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Bhutan-Reise: Erfahrungen und Eindrücke aus dem Himalaya
Ein Teller mit grünen Chilischoten in geschmolzenem Käse, fast jeden Tag, selbst für Gäste, die scharfes Essen sonst meiden: So fällt in Bhutan oft die Antwort auf die schlichte Frage aus, was es zu essen gab. Sie gehört zu einem kleinen Katalog mit dem Titel „Zehn Fragen für zurückgekehrte Reisende“. Wer ihn nach einer Reise durchgeht, sieht genauer hin als bei der üblichen Erzählung über Wetter, Flug und Hotel.
Die Antworten unten beruhen auf Erfahrungen einer zweiwöchigen Rundreise im Oktober 2019. Das Königreich im Himalaya grenzt im Süden an Indien und im Norden an Tibet.
Warum Bhutan und was auf den Tisch kommt
Den Anstoß geben häufig Menschen, die schon dort waren und nicht aufhören, davon zu erzählen. Irgendwann wird aus solchen Erzählungen ein Plan.
Gegessen wird, was auf den Tisch kommt, und fast täglich gehört Ema Datshi dazu, das Nationalgericht aus Chili und Käse. Die Verbindung ist überraschend gelungen, weil der Käse die Schärfe abfedert. Welche Chilisorte dafür verwendet wird, lässt sich unterwegs nicht immer herausfinden, doch wer Ema Datshi einmal probiert hat, sucht zu Hause danach.
Schlafen mit Aussicht
Viele Rundreisen beginnen und enden in Paro, wo der einzige internationale Flughafen liegt. Eines der traditionsreichen Hotels dort wurde 1974 für die Gäste der Krönung des vierten Königs errichtet. Erst seit dieser Zeit öffnete sich Bhutan überhaupt für ausländische Besucher. Abgesehen von Zeltnächten bei Trekkingtouren schlafen Reisende in Hotels und Gasthäusern, die meist bequemer sind, als man es in einem so abgelegenen Land erwarten würde.
Eine Straße erzählt vom Land
Wer über Bhutan berichtet, könnte mit einer Landschaft beginnen oder mit einem Haus. Aufschlussreicher ist die Straße. Es gibt im Wesentlichen eine Hauptverbindung von Westen nach Osten, die sich an Bergflanken entlanghangelt oder in Serpentinen darüber hinwegführt. Neben asphaltierten Abschnitten folgen Strecken in Staub oder Matsch, die nach Erdrutschen oft nur einspurig befahrbar sind.
Leitplanken sind selten. Meist hält rot-weißes Flatterband die Autos vom Abhang fern.
Verkehrsschilder gibt es wenige, Ampeln so gut wie keine. Bei rund zwanzig Einwohnern pro Quadratkilometer ist der Verkehr überschaubar. Hunde laufen herum, Kühe schlafen mitten auf der Fahrbahn, und trotzdem geht es auf diesen Strecken oft ruhiger zu als auf einer deutschen Autobahn.
Gelassenheit als Alltagsphänomen
Was in Deutschland gern augenzwinkernd buddhistische Gelassenheit genannt wird, ist in Bhutan tatsächlich zu erleben. Im Buddhismus wirken Gedanken, Worte und Taten über das eigene Leben hinaus, weil sie im Kreislauf der Wiedergeburt fortbestehen. Gutes Karma zu sammeln, gehört deshalb zum Alltag. Besucher fragen sich angesichts dieser Haltung schnell, wie viel Energie im eigenen Leben auf Unwichtiges verwendet wird.
Bekannt ist Bhutan auch für das Konzept des Bruttonationalglücks, das der vierte König ins Spiel brachte und das Wohlergehen über reines Wirtschaftswachstum stellt.
Begegnungen und die Rolle der Frauen
Begegnungen mit Einheimischen ergeben sich nicht nur über den Guide. Wer vor der Reise über soziale Netzwerke Kontakte knüpft, etwa zu Menschen in Trongsa im Zentrum des Landes, kann sich unterwegs verabreden, und aus einem Treffen im Hotel wird oft ein langer Abend.
Auf die Frage nach dem Leben von Frauen und Mädchen fällt die Antwort vieler Besucher ähnlich aus: Bhutanerinnen treten sehr selbstbewusst auf, ob als Bäuerin auf dem Feld, als Wirtin in einer kleinen Gaststube, als Ingenieurin oder als Grundschülerin. In weiten Teilen des Landes werden Land und Häuser traditionell an die Töchter vererbt, und Männer ziehen nach der Hochzeit oft in den Heimatort ihrer Frau. Polygamie ist legal, kommt aber nur noch selten vor. Der vierte König, Jigme Singye Wangchuck, ist mit vier Schwestern verheiratet.
Dünne Luft
Anders als erwartet ist für viele vor allem die Höhe. Große Teile Bhutans liegen über 2000 Metern, und dünne Luft lässt sich schlicht nicht vorstellen, auch nicht nach Höhentraining. Auf Routen wie dem Druk Path Trek kann es passieren, dass nach fünf Kilometern und rund 800 Höhenmetern auf 3600 Metern die Kraft ausgeht. Einen Tag später und tausend Meter tiefer sind dann oft zwölf Kilometer wieder mühelos zu schaffen.
Religion im Detail
Ein Detail zur Religion bleibt vielen Besuchern im Gedächtnis: der Segen mit einem hölzernen Phallus im Kloster Chimi Lhakhang, rund zehn Kilometer außerhalb von Punakha. Schon auf dem Weg dorthin sind Phallus-Symbole an Hauswänden zu sehen, etwa im Dorf Lobesa, dazu hölzerne Anhänger, manche mit Propeller und Flügeln fürs Kinderzimmer. Sie sollen Dämonen und Böses fernhalten. Die Tradition geht auf den Heiligen Drukpa Kunley zurück, einen Mönch des 15. und 16. Jahrhunderts, der als „göttlicher Verrückter“ mit derbem Humor und unkonventionellen Lehren in Erinnerung geblieben ist.
Was bleibt
Wer reist, kommt verändert zurück, mal mehr, mal weniger. Bhutan beeindruckt als Gesamtpaket aus Menschen, Kultur, Religion und Natur. Und es führt vor Augen, wie verletzlich die Erde ist: Das Land bindet mehr Kohlendioxid, als es ausstößt, und bleibt vom Klimawandel trotzdem nicht verschont.
Wer nach der nächsten Reise selbst Antworten auf die zehn Fragen sucht, wird merken, dass die Frage nach der Straße oft mehr verrät als die nach dem schönsten Ausblick.
Häufige Fragen
Wie reist man nach Bhutan?
Bhutan hat sich erst 1974 für ausländische Touristen geöffnet und steuert den Tourismus bis heute streng. Zum Zeitpunkt dieser Reise im Jahr 2019 buchten Besucher aus den meisten Ländern ihre Reise über einen lizenzierten Veranstalter und waren mit Guide und Fahrer unterwegs. Die Einreise erfolgt meist per Flug nach Paro, dem einzigen internationalen Flughafen des Landes. Aktuelle Bedingungen und Gebühren sollten vor der Planung beim offiziellen Tourismusrat erfragt werden.
Was ist Ema Datshi?
Ema Datshi gilt als Nationalgericht Bhutans. Es besteht aus Chilischoten, die in einer Soße aus geschmolzenem Käse geschmort werden. In Bhutan werden Chilis nicht nur als Gewürz verwendet, sondern wie Gemüse gegessen. Serviert wird das Gericht meist mit rotem Reis. Überraschend für viele Besucher: Der Käse mildert die Schärfe spürbar, sodass auch Menschen, die scharfes Essen sonst meiden, oft Gefallen daran finden.
Wie gefährlich ist die Höhe beim Trekking in Bhutan?
Große Teile Bhutans liegen hoch, viele Trekkingrouten führen über 3000 Meter. Dünne Luft lässt sich schwer vorhersehen, selbst mit Höhentraining zu Hause. Wer vorher akklimatisiert, langsam geht, viel trinkt und auf Warnzeichen wie Kopfschmerzen, Übelkeit oder starke Erschöpfung achtet, reduziert das Risiko. Eine Etappe abzubrechen und tiefer abzusteigen, ist keine Schwäche, sondern oft die richtige Entscheidung. Schon wenige hundert Meter tiefer bessert sich das Befinden häufig deutlich.
Was hat es mit dem Kloster Chimi Lhakhang auf sich?
Chimi Lhakhang liegt rund zehn Kilometer außerhalb von Punakha und ist dem Heiligen Drukpa Kunley gewidmet, der in Bhutan als „göttlicher Verrückter“ verehrt wird. Das Kloster gilt als Fruchtbarkeitstempel. Besucher werden dort mit einem hölzernen Phallus gesegnet. Auch in den umliegenden Dörfern sind Phallus-Symbole an Hauswänden verbreitet. Sie sollen Dämonen und Unheil fernhalten und gehören selbstverständlich zum Ortsbild.
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