beiden in der Rolle des Helfers steckte.
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Bundesweit sammelten mehrere Stellen Material für Freiwillige. Pro Asyl veröffentlichte einen Leitfaden zum Engagement für Flüchtlinge, die Tagesschau stellte gute Ideen aus ganz Deutschland zusammen, und die Jobbörse workeer brachte Geflüchtete und Arbeitgeber zusammen.
Eine Frage blieb in vielen Sammelstellen offen: Was passiert mit den Spenden, die niemand braucht? Die ehrliche Antwort lautet oft Altkleiderverwertung, und genau deshalb lohnt der Anruf vorher mehr als jeder zusätzliche Sack.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen einem Sozialkaufhaus und einer Kleiderkammer?
Eine Kleiderkammer gibt gespendete Kleidung in der Regel kostenlos an Bedürftige weiter, oft gegen Nachweis. Ein Sozialkaufhaus verkauft Spenden zu niedrigen Preisen. In Solingen beschäftigte das Sozialkaufhaus an der Schlagbaumer Straße 2015 Teilnehmende von Arbeits- und Qualifizierungsmaßnahmen, der Verkaufserlös trug diese Arbeit mit. Für Spender heißt das: Die Sachen kommen an, nur eben über die Kasse und nicht über eine Ausgabe.
Welche Sachspenden sind in einer Kleiderkammer wirklich hilfreich?
Gebraucht wird saubere, heile Kleidung passend zur Jahreszeit, gefaltet und nach Größe und Geschlecht sortiert. Schuhe sollten geputzt und paarweise zusammengebunden sein, Kuscheltiere gewaschen, Spielzeug vollständig. Hygieneartikel nur neu und originalverpackt. Große Stücke wie Kinderwagen, Rollstühle oder Fahrräder besser vorher anmelden, weil Lagerfläche knapp ist. Einkaufstüten werden häufig vergessen, sind aber bei der Ausgabe ständig gefragt.
Wie kann man sich in Solingen ehrenamtlich engagieren?
Ein guter erster Ansprechpartner ist die Solinger Freiwilligen Agentur, die Interessierte berät und an passende Stellen vermittelt. Daneben lohnt sich der Blick in den eigenen Stadtteil: Kirchengemeinden, Schulen und Kindergärten suchen oft konkret Unterstützung. 2015 gründete sich zudem der Verein Flüchtlingshilfe in Solingen, und eine Koordinierungsstelle registrierte Freiwillige für Sprachförderung, Patenschaften und praktische Hilfe.
Was ist das Projekt Dialog in Deutsch?
Dialog in Deutsch ist ein Gesprächsformat, das die Bücherhallen Hamburg entwickelt haben und das die Stadtbibliothek Solingen 2015 gemeinsam mit der Freiwilligen Agentur übernahm. Zugewanderte üben dort in kleinen Runden das freie Sprechen, geleitet von geschulten Ehrenamtlichen. Es ist ausdrücklich kein Unterricht: Grammatik steht nicht im Mittelpunkt, sondern Gespräch, Austausch und neue Kontakte.
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