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Hashtag #bookupDE: Was ist eigentlich ein Bookup und wie läuft es ab?

Ulrike Dümpelmann hat das Tweetup einmal so beschrieben: als persönliches Treffen von twitternden Menschen anlässlich einer bestimmten Veranstaltung, die sich meist schon über Twitter kennen und im direkten Gespräch vertiefen, was sie online begonnen haben. Wer dieses Prinzip auf Bücher überträgt, landet beim Bookup. Im Juli 2014 bekam die Idee einen Hashtag, #bookupDE, und eine lose Gruppe von Buchbegeisterten zwischen Hamburg und München, Köln und Berlin, die sie umsetzen wollte.

Das Vorbild aus Museen und Theatern

Tweetups waren um 2014 im Kulturbereich fest angekommen. Museen luden zu Führungen, bei denen fotografiert und getwittert werden durfte, Theater öffneten Generalproben, Konzerthäuser boten moderierte Abende. Die Häuser gewannen damit Reichweite bei einem Publikum, das sie über klassische Pressearbeit kaum erreichten, und die Teilnehmenden erlebten Kultur auf eine neue Art: gemeinsam, kommentierend, im Austausch.

Ein bekanntes Beispiel jener Monate war die Aktion #myRembrandt der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen in München, bei der eine Replik eines Rembrandt-Selbstbildnisses von Teilnehmer zu Teilnehmer wanderte und jeder davon berichtete. Die Münchner Kulturkonsorten hatten zudem eine Broschüre über Hashtags in der Kulturvermittlung herausgegeben und stellte eine Tweetup-Checkliste online, die für viele Veranstalter zur Orientierung wurde.

Wie ein Bookup aussieht

Ein Bookup findet an Orten statt, die unmittelbar mit Büchern zu tun haben. Drei Varianten standen von Anfang an im Raum:

  • geführte Besuche in Buchhandlungen, gern auch nach Ladenschluss
  • Verlagsbesuche mit Vorstellung des neuen Programms
  • ein Blick hinter die Kulissen einer Bibliothek

Die Beteiligten berichten während und nach dem Treffen in ihren Netzwerken. Anders als beim Tweetup ist das nicht auf Twitter beschränkt. Viele Buchhandlungen und Verlage waren 2014 vor allem auf Facebook aktiv, und Fotos wanderten zunehmend über Instagram. Auch kurze Videos und ausführliche Blogbeiträge im Nachgang gehörten dazu. Nur der Hashtag ist ein Erbe von Twitter, und genau er hält alles zusammen.

Der Zusatz DE im Hashtag hatte einen praktischen Grund. Ein Hashtag nützt nur, wenn unter ihm nichts anderes erscheint. Die Wahl fiel deshalb auf eine Form, die zu diesem Zeitpunkt noch unbenutzt war.

Was ein Bookup den Gastgebern bringt

Für eine Buchhandlung oder einen Verlag ist ein Bookup vor allem Sichtbarkeit. Die Berichterstattung vor, während und nach dem Treffen erreicht Menschen, die das Haus bisher nicht kannten. Wer die Fotos sieht, fragt sich vielleicht, was das für eine Buchhandlung ist, oder schaut sich das Programm eines Verlags an, von dem er zuvor nie gehört hat. Und wer einmal mit einer Gruppe durch die Räume geführt wurde, kommt eher wieder.

Hinzu kommt der direkte Kontakt. Verlage erfahren bei einem solchen Treffen, was Leserinnen und Leser interessiert, welche Titel sie kennen und welche nicht, und welche Fragen sie an die Branche haben. Diese Rückmeldung ist ehrlicher als jede Marktforschung, weil sie ungefiltert kommt.

Ein Bookup Schritt für Schritt

Der Ablauf ist bei den meisten Treffen ähnlich, auch wenn jeder Gastgeber eigene Akzente setzt. Einige Wochen vorher wird der Termin in den Netzwerken angekündigt, meist mit einer begrenzten Zahl an Plätzen und einer Anmeldung per Nachricht oder Formular. Der Hashtag steht von Anfang an fest, damit schon die Vorfreude unter ihm sichtbar wird.

Am Abend selbst beginnt das Treffen mit einer kurzen Begrüßung und einer Vorstellung des Hauses. Danach folgt der Rundgang, in einer Buchhandlung etwa durch Verkaufsraum, Lager und Büro, in einem Verlag durch Lektorat, Herstellung, Presse und Vertrieb. An jeder Station erklären die Menschen, die dort arbeiten, was sie tun. Das ist oft der spannendste Teil, weil die meisten Leserinnen und Leser nur eine vage Vorstellung davon haben, wie viele Hände ein Buch durchläuft, bevor es im Regal steht.

Zum Schluss bleibt Zeit für Gespräche, und nicht selten für eine kleine Überraschung, etwa eine Autorin, die spontan vorbeischaut, oder ein Vorabexemplar aus dem kommenden Programm. In den Tagen danach erscheinen Berichte, Fotostrecken und Rückblicke, die unter dem Hashtag gesammelt werden.

Wichtig ist, dass niemand das Gefühl hat, eine Werbeveranstaltung zu besuchen. Ein Bookup lebt davon, dass die Gastgeber offen zeigen, wie sie arbeiten, auch dort, wo es unaufgeräumt ist.

Was die Teilnehmenden davon haben

Für die Teilnehmenden ist ein Bookup ein Stück Außergewöhnliches. Bücherstöbern nach Ladenschluss, persönliche Empfehlungen der Mitarbeitenden, ein Verlag mit seinen Lektorinnen, Herstellern und Presseleuten zum Anfassen. Dazu kommt das Wiedersehen mit Menschen, die man bisher nur als Profilbild kannte, und die Erkenntnis, dass sie in Wirklichkeit ganz anders klingen als ihre Tweets.

Wie das in der Praxis aussah, zeigte im Oktober 2014 das erste Münchner #bookupDE beim Verlag arsEdition in Schwabing. Gut fünfzig Buchinteressierte zogen dort in einem Pulk von Zimmer zu Zimmer, ließen sich die Arbeit der einzelnen Abteilungen erklären und blieben hinterher bei Wein und Knabbereien. Der Illustrator Alexander Holzach nahm sich die Zeit, für jede Person ein Buch individuell zu signieren.

Ein Aspekt, der bei Bookups oft unterschätzt wird, ist die Dokumentation. Wer sehen möchte, wie ein Treffen verlaufen ist, braucht eine Sammlung der Beiträge. Storify, das Werkzeug, mit dem solche Sammlungen damals erstellt wurden, wurde 2018 eingestellt, und mit ihm verschwanden viele dieser kleinen digitalen Chroniken.

Häufige Fragen

Woher kommt das Wort Bookup?

Bookup ist eine Wortschöpfung nach dem Vorbild des Tweetups, das sich aus Twitter und dem englischen meet up zusammensetzt. Beim Tweetup treffen sich Menschen, die sich über Twitter kennen, zu einer Veranstaltung. Beim Bookup ist der Anlass immer ein Ort, der mit Büchern zu tun hat, etwa eine Buchhandlung, ein Verlag oder eine Bibliothek. Das Kunstwort entstand 2014 in der deutschsprachigen Buchszene.

Warum heißt der Hashtag #bookupDE?

Der Zusatz DE sollte den Hashtag eindeutig machen. Ein Hashtag funktioniert nur, wenn unter ihm ausschließlich Beiträge zur eigenen Veranstaltung erscheinen, und #bookupDE war bei seiner Wahl noch von niemandem verwendet worden. Mit #bookupDE ließen sich Tweets, Fotos und Blogbeiträge aller Treffen später gesammelt auffinden und als Geschichte zusammenstellen, damals häufig mit dem Dienst Storify.

Wo fand das erste Bookup in München statt?

Das erste Münchner #bookupDE fand im Oktober 2014 beim Verlag arsEdition in Schwabing statt. Eingeladen hatte unter anderem Felix Wegener vom Verlag, gut 50 Buchinteressierte kamen. Die Gruppe wurde von Abteilung zu Abteilung geführt, und der Illustrator Alexander Holzach signierte für jede Person ein Buch individuell.

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