#bookupDE und Storify: wie Buchtreffen im Netz nacherzählt wurden
Im Juli 2014 trafen sich Buchbegeisterte bei Schmitz Junior in Essen, im August in der Buchhandlung Anakoluth in Berlin. Beide Abende hatten etwas gemeinsam: Fast alle Anwesenden hielten ein Smartphone in der Hand und berichteten live unter dem Hashtag #bookupDE auf Twitter, Facebook und Instagram.
Was #bookupDE war
#bookupDE bezeichnete eine Reihe von Treffen an bibliophilen Orten, meist Buchhandlungen oder Verlagen, bei denen sich Leserinnen, Bloggerinnen, Buchhändler und Verlagsleute begegneten. Der Hashtag verband das Geschehen vor Ort mit einem Publikum, das nicht anreisen konnte. Wer an dem Abend zu Hause saß, konnte Fotos, Zitate und Eindrücke fast in Echtzeit verfolgen.
Das Format lebte von der Mischung. Die Veranstaltung selbst blieb überschaubar, ihre Reichweite im Netz war um ein Vielfaches größer.
Storify als Chronik
Ein Problem solcher Abende war ihre Flüchtigkeit. Tweets und Posts verschwinden schnell im Strom, und wer am nächsten Tag nachlesen wollte, musste sich mühsam durch Hashtag-Suchen arbeiten. Hier kam Storify ins Spiel, ein Onlinedienst, mit dem sich Beiträge aus verschiedenen Netzwerken sammeln, ordnen und zu einer Geschichte zusammenstellen ließen.
Aus den verstreuten Posts eines #bookupDE-Abends wurde so eine chronologische Erzählung, die das Gefühl vermittelte, ein wenig dabei gewesen zu sein.
Für Zusammenfassungen der Treffen in Essen und Berlin wurde der Dienst genau so genutzt.
Das Kuratieren digitaler Inhalte, wie das Zusammenstellen damals genannt wurde, eignete sich auch für andere Formate der Buchszene: Wohnzimmerlesungen, Buchmessen, Preisverleihungen. Überall dort, wo viele Menschen gleichzeitig berichten, entsteht ein Mosaik, das erst geordnet einen Sinn ergibt.
Was davon blieb
Storify wurde im Mai 2018 eingestellt, und mit dem Dienst verschwanden viele der dort gesammelten Geschichten aus dem Netz. Wer solche Chroniken bewahren wollte, musste sie rechtzeitig exportieren.
Die Idee selbst hat überlebt. Heute übernehmen Story-Funktionen, Threads oder Sammelbeiträge in Newslettern die Aufgabe, ein Ereignis aus vielen Stimmen nachzuerzählen. Ob die Chroniken von heute in zehn Jahren noch auffindbar sind, ist allerdings eine offene Frage.
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