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Antje Herden antwortet Kai Lüftner: „Lieber Kai, …“ – offener Brief

1.075 Menschen hatten im Mai 2014 die Autorenseite von Kai Lüftner in einem sozialen Netzwerk mit „Gefällt mir“ markiert. Das Topmodel, das neben ihm in einer Fernsehsendung gesessen hatte, zählte über 580.000 Fans. Mit diesem Vergleich machte die Kinderbuchautorin Antje Herden in einem offenen Brief deutlich, wo sie das eigentliche Problem der Kinderbuchbranche sah.

Der Anlass

Kurz zuvor hatte Kai Lüftner, Autor von Kinder- und Hörbüchern, unter dem Titel „Branche ohne Wert!“ einen wütenden Brief über den Umgang mit Kinderliteratur veröffentlicht. Der Text verbreitete sich schnell. Herden, die in Lüftners Text namentlich erwähnt worden war, antwortete am folgenden Morgen auf ihrer Autorenseite mit einem Brief, der mit „Lieber Kai Lüftner“ begann.

Was Herden beschrieb

Herden schrieb damals seit vier Jahren Kinderbücher und erzählte, wie viel Sorgfalt sie in Recherche und Formulierung stecke. Ihre Bücher würden in der Branche gelobt, von Leserinnen, Käufern und Schenkenden aber kaum wahrgenommen. Gründe sah sie viele, vom Kleinverlag bis zu eigenen Versäumnissen, vor allem aber die geringe Bedeutung des Kinderbuchs in einem vom Geld bestimmten Markt.

Sie beschrieb eine Blase aus Kolleginnen, Buchhändlerinnen, Bibliothekaren, Bloggern und Engagierten, die einander kennen, außerhalb aber wenig bewirken. Das Argument, Kinderbücher seien zu teuer, hielt sie angesichts der Ausgaben für Unterhaltungselektronik für kaum haltbar. Lesen gelte vielen zwar als erstrebenswert, sei aber „unglamourös, unsexy und viel zu leise“.

Verlagen warf sie keinen bösen Willen vor. In einem kapitalistischen System handelten sie eben kapitalistisch, und könnte man mit guten Kinderbüchern Geld verdienen, würden Autoren hofiert.

Leseförderung als Antwort

Eine fertige Lösung hatte Herden nicht, nannte aber die naheliegende: Leseförderung, die schon im Kindergarten beginnt. Sie schilderte Kitas und Grundschulen mit zerlesenen alten Büchern und Erzieherinnen, die kaum Neuerscheinungen kennen, und berichtete von eigenen Angeboten kostenloser Lesungen, auf die kaum jemand reagiert habe. Nachmittagslesungen gälten als gut besucht, wenn zwanzig Menschen kämen, die Hälfte davon Kinder.

Als einzige Ausnahme, die sie selbst erlebt hatte, nannte sie eine Lesung mit Andreas Steinhöfel.

Der Brief endete versöhnlich, mit Zuneigung für den Kollegen und für sich selbst. Die Frage, die er stellte, blieb offen: laut werden oder leise weiterschreiben?

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