Zum Inhalt springen
Lesen·Leben·Lachen

Startseite / Lesen & Leben

Ehrenamt: Danke sagen – Sprüche und warum immer dieselben helfen

Sieben Stunden Standdienst am Projekttag, am Morgen danach das Kuchenbuffet für den Anmeldetag, am Nachmittag eine Sitzung des Schulvereins: An manchen Wochenenden stapeln sich die Termine für Ehrenamtliche so, dass sie sich irgendwann fragen, ob sie einfach zu gutmütig sind, um Nein zu sagen. Und ob die anderen, die sich wieder einmal geschickt herausgehalten haben, nicht vielleicht die Klügeren sind.

Die Antwort ist eindeutig: Die Klügeren sind sie nicht.

Was ohne Ehrenamt fehlen würde

Wer sich klarmacht, was Kinder ohne freiwillige, unbezahlte Arbeit verpassen würden, bekommt einen Eindruck davon, wie viel auf diesen Schultern ruht. Der Sankt-Martins-Umzug, die Vorlesestunde im Kindergarten, der Kindergottesdienst, die Schulbibliothek, das Sommerfest der Grundschule, der Elternstammtisch, der Glühweinstand beim Adventsbasar, das Kuchenbuffet am Tag der offenen Tür – nichts davon gäbe es in der gewohnten Form, wenn sich niemand freiwillig melden würde.

Gleichzeitig wird es spürbar schwerer, Helferinnen und Helfer zu finden. Das hat viel mit veränderten Lebensumständen zu tun. Zu Beginn der 2000er-Jahre waren in vielen Kindergärten nur wenige Mütter berufstätig, manches ließ sich beim Abholen am Mittag auf dem kurzen Dienstweg klären, und zum Basteln, Aufbauen und Abbauen fanden sich genügend Freiwillige. Heute sind viele Kinder schon vor dem dritten Geburtstag in der Kita, oft mit langen Betreuungszeiten. Leitungen von Kindertagesstätten berichten, dass das Engagement der Eltern sich dazu fast umgekehrt verhält. Veranstaltungen fallen aus, weil Helfer fehlen, und die Enttäuschung darüber ist dann bei allen groß.

Von der Grundschule zur weiterführenden Schule

In der Grundschule funktioniert vieles noch über persönliche Kontakte. Eine Schulbücherei, die jeden Mittwochvormittag für rund 250 Kinder öffnet, lässt sich mit einer Handvoll engagierter Mütter, einigen Vätern und zunehmend Großeltern betreiben. Man kennt sich, oft sogar über die Klassen hinweg, und für Feste lässt sich zur Not auch kurzfristig jemand finden. Gerade die Schulbücherei zeigt, wie viel ein kleines Team bewirken kann: Ausleihe, Rückgabe, Reparatur zerlesener Bände und die Auswahl neuer Titel liegen dort oft vollständig in ehrenamtlicher Hand.

In der weiterführenden Schule ändert sich das Bild. Eine Schule mit sechs Zügen und rund 1.400 Schülerinnen und Schülern in 54 Klassen ist ein anderer Kosmos. Die Kinder sind selbstständiger, der Unterricht dauert länger, Eltern begegnen sich kaum noch. Mails der Klassenpflegschaft werden „übersehen“, und wer lange genug wartet, stellt fest, dass jemand anderes den Kuchen gebacken hat.

Die Zahlen sprechen für sich. Bei 1.400 Schülerinnen und Schülern kommen, großzügig abgerundet, etwa 2.000 Eltern zusammen. Im Schulverein engagieren sich davon weniger als zwanzig. Auf ihnen lastet die Organisation von Projekttagen, Cafeteria, Festen und Anschaffungen, und viele von ihnen kennen sich seit Jahren, weil sie schon im Kindergarten dieselben waren, die am Kuchenstand standen.

Warum so wenige mitmachen

Über die Gründe lässt sich lange streiten. Ist die Gesellschaft egoistischer geworden? Fehlt den Menschen tatsächlich die Zeit, oder glauben sie das nur? Informieren Vereine und Gremien zu schlecht? Oder läuft mit den wenigen Aktiven einfach alles noch zu gut, sodass für die anderen gar kein Leidensdruck entsteht?

Ein Gespräch am Rande eines Projekttags liefert einen Hinweis. Fragt man helfende Eltern, ob sie sich eine feste Mitarbeit im Schulverein vorstellen könnten, sieht man oft Abwehr im Gesicht, die Angst, bei so wenigen Aktiven sofort vereinnahmt zu werden. Erklärt man dann, dass nur eine Liste für Engpässe gesucht wird, entspannen sich die meisten sichtlich. Die erleichterten Rückfragen, ob man dann auch einmal absagen dürfe und nicht jedes Mal helfen müsse, zeigen, wo die eigentliche Hürde liegt.

Engagement ohne weitreichende Verpflichtung

Daraus folgt eine praktische Lehre für Schulvereine, Kitas, Kirchengemeinden und Sportvereine. Erstens braucht es bessere Information darüber, was konkret zu tun ist und wie viel Zeit es kostet. Zweitens muss sich die Form der Mitarbeit an die veränderten Lebensumstände anpassen. Ein Helfer-Pool, in den sich Eltern eintragen, ohne Mitglied eines Vorstands zu werden, ist ein einfacher Anfang. Wer weiß, dass er auch Nein sagen darf, sagt öfter Ja.

Wer sich ehrenamtlich engagiert, ist alles andere als dumm. Er geht mit gutem Beispiel voran, und Kinder, die ihre Eltern beim Aufbau des Schulfests sehen, lernen dabei mehr über Gemeinschaft als in mancher Unterrichtsstunde.

Danke sagen, aber richtig

Ein Grund, warum Ehrenamtliche ausbrennen, ist fehlende Anerkennung. Ein pauschales „Danke an alle Helfer“ am Ende eines Elternbriefs erreicht niemanden. Wirksamer ist ein Dank, der benennt, was jemand getan hat, und der zeitnah kommt.

Einige Formulierungen, die sich für Karten, Aushänge oder eine kurze Rede eignen:

  • „Danke für die Stunden, die niemand bezahlt und alle gebraucht haben.“
  • „Ohne euch hätte es dieses Fest nicht gegeben – und ohne euren Kuchen erst recht nicht.“
  • „Ehrenamt ist, wenn jemand Zeit verschenkt, obwohl er selbst keine übrig hat. Danke dafür.“
  • „Ihr habt nicht Nein gesagt. Dafür sagen heute alle Danke.“

Noch besser als jeder Spruch ist ein konkretes Detail: die Zahl der verkauften Waffeln, der Betrag, der für neue Bücher zusammengekommen ist, das Foto der Kinder beim Lesefest. Und wer neue Helferinnen und Helfer gewinnen will, sollte dasselbe tun wie beim Danken: genau sagen, worum es geht und wie lange es dauert. Eine Anfrage für „zwei Stunden Waffelstand am Samstag“ findet schneller Zusagen als die Bitte um „Unterstützung beim Schulfest“.

Häufige Fragen

Wie kann man Ehrenamtlichen Danke sagen?

Am wirksamsten ist ein persönlicher Dank, der konkret benennt, was jemand getan hat: der Kuchen für den Anmeldetag, die sieben Stunden am Stand, die Organisation des Sommerfests. Eine handgeschriebene Karte, eine Erwähnung in der Schulversammlung oder im Newsletter, ein kleines gemeinsames Essen zum Jahresende zeigen Wertschätzung. Wichtiger als ein Geschenk ist, dass der Dank zeitnah kommt und nicht nur immer denselben Personen pauschal gilt.

Welche Sprüche eignen sich, um sich für ehrenamtliche Arbeit zu bedanken?

Gut funktionieren kurze Sätze, die das Engagement würdigen, ohne pathetisch zu werden, etwa „Ohne euch hätte es dieses Fest nicht gegeben“ oder „Danke für die Zeit, die niemand bezahlt und alle gebraucht haben“. Noch besser wirkt ein Spruch, wenn er mit einem konkreten Detail ergänzt wird, zum Beispiel der Zahl der verkauften Waffeln oder der Kinder, die beim Lesefest dabei waren.

Warum engagieren sich immer weniger Menschen ehrenamtlich?

Oft ist nicht fehlende Bereitschaft das Problem, sondern die Angst vor Vereinnahmung. Viele Eltern arbeiten, Kinder sind länger in Betreuung, und wer einmal Ja sagt, fürchtet, künftig für alles zuständig zu sein. Hinzu kommt, dass Informationen in großen Schulen und Vereinen leicht untergehen. Niedrigschwellige Angebote wie ein Helfer-Pool, bei dem man auch absagen darf, senken die Hürde deutlich.

Was ist ein Helfer-Pool?

Ein Helfer-Pool ist eine Liste von Menschen, die grundsätzlich bereit sind, bei Bedarf mitzuhelfen, ohne sich fest an einen Verein oder ein Gremium zu binden. Wird für ein Fest, einen Projekttag oder eine Aktion Unterstützung gebraucht, fragt die Organisation gezielt bei den Eingetragenen nach. Absagen sind ausdrücklich erlaubt. Das entlastet den festen Kern und gibt Neuen einen einfachen Einstieg.

Weiter in Lesen & Leben

Alle Beiträge in Lesen & Leben