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Meditationshaus Dietfurt und christliche Zen-Meditation: Zazen, Stille

Fünf Minuten vor Beginn sitzen alle bereits auf ihren Kissen. Ein tiefer Gongschlag, dann Stille. Die Augen sind leicht geöffnet, der Blick ruht auf dem Boden, der Rücken ist aufrecht, und im Kopf beginnt das Zählen: eins beim Ausatmen, zwei beim nächsten Atemzug, bis zehn und dann wieder von vorn. Wer das zum ersten Mal versucht, kommt selten über zwei hinaus, bevor die Gedanken wieder davonfliegen.

So beginnt eine Einheit Zazen, die gegenstandslose Schweigemeditation des Zen. In Deutschland wird sie an etlichen Orten auch in einem christlichen Rahmen gelehrt, und einer der bekanntesten ist das Meditationshaus St. Franziskus in Dietfurt.

Wo christliches Zen gelehrt wird

Das Meditationshaus St. Franziskus liegt in Dietfurt an der Altmühl, im Franziskanerkloster der kleinen Stadt im Altmühltal. Das Haus bietet Kurse in Zen-Meditation an, die sich ausdrücklich auch an Christinnen und Christen richten. Eng verbunden ist dieser Weg mit dem Namen Hugo Makibi Enomiya-Lassalle, einem deutschen Jesuiten, der viele Jahre in Japan lebte, dort selbst Zen übte und diese Praxis später Menschen in Europa nahebrachte.

Wer im Netz nach christlicher Zen-Meditation sucht, stößt fast zwangsläufig auf Lassalles Namen, etwa auch beim Kursangebot der Erzabtei St. Martin zu Beuron an der oberen Donau. Und er führt zu einem weiteren Angebot: der Via Integralis, die unter anderem eine Kontemplationsschule in Bonn unterhält. Nach eigener Beschreibung verbindet sie eine Methode aus einem asiatischen religiösen Weg mit dem in Europa gewachsenen christlichen Weg, ohne beides zu vermischen. Das Zen wird in einem für westliche Menschen vereinfachten Rahmen authentisch geübt, Rezitationen, etwa von Angelus Silesius, und Gebete stammen aus der christlichen Tradition.

Für Menschen, die sich zum Buddhismus hingezogen fühlen, ohne ihren christlichen Glauben aufgeben zu wollen, ist diese Verbindung naheliegend. Wer sich zuvor mit Büchern über den Dalai Lama oder den vietnamesischen Mönch Thích Nhất Hạnh beschäftigt hat, dessen Gemeinschaft Plum Village auch das Europäische Institut für Angewandten Buddhismus in Waldbröl gegründet hat, findet hier eine Brücke zwischen beiden Welten.

Warum eine Vorbereitung wichtig ist

Stille ist kein Wellnessprogramm. Wer tagelang schweigt, begegnet Gefühlen und Erinnerungen, die im lauten Alltag keinen Platz haben, und das kann ohne Begleitung überwältigend sein. Seriöse Anbieter verlangen deshalb häufig die Teilnahme an einem Informationsabend, bevor sie Plätze für ein Wochenende vergeben. Dort werden Haltung, Ablauf und Rituale erklärt und ausprobiert. Man erfährt dabei auch, ob diese gestalt- und formlose Meditation überhaupt zu einem passt.

Die Zweifel bleiben trotzdem. Hält der Körper bis zu sechs Stunden Sitzen am Tag aus? Lässt sich ein Kopf, der ständig Ideen produziert, überhaupt leeren? Und muss man eigentlich schon an der Rezeption schweigen?

Letzteres beantwortet sich meist von selbst.

Der Ablauf eines Kontemplationswochenendes

Ein typisches Wochenende beginnt mit einem gemeinsamen Abendessen, bei dem noch gesprochen wird. Das Schweigen setzt erst später ein, mit dem Betreten des Meditationsraums. Dort liegen Wollmatten, Sitzkissen, die Zafu heißen, und kleine Meditationsbänke bereit. Vorn steht ein schlichter Altar mit Ikone, Kerze und Blume, vor dem sich alle beim Eintreten verneigen, die Hände in der für Zen typischen Haltung Gassho zusammengelegt.

Verneigt wird sich oft: vor der eigenen Reihe, vor der Gruppe, vor und nach dem Essen, und auch vor und nach den kurzen Schlägen mit dem Kyosaku, dem flachen Holzstab, der verspannte Schultern lockern soll. Ob sie diese Schläge wünschen, entscheiden die Teilnehmenden selbst. Gong, Klanghölzer und Klangschale strukturieren den Tag. Diese Rituale sind kein Selbstzweck. Sie geben einen äußeren Rahmen, in dem sich eine innere Haltung finden lässt, und Anfängern werden alle Abläufe genau erklärt, Fehler inklusive.

Es geht dabei nicht um Entspannung. Gesessen wird im Lotussitz oder im Seiza, geerdet und zugleich aufrecht, mit dem Ziel, ganz im Hier und Jetzt zu sein. Über ein Wochenende kommen so rund zehn Stunden Kontemplation zusammen.

Was die Stille mit Worten macht

Ein überraschender Effekt längeren Schweigens betrifft die Sprache. Wenn tagelang kaum gesprochen wird, bekommt jedes Wort mehr Gewicht. Vorträge über christliche Mystiker wie Johannes vom Kreuz und seine „Dunkle Nacht“ werden dann nicht nur gehört, sondern förmlich aufgesogen. Viele stellen dabei fest, wie gut diese jahrhundertealten Texte in die Gegenwart passen.

Am Ende steht meist eine Abschlussrunde, in der das Schweigen gebrochen wird. Die Stimmen der anderen zu hören, nach Stunden des gemeinsamen Sitzens, gehört zu den stärksten Momenten solcher Wochenenden.

Schweigen unter Wanderern

Das Haus Marienhof in Königswinter, in dem solche Kontemplationswochenenden stattfinden, liegt am Fuß des Siebengebirges, und in der Mittagspause bietet sich ein Aufstieg zum Oelberg an. Dort zeigt sich, wie schwer Schweigen außerhalb des geschützten Raums ist. Wer anderen Wanderern mit gesenktem Kopf ausweicht, um nicht einmal durch ein Nicken zu kommunizieren, merkt schnell, wie recht Paul Watzlawick hatte: „Man kann nicht nicht kommunizieren.“ Ob ein freundliches Nicken die Stille bricht oder zu ihr gehört, darüber lässt sich auf dem Rückweg lange nachdenken, schweigend natürlich.

Häufige Fragen

Was ist das Meditationshaus St. Franziskus in Dietfurt?

Das Meditationshaus St. Franziskus liegt in Dietfurt an der Altmühl in Bayern, im dortigen Franziskanerkloster. Es gehört zu den bekanntesten Orten in Deutschland, an denen Zen-Meditation in einem christlichen Rahmen gelehrt wird, und ist eng mit dem Namen des Jesuiten Hugo Makibi Enomiya-Lassalle verbunden. Das Haus bietet Kurse für Einsteiger und Erfahrene an, das aktuelle Programm steht auf der Website des Hauses.

Was ist christliche Zen-Meditation?

Christliche Zen-Meditation übernimmt die Sitzpraxis des Zen, das stille, gegenstandslose Sitzen im Zazen, und bettet sie in einen christlichen Rahmen ein. Rezitationen, Texte und Gebete stammen aus der christlichen Tradition, etwa von Angelus Silesius oder Johannes vom Kreuz. Beide Wege werden verbunden, ohne sie zu vermischen. Das spricht Menschen an, die die Erfahrungswege Asiens mit ihren eigenen christlichen Wurzeln zusammenbringen möchten.

Was ist ein Kyosaku?

Der Kyosaku, auch Keisaku genannt, ist ein flacher Holzstab, der in Zen-Meditationen verwendet wird. Die Leitung oder eine erfahrene Person gibt damit kurze Schläge auf die Schultermuskulatur, um Verspannungen zu lösen und die Aufmerksamkeit zu wecken. Die Schläge sind kein Strafinstrument. In vielen Gruppen entscheiden die Teilnehmenden selbst, mit einer Verneigung, ob sie sie erhalten möchten.

Braucht man Vorerfahrung für ein Kontemplationswochenende?

Nicht unbedingt, doch viele Anbieter verlangen einen vorherigen Informations- oder Einführungsabend. Dort werden Sitzhaltung, Ablauf und Rituale erklärt und praktisch geübt, und man merkt, ob diese Form der gegenstandslosen Meditation überhaupt passt. Das ist sinnvoll, denn längeres Schweigen kann starke Gefühle auslösen, und eine gute Begleitung hilft, damit umzugehen.

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