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Vom Schweden, der den Zug nahm: Per J. Anderssons Buch über Bahnreisen

Warum fährt ein Zug um 9:23 Uhr ab und nicht um 9:25 oder 9:30 Uhr? Fragen wie diese stellt Per J. Andersson in seinem Buch „Vom Schweden, der den Zug nahm und die Welt mit anderen Augen sah“. Der schwedische Autor nimmt die Leser mit auf Zugreisen quer durch Europa und darüber hinaus und erzählt dabei von allem, was das Leben im Zug ausmacht: von Fahrplänen, Tunneln, Zahnrädern, Abteilnachbarn und der Geschichte eines Verkehrsmittels, das die Welt verändert hat.

Klappentext und Erwartung

Der Klappentext verspricht ein Abenteuer. Andersson fährt zum nördlichsten Zipfel Europas, mit der Dampflok über die Wolken und im legendären Orient-Express, er verbringt ganze Tage und Nächte im Abteil und trifft kuriose Mitreisende. Das Buch soll die Sinne wecken und ein Muss für alle sein, die beim Reisen etwas erleben und dabei das Klima schonen wollen. Eine Leseprobe stellt der Verlag C.H.Beck bereit.

Wer daraufhin eine klassische Reisebeschreibung erwartet, mit Etappen, Landschaften und Anekdoten aus dem Speisewagen, wird überrascht. Das Buch bietet all das, aber in anderer Mischung. Andersson ist kein Bahnneuling, der sich zum Zugfahren bekehren lässt. Schon seine Großeltern arbeiteten bei der Bahn, und als Jugendlicher bereiste er die Welt auf Schienen.

Beim Verlag: C.H.Beck

Der Titel

Im schwedischen Original heißt das Buch schlicht „Ta tåget“ – „Nimm den Zug“. Das ist kürzer, direkter und passt gut zu einem Buch, das auch ein Plädoyer für das Bahnfahren ist. Der deutsche Titel erklärt sich aus dem Erfolg eines älteren Buches von Andersson, „Vom Inder, der mit dem Fahrrad bis nach Schweden fuhr, um dort seine große Liebe wiederzufinden“. Der Verlag knüpfte offenbar an diese bekannte Form an. Die deutsche Übersetzung stammt von Susanne Dahmann, das Buch erschien 2020 und hat 379 Seiten.

Eine Reise durch die Geschichte der Eisenbahn

Andersson zeigt schnell, dass die Bahn historisch weit mehr war als ein Verkehrsmittel unter vielen. Es war die Eisenbahn, die entlegene Regionen der Welt erschloss, und viele Züge fahren noch heute auf Strecken, die im 19. Jahrhundert gebaut wurden. Folgerichtig beginnt das Buch dort, wo alles anfing: in Großbritannien, dem Mutterland der Eisenbahn.

Von dort aus geht es Kapitel für Kapitel weiter, und jede Reise ist einem eigenen Thema gewidmet. Einmal geht es um die Zeit, etwa um die Frage nach den scheinbar krummen Abfahrtszeiten. Ein anderes Mal um Technik, um Tunnelbau oder um Zahnradbahnen, die steile Berge bezwingen. Überraschend ist die Verbindung zur Literatur: Andersson erklärt, warum es Thomas Manns Roman „Der Zauberberg“ ohne die Bahn in dieser Form vermutlich nicht gegeben hätte. Hintergrund ist ein Besuch des Schriftstellers 1912 bei seiner Frau Katia, die in einem Sanatorium in Davos kurte – ein Ort, der erst durch die Bahnstrecke in die Berge bequem erreichbar geworden war.

Detailverliebt oder detailversessen?

Die Fülle an Informationen ist Stärke und Schwäche zugleich. Manche Abschnitte liest man gern zweimal, weil sie etwas Unbekanntes anschaulich machen. Andere wirken sehr ausführlich, und wer sich weniger für technische Einzelheiten interessiert, blättert hier schneller weiter. Ob man den Autor detailversessen oder detailverliebt findet, hängt stark von den eigenen Interessen ab.

Was dem Buch fehlt, ist ein klarer roter Faden. Die Kapitel wirken eher wie eine Sammlung von Essays, die unter einem gemeinsamen Thema stehen, als wie eine durchgehende Erzählung. Wer das weiß, liest das Buch entspannter und kann auch einmal ein Kapitel überspringen oder in anderer Reihenfolge lesen.

Das Leben im Zug

Zwischen den Sachthemen scheint immer wieder durch, was das Zugfahren für Andersson so besonders macht. Im Abteil vergeht die Zeit anders als im Auto oder im Flugzeug. Man kann lesen, schauen, schlafen, mit Fremden ins Gespräch kommen. Die Landschaft zieht vorbei, ohne dass man selbst etwas dafür tun muss. Das Leben im Zug ist eine eigene kleine Welt mit ihren Ritualen, vom Platzsuchen bis zum ersten Kaffee aus dem Bordbistro.

Das alte Bild vom Leben als Zugfahrt, bei der Menschen einsteigen, eine Weile bleiben und wieder aussteigen, liegt bei dieser Lektüre nahe.

Die Tücken der Planung

Ein eigenes Kapitel widmet sich den praktischen Hürden, etwa dem Buchen internationaler Verbindungen. Wer schon einmal versucht hat, eine Reise mit mehreren Bahngesellschaften zu planen, weiß, wie kompliziert das sein kann. Dass die Bahn als klimafreundliche Alternative erst dann überzeugt, wenn solche Hindernisse kleiner werden, liegt nach diesem Kapitel auf der Hand.

Für wen sich das Buch lohnt

Das Buch eignet sich für alle, die die Bahn anderen Verkehrsmitteln vorziehen oder es gern täten, wenn manches einfacher wäre. Pendler, die täglich im Zug sitzen, entdecken ihr Verkehrsmittel darin mit neuen Augen. Und gerade Leserinnen und Leser, die etwas anderes erwartet haben, werden oft positiv überrascht, denn sie bekommen ein Buch, das sie sich selbst womöglich nicht ausgesucht hätten.

Genau darin ähnelt die Lektüre dem Bahnfahren. Es kommt fast immer anders als geplant, manchmal ist das ärgerlich – und manchmal steigt genau dann jemand zu, dessen Geschichte man nicht verpasst haben möchte.

Häufige Fragen

Worum geht es in „Vom Schweden, der den Zug nahm“?

Der schwedische Journalist und Autor Per J. Andersson erzählt vom Reisen mit der Eisenbahn. Er fährt in den hohen Norden Europas, mit einer Dampflok hoch über den Wolken und mit dem Orient-Express und verbindet jede Reise mit einem Thema, etwa der Geschichte der Fahrpläne, dem Tunnelbau oder der Technik von Zahnradbahnen. Das Buch ist zugleich ein Plädoyer für das klimafreundliche Reisen auf der Schiene.

Wie heißt das Buch im schwedischen Original?

Der Originaltitel lautet „Ta tåget“, was übersetzt „Nimm den Zug“ bedeutet. Der deutsche Titel lehnt sich an Anderssons älteres Buch „Vom Inder, der mit dem Fahrrad bis nach Schweden fuhr, um dort seine große Liebe wiederzufinden“ an, das im deutschsprachigen Raum ein großer Erfolg war. Übersetzt hat das Bahnbuch Susanne Dahmann, erschienen ist es 2020 im Verlag C.H.Beck.

Für wen eignet sich das Buch?

Es eignet sich besonders für Menschen, die gern Bahn fahren oder mehr Reisen auf der Schiene planen möchten, etwa Pendler und Interessierte an Eisenbahngeschichte. Wer eine durchgehende Reiseerzählung erwartet, wird dagegen überrascht, denn das Buch besteht eher aus lose verbundenen Kapiteln. Wer sich darauf einlässt, erfährt viel über Technik, Geschichte und die kleinen Eigenheiten des Bahnreisens, bis hin zu den Tücken internationaler Buchungen.

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