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#bookupDE: wie das Buchhandlungstreffen für Leser 2014 begann

Nach einer Woche hatte die Facebook-Gruppe 128 Mitglieder, das frisch angelegte Twitter-Profil 81 Follower, und der erste Termin stand fest: Samstag, 26. Juli 2014, Treffpunkt um 13:45 Uhr vor der Kinderbuchhandlung Schmitz Junior in Essen-Werden. So schnell war aus einer Idee, die im Juni 2014 zunächst wie ein verrückter Einfall wirkte, ein Veranstaltungsformat geworden.

Es hieß #bookupDE.

Die Idee hinter #bookupDE

Das Prinzip war einfach und verband zwei Welten, die sich damals oft nur online begegneten. Auf der einen Seite standen Menschen, die viel lesen und darüber in sozialen Netzwerken schreiben, twittern oder Fotos teilen. Auf der anderen Seite standen Buchhandlungen und Verlage, die ihre Leserinnen und Leser kennenlernen wollten und im Netz sichtbarer werden mussten. #bookupDE brachte beide an einem Ort zusammen: Ein Haus öffnete für einen Nachmittag oder Abend seine Türen, die Gäste schauten sich um, und alles, was sie dabei erlebten, landete unter einem gemeinsamen Hashtag im Netz.

Der Name erinnert an das englische „meetup“, das Treffen von Menschen mit gemeinsamen Interessen, und an „book“ für das Buch. Vorbilder gab es in Museen und Theatern, die bereits Tweetups veranstalteten, bei denen Besucher live aus Ausstellungen oder Proben berichteten. Für die Buchbranche war das 2014 noch ungewöhnlich.

Das erste Treffen bei Schmitz Junior in Essen-Werden

Dass das erste Treffen so schnell zustande kam, lag an zwei glücklichen Umständen. Mandy Ehrentraut, die bereits mehrere Treffen von Buchbloggern und Leseratten zwischen Köln und Essen organisiert hatte, plante ohnehin eine Zusammenkunft in Schmitz Junior, und #bookupDE durfte sich anschließen. Zudem gab es bereits einen guten Draht zu Sandra Rudel, die die Kinderbuchhandlung seit 1996 leitete.

Für Schmitz Junior sprachen mehrere Gründe. Die Buchhandlung war mit einer stets aktuellen Website und einem lebendigen Facebook-Auftritt weit über Essen hinaus bekannt. Sie fiel durch eigene Ideen auf, etwa den „Kilifü“ und den „Werdener Kanon der Literatur“, und sie lag günstig für ein großes Einzugsgebiet zwischen Ruhrgebiet, Düsseldorf und Wuppertal. Wer aus einer dieser Städte anreisen wollte, konnte das mit vertretbarem Aufwand tun, und für eine Buchhandlung dieses Rufs nahmen viele auch einen längeren Weg in Kauf.

Der Ablauf war schlicht. Ab 14 Uhr gehörte die Buchhandlung den Teilnehmenden allein. Es durfte ausgiebig gestöbert werden, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stellten ihre Lieblingstitel vor und standen für Fragen zur Verfügung, und für Getränke und ein paar Knabbereien war gesorgt. Eine Anmeldung per Facebook oder Kommentar war erwünscht, damit das Team ungefähr wusste, wie viele Gäste kommen würden.

Die Rolle des Hashtags

Das eigentliche Kennzeichen des Formats war der Hashtag. Alle Teilnehmenden sollten ihre Eindrücke während des Besuchs bei Facebook, Twitter oder Instagram teilen und jeden Beitrag mit #bookupDE versehen. Wer kein Smartphone dabeihatte, konnte später im eigenen Blog über den Nachmittag schreiben und darin auf den Hashtag verweisen.

Aus den vielen einzelnen Beiträgen ließ sich anschließend eine gemeinsame Geschichte zusammensetzen. Das Werkzeug dafür hieß damals Storify: Ein Dienst, mit dem sich Tweets, Fotos und Posts zu einer chronologischen Erzählung ordnen ließen. Für eine Buchhandlung war das ein doppelter Gewinn, denn sie bekam nicht nur einen lebhaften Nachmittag, sondern auch Dutzende Empfehlungen, die sich über die Netzwerke der Gäste verbreiteten.

Wie es weiterging

Das Format verbreitete sich schnell. Schon im August 2014 gab es Treffen in drei weiteren Städten: in der Berliner Buchhandlung Anakoluth, in der Schiller Buchhandlung in Stuttgart-Vaihingen gemeinsam mit dem Hädecke Verlag und im Buchladen Neusser Straße in Köln-Nippes. Die Gastgeber wechselten zwischen Kinderbuchhandlungen, unabhängigen Buchläden und Verlagen, und jedes Haus setzte eigene Akzente, mal mit individuellen Lesetipps, mal mit Gerichten aus Kochbüchern.

Im Juni 2015, knapp ein Jahr nach dem ersten Aufruf, fand in den Räumen der Frankfurter Verlagsanstalt bereits das 25. Treffen statt. Verleger Joachim Unseld stellte dort selbst sein Haus vor, und die Debütautorin Julia Wolf las aus ihrem Roman „Alles ist jetzt“. Aus dem Stöbernachmittag in einer Kinderbuchhandlung war damit ein Format geworden, das auch Verlage für sich entdeckt hatten.

Was ein gutes Lesertreffen ausmacht

Aus den ersten Treffen lassen sich einige Erfahrungen ablesen, die für jede ähnliche Veranstaltung gelten. Ein fester Beginn vor der Tür hilft, weil sich viele Teilnehmende bis dahin nur als Profilbild kennen. Eine exklusive Zeit, in der das Haus nur den Gästen gehört, schafft Ruhe zum Stöbern und Fragen. Und Gastgeber, die ihre eigenen Lieblingsbücher vorstellen, geben dem Besuch eine persönliche Note, die kein Katalog ersetzt.

Wichtig war außerdem, dass #bookupDE keine geschlossene Veranstaltung für eine Szene sein wollte. Eingeladen waren alle, die gern lesen und sich im Netz bewegen. Gerade diese Offenheit sorgte dafür, dass Buchhandlungen neue Kundschaft kennenlernten und Leser Häuser entdeckten, an denen sie sonst vorbeigefahren wären.

Storify selbst gibt es übrigens nicht mehr, der Dienst wurde 2018 eingestellt. Viele der damals zusammengestellten Geschichten über die ersten Treffen sind damit aus dem Netz verschwunden, während die Fotos auf Instagram oft noch zu finden sind.

Häufige Fragen

Was ist #bookupDE?

#bookupDE war ein Veranstaltungsformat, bei dem sich lesebegeisterte Menschen in Buchhandlungen, Verlagen oder Bibliotheken trafen, das Haus kennenlernten und live in sozialen Netzwerken darüber berichteten. Alle Beiträge liefen unter dem gemeinsamen Hashtag #bookupDE. Die Idee entstand im Juni 2014, das erste Treffen fand am 26. Juli 2014 in der Kinderbuchhandlung Schmitz Junior in Essen-Werden statt. Knapp ein Jahr später gab es bereits das 25. Treffen.

Wie lief ein #bookupDE-Treffen ab?

Die Teilnehmer meldeten sich vorab an, damit der Gastgeber planen konnte. Beim ersten Treffen gehörte die Buchhandlung den Gästen ab 14 Uhr exklusiv: Sie durften stöbern, die Mitarbeiter stellten ihre Lieblingstitel vor und beantworteten Fragen, dazu gab es Getränke und Knabbereien. Während des Besuchs posteten die Teilnehmer Fotos und Eindrücke bei Facebook, Twitter oder Instagram, andere schrieben später in ihren Blogs über den Nachmittag.

Wer konnte an #bookupDE teilnehmen?

Eingeladen waren alle, die gern lesen und sich in sozialen Netzwerken bewegen, ausdrücklich auch Menschen ohne eigenes Blog. Wer kein Smartphone besaß, konnte auch im Nachhinein über den Besuch berichten. Eine Anmeldung über Facebook, per E-Mail oder per Kommentar war erwünscht, weil die Gastgeber wissen wollten, wie viele Gäste sie erwarten.

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