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Bookup: warum nicht mal ein Tweetup in der Buchhandlung?

Als das Museum Kunstpalast in Düsseldorf eine große El-Greco-Ausstellung zeigte, lud es wie viele Kulturhäuser jener Jahre Besucherinnen und Besucher aus den sozialen Netzwerken zu einem Tweetup ein. Eine Gruppe ging gemeinsam durch die Räume, twitterte, fotografierte und kam hinterher ins Gespräch. Der WDR in Köln hatte ähnliche Formate ausprobiert. Aus dieser Erfahrung entstand im Juni 2014 eine naheliegende Frage: Warum gibt es so etwas eigentlich nicht in Buchhandlungen?

Vom Tweetup zum Bookup

Ein Tweetup ist ein Treffen von Menschen, die sich über Twitter kennen, anlässlich einer bestimmten Veranstaltung. Im Kulturbereich hatte sich das Format um 2013 und 2014 fest etabliert: Museen führten durch Ausstellungen, Theater öffneten Generalproben, Orchester luden zu moderierten Konzerten. Die Teilnehmenden waren zugleich Publikum und Berichterstatter.

Übertragen auf Bücher bekam die Idee einen eigenen Namen, das Bookup. Die Grundidee blieb dieselbe. Lesebegeisterte, die einander aus dem Netz kennen, treffen sich an einem Ort, an dem Bücher gemacht oder verkauft werden, und berichten davon.

Diskutiert wurde der Gedanke unter anderem nach dem stARTcamp in Dortmund, einem Barcamp für Kultur und soziale Medien. Dort ging es viel um die Frage, wie Kulturinstitutionen ihr Publikum im Netz erreichen, und Buchhandlungen lagen als Kulturorte nahe.

Warum ausgerechnet Buchhandlungen

Viele Buchhandlungen waren 2014 bereits aktiv auf Facebook, manche auch auf Twitter. Sie hatten dort Fans, die nie einen Fuß in den Laden gesetzt hatten, weil er schlicht zu weit weg lag. Ein Beispiel ist der Buchladen Neusser Straße in Köln-Nippes, der mit Veranstaltungen wie einem Lesemarathon im Schaufenster Aufmerksamkeit bekam. Ein anderes die Kinderbuchhandlung Schmitz Junior in Essen. Beide waren im Netz auch Menschen bekannt, die weit entfernt wohnten.

Ein Bookup könnte genau diese Menschen einmal vor Ort bringen. Das Argument dahinter ist einfach: Für eine besondere Ausstellung fahren viele Leute in eine andere Stadt. Warum nicht auch für eine besondere Buchhandlung?

Damit sich der Weg lohnt, braucht es allerdings mehr als einen normalen Einkauf. Denkbar ist vieles:

  • ein Blick in Bereiche, die Kunden sonst nicht sehen, etwa Lager, Büro oder Wareneingang
  • freies Stöbern nach Ladenschluss
  • eine Buchhändlerin oder ein Buchhändler, der die Gruppe persönlich berät
  • eine kurze Vorstellung von Lieblingstiteln des Teams

Was Tweetups im Museum gezeigt hatten

Die Erfahrungen der Museen waren ermutigend. Ein Tweetup brachte meist nur zwanzig oder dreißig Menschen ins Haus, erreichte über deren Netzwerke aber ein Vielfaches an Aufmerksamkeit. Wer an einem Abend durch eine Ausstellung geführt wurde und dabei Fotos und kurze Eindrücke teilte, weckte bei Freunden und Followern Neugier, und manche von ihnen kamen später selbst vorbei.

Entscheidend war, dass die Teilnehmenden etwas erlebten, das normalen Besuchern verwehrt blieb. Ein Gespräch mit der Kuratorin, ein Blick in die Restaurierungswerkstatt, eine Führung vor der offiziellen Eröffnung. Genau solche Momente machten die Berichte lebendig, und genau sie ließen sich auf Buchhandlungen übertragen, wo der Blick ins Lager oder das Gespräch mit der Einkäuferin für Außenstehende ebenso neu ist.

Ein Unterschied bleibt allerdings. Museen haben Presseabteilungen und Budgets für solche Aktionen, eine inhabergeführte Buchhandlung meist nicht. Ein Bookup muss deshalb mit wenig Aufwand auskommen: ein paar Stunden Zeit des Teams, Getränke, vielleicht ein kleines Programm. Das Risiko ist überschaubar, der mögliche Gewinn an Sichtbarkeit groß.

Private Initiativen als Vorbild

Die Idee des Bookups kam nicht aus dem Nichts. Im Rheinland und im Bergischen Land gab es um diese Zeit mehrere private Initiativen, die Lesen aus dem Laden hinaus und in den Alltag trugen. Wohnzimmerlesungen, bei denen Autorinnen und Autoren in Privaträumen vor zwanzig oder dreißig Gästen lasen, gehörten dazu, ebenso öffentliche Bücherhäuschen in Vorgärten, in denen Nachbarn Bücher tauschen konnten.

Solche Projekte zeigen, dass viele Menschen Lust auf Begegnungen rund ums Buch haben, die persönlicher sind als eine große Lesung und geselliger als der Einkauf. Das Bookup verbindet beides mit der Reichweite der sozialen Netzwerke.

Was Veranstalter bedenken sollten

Wer als Buchhandlung ein Bookup plant, sollte den Rahmen klein halten. Zwanzig bis fünfzig Teilnehmende sind für die meisten Läden genug, damit alle etwas sehen und niemand im Gedränge steht. Ein gemeinsamer Hashtag hilft, die Beiträge später zu sammeln. Und es lohnt sich, das Personal vorher einzubinden, denn gerade die Menschen hinter der Theke sind es, die das Treffen besonders machen.

Wichtig ist auch der Zeitpunkt. Ein Abend nach Ladenschluss hat den Vorteil, dass der Laden der Gruppe gehört. Ein Samstagvormittag bringt dagegen Laufkundschaft, die neugierig wird, was da vor sich geht. Beides hat seinen Reiz, und für ein erstes Treffen spricht vieles für den Abend, weil die Gruppe dann ungestört ist und das Team nicht zwischen Kasse und Führung pendeln muss. Wer mehrere Bookups plant, kann die Formen abwechseln und beobachten, welche Variante in den Netzwerken mehr Echo findet.

Wer teilnehmen möchte, braucht wenig: ein Smartphone, Neugier und die Bereitschaft, einen Abend lang über Bücher zu reden. Die Frage, ob sich dafür genug Interessierte finden würden, war im Juni 2014 noch offen.

Wenige Wochen später hatte das Format einen eigenen Hashtag und die ersten Termine standen fest.

Häufige Fragen

Was ist ein Bookup?

Ein Bookup ist ein Treffen von Buchbegeisterten, die sich über soziale Netzwerke kennen, an einem Ort, der mit Büchern zu tun hat: einer Buchhandlung, einem Verlag oder einer Bibliothek. Das Wort ist an das Tweetup angelehnt, bei dem sich Twitter-Nutzer zu einer Veranstaltung verabreden. Während des Treffens wird fotografiert, getwittert und gepostet, damit auch Menschen, die nicht dabei sind, einen Eindruck bekommen.

Was bietet eine Buchhandlung bei einem Bookup?

Üblich sind Dinge, die ein normaler Einkauf nicht bietet: Stöbern nach Ladenschluss, ein Blick in Lager und Büros, die sonst nicht zugänglich sind, oder persönliche Empfehlungen von Buchhändlerinnen und Buchhändlern für die Gruppe. Manche Häuser stellen ihr Programm vor oder laden eine Autorin ein. Die Buchhandlung gewinnt dadurch Aufmerksamkeit über ihren direkten Einzugsbereich hinaus.

Wie unterscheidet sich ein Bookup von einer Lesung?

Bei einer Lesung steht ein Autor oder eine Autorin im Mittelpunkt, das Publikum hört zu. Bei einem Bookup steht der Ort im Mittelpunkt und die Teilnehmenden sind aktiv: Sie erkunden die Buchhandlung, stellen Fragen, tauschen sich untereinander aus und berichten live in ihren Netzwerken. Eine Lesung kann Teil eines Bookups sein, ist aber nicht nötig.

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