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Kein Grad weiter: Dürre, Waldschäden und Klimaschutz in Solingen 2020

Rund 47 Liter pro Quadratmeter fielen zwischen dem 25. und dem 27. September 2020 auf Solingen. Nach einem trockenen Sommer war das so viel Regen, dass manche schon wieder nach Sonne riefen. Ein Blick auf den Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung zeigte allerdings ein anderes Bild: Um den Boden auch in 1,80 Metern Tiefe wieder zu durchfeuchten, hätte es viele Wochen lang durchregnen müssen.

Ein Regenwochenende ändert an einer Dürre wenig.

Drei trockene Jahre in Folge

Auf die heißen und trockenen Jahre 2018 und 2019 folgte ein Jahr 2020, das schon im Frühjahr wieder sehr wenig Niederschlag brachte. Der Dürremonitor am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig misst die Feuchte im Boden und kann damit genau anzeigen, wie es um ihn steht. Im Herbst 2020 waren große Teile Nordrhein-Westfalens, Solingen eingeschlossen, auf der Karte tiefrot eingefärbt. Das steht für eine außergewöhnliche Dürre.

Wer am Wochenende durch den Solinger Wald ging, brauchte diese Karte eigentlich nicht. Um die Zeichen der Klimakrise dort zu übersehen, musste man schon mehr als beide Augen zudrücken.

Junge Bäume, die nicht angewachsen sind

Wie ernst die Lage war, wurde Mitte September 2020 in einer Sitzung des Beirats bei der Unteren Naturschutzbehörde deutlich. Von der städtischen Wald- und Landschaftspflege kam die Nachricht, dass in der Ohligser Heide nur etwa die Hälfte der im Frühjahr gepflanzten Bäume überlebt hatte. Der Boden war so trocken, dass die geplante Herbstpflanzung ganz abgesagt wurde.

Dabei war im Frühjahr viel investiert worden. Nach einem Bericht des Solinger Tageblatts wurden in der Ohligser Heide, der Krüdersheide und in Verlach rund 15.000 Buchen und Eichen gepflanzt, auf einer Fläche von etwa 100.000 Quadratmetern. Vorher waren die Flächen vorbereitet, Wurzelstubben abgefräst und der Boden gemulcht worden, überwiegend durch städtisches Forstpersonal und zwei örtliche Forstunternehmen, wie Sabine Rische von der Pressestelle der Stadt der Zeitung erläuterte. Bis zum Herbst 2020 sollten, so ein weiterer Bericht vom Juli, weitere 10.000 Bäume in Balkhausen und an den Gräfrather Wupperhängen folgen.

Dass die Hälfte der Setzlinge schon im ersten Sommer vertrocknete, zeigt, wie schwierig Aufforstung unter solchen Bedingungen ist. Buchen und Eichen gelten zwar als robuster als die Fichte, die in vielen Wäldern großflächig abgestorben ist. Junge Bäume haben aber noch keine tiefen Wurzeln und sind in den ersten Jahren auf Regen angewiesen.

Die Talsperre sinkt

Auch das Trinkwasser ist betroffen. Die Sengbachtalsperre versorgt einen Großteil Solingens, und ihr Füllstand lag Mitte August 2020 nur noch knapp über 60 Prozent, mit fallender Tendenz. Wald und Wasser hängen dabei eng zusammen. Ein gesunder Wald speichert Regen wie ein Schwamm und gibt ihn langsam an Bäche und Talsperren ab; sterben die Bäume, fließt mehr Wasser bei Starkregen schnell ab, und in Trockenzeiten fehlt es.

Was die Kommunalpolitik tun kann

Der Slogan „Kein Grad weiter“ bringt auf den Punkt, worum es im Pariser Klimaabkommen von 2015 geht: die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen, möglichst auf 1,5 Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau. Jedes Zehntelgrad mehr bedeutet häufigere Hitzesommer und längere Dürren, wie Solingen sie 2018 bis 2020 erlebt hat.

Klimaschutz ist nicht nur eine Aufgabe von Bund und Ländern. Viel entscheidet sich in den Städten: bei Verkehrsplanung und Radwegen, bei der Bebauung von Freiflächen, bei der Pflege des Stadtwalds und der Versorgung mit Wasser. In Solingen befasst sich damit unter anderem der Ausschuss für Stadtentwicklung, Umwelt, Klimaschutz und Mobilität, kurz ASUKM, mit seinen beratenden Beiräten. Die Sitzungen sind in der Regel öffentlich, und wer sie besucht, erfährt oft mehr über den Zustand der eigenen Stadt als aus jeder Zeitung.

Vor der Kommunalwahl im September 2020 hatten Fridays for Future Solingen und Parents for Future Solingen einen Klimacheck unter den Parteien durchgeführt. Das Ergebnis zeigte, dass den meisten Mitgliedern des neuen Stadtrats die Bedeutung des Klimaschutzes bewusst war. Ob daraus Politik wird, hängt auch davon ab, wie beharrlich Bürgerinnen und Bürger den Rat an seine Verantwortung erinnern.

Was jeder Einzelne tun kann

Die Möglichkeiten im Alltag sind überschaubar, aber real. Ein E-Bike vergrößert den Radius, in dem das Auto stehen bleiben kann, gerade in einer hügeligen Stadt wie Solingen. Regenwasser von Dach- und Garagenflächen lässt sich in Tonnen sammeln und im Sommer für den Garten nutzen, statt Trinkwasser zu verbrauchen. Wer sich engagieren möchte, findet bei Klimademos und lokalen Initiativen Anschluss, und wer einen Garten hat, kann mit heimischen, trockenheitsverträglichen Pflanzen selbst ein wenig vorsorgen.

Und wer wissen will, wie es um den Wald vor der eigenen Haustür steht, kann ihn schlicht erwandern. Der Klingenpfad führt auf rund 70 Kilometern einmal um die Stadt, durch die Ohligser Heide, die Krüdersheide und an den Wupperhängen entlang, also an mehreren der Flächen vorbei, auf denen 2020 gepflanzt wurde. Wie viele der jungen Buchen und Eichen dort in ein paar Jahren noch stehen, wird zeigen, ob die Aufforstung gelungen ist.

Häufige Fragen

Was ist der Dürremonitor?

Der Dürremonitor Deutschland ist ein Angebot des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig. Er berechnet täglich die Bodenfeuchte in ganz Deutschland, sowohl im Oberboden als auch im Gesamtboden bis in etwa 1,80 Meter Tiefe, und stellt sie in einer farbigen Karte dar. Dunkelrot steht für eine außergewöhnliche Dürre. Die Daten helfen Landwirtschaft, Forst und Kommunen, die Lage einzuschätzen, und sind öffentlich einsehbar.

Warum reicht ein Starkregen nicht gegen die Dürre?

Nach mehreren trockenen Jahren ist vor allem der tiefere Boden ausgetrocknet. Ein kräftiger Regen durchfeuchtet zunächst nur die obersten Zentimeter, ein Teil fließt oberflächlich ab, und ausgetrocknete Böden nehmen Wasser schlechter auf. Um den Boden bis in 1,80 Meter Tiefe wieder aufzufüllen, müsste es über viele Wochen gleichmäßig regnen. Deshalb kann der Dürremonitor auch nach einem nassen Wochenende noch tiefrot anzeigen.

Woher bezieht Solingen sein Trinkwasser?

Ein Großteil des Solinger Trinkwassers stammt aus der Sengbachtalsperre im Süden der Stadt. Ihr Füllstand hängt stark von den Niederschlägen ab. Im trockenen Sommer 2020 lag er Mitte August nur noch bei gut 60 Prozent, mit fallender Tendenz. Gesunde Wälder im Einzugsgebiet sind für die Talsperre wichtig, weil sie Regenwasser speichern und langsam abgeben; sterbende Bäume schwächen diese Funktion.

Was können Bürger gegen die Folgen der Klimakrise vor Ort tun?

Im Alltag helfen kürzere Autofahrten oder der Umstieg aufs Fahrrad, auch mit E-Bike, sowie das Sammeln von Regenwasser für den Garten. Politisch lässt sich viel bewegen, wenn Bürgerinnen und Bürger öffentliche Ausschusssitzungen besuchen, Fragen stellen und ihre Ratsmitglieder an Klimaziele erinnern. Initiativen wie Fridays for Future oder Parents for Future bieten Anschluss an Gleichgesinnte. Auch Baumpatenschaften und Pflanzaktionen der Kommunen sind eine Möglichkeit.

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