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Über Literatur

Wenn „über“ etwas geschrieben wird, setzt man als Leser insgeheim voraus, dass die Verfasserin weiß, wovon sie spricht bzw. schreibt. Vielleicht sollte ich zum besseren Verständnis und zur Abgrenzung gegenüber denjenigen, die wirklich wissen was Literatur ist, noch ein Fragezeichen hinter meine Beitragsüberschrift setzen. Denn tatsächlich gehöre ich eher zu den Unwissenden, die vom Begriff „Literatur“ ehrfürchtig zurückschrecken und sich lieber Buchbloggerin und nicht Literaturbloggerin nennen. Warum eigentlich?

Spurensuche

Die Herkunft des Wortes „Literatur“ liegt in lateinisch litteratura, was soviel wie Buchstabenschrift, das Geschriebene oder auch die Schrift bedeutet. Der Duden schreibt der Literatur folgende Bedeutung zu:[ gesamtes] Schrifttum, veröffentlichte [gedruckte] Schriften. In Wikipedia heißt es darüber hinaus: Die öffentliche Literaturdiskussion und -analyse ist demgegenüber seit dem 19. Jahrhundert auf Werke ausgerichtet, denen besondere Bedeutung als Kunst zugesprochen werden kann, und die man im selben Moment von Trivialliteratur und ähnlichen Werken ohne vergleichbare „literarische“, sprich künstlerische Qualität, abgrenzt. Die Literatur zählt zu den Gattungen der Kunst.

Das gedruckte Wort

Ich bin eine große Bewunderin von Sprache, nicht nur in gedruckter Form. Ich weiß um ihre Kraft und kann durchaus verstehen, dass sie zu den Gattungen der Kunst gehört. Aber schon in der Schule hatte ich meine Probleme mit der Interpretation selbiger. Was wenn der Künstler eines Gemäldes oder die Autorin eines Textes eigentlich etwas ganz anderes gemeint hat als das, was wir als Schüler*innen hinein interpretieren sollten, was wenn sie und er eigentlich sturzbetrunken oder total bekifft waren, als sie ihr Werk schufen? Diese Frage stellte sich damals mein 17-jähriges Ich. Und auch heute geht es mir bisweilen noch so, wenn ich Rezensionen in großen Zeitungen lese, dort wo man als Schriftsteller*in gerne besprochen werden möchte. Da verlieren sich die Journalisten in verschwurbelter Sprache und mich gleich mit. Am Ende weiß ich noch nicht einmal, ob sie mir den Titel gerade empfohlen haben oder mir vom Lesen abraten. Ist das dann eigentlich Literatur über Literatur?

Ist das Kunst oder kann das weg

Ich lese gern, habe weder Literatur noch Germanistik studiert und reihe mich nahtlos in die vermutlich größte Gruppe der heutigen Buchkäufer*innen ein. Ich lese Kinder- und Jugendliteratur mit großer Begeisterung, mag gut geschriebene Unterhaltungsliteratur und wage mich in der Belletristik auch immer wieder an sogenannte literarische Titel jenseits des Mainstreams heran. In all diesen Bereichen findet man Geschichten, die einen verzaubern, die zeigen, wie kunstvoll und verständlich man mit Sprache spielen kann, wie Inhalte meine Vorstellungskraft in Gang setzen und mitunter auch mein Herz erreichen. Und es gibt eben Titel, bei denen geht es mir wie dem Hausmeister der Kunstakademie in Düsseldorf, der die Fettecke von Joseph Beuys entfernte und damit den Ausdruck „Ist das Kunst oder kann das weg?“ prägte. Manche Geschichten erschließen sich mir eben einfach nicht, vermutlich weil ich nicht die geeignete Leserin dafür bin, vielleicht weil der Intellekt nicht reicht oder ich eben nicht genug geraucht habe. Oder es ist eben einfach so wie mit den Oliven, sie sehen gut aus, werden von vielen geliebt, ich mag sie zum Verrecken nicht.

Und was ist jetzt Literatur?

Ich glaube, dass Literatur in vielen Texten steckt, ein Kinderbuch eines unbekannten Autors kann genauso literarisch sein wie ein Werk einer namhaften und preisgekrönten Autorin. Sicherlich kann man Literatur auch mit gekonnter Analyse auf die Spur kommen, aber am Ende – glaube ich – entscheidet die Leserin oder der Leser, was für sie oder ihn Literatur bedeutet. Für mich ist Literatur etwas, was in mir nachhallt, wie ein guter Wein, den ich noch lange im Mund schmecke. Manchmal liegt es aber auch daran, dass mich eine Geschichte einfach genau zum richtigen Zeitpunkt erreicht, als hätte sie wie ein guter Freund an der Ecke gewartet, um mich ein Stück meines Weges zu begleiten. Das alles vermag Literatur. Das alles ist Literatur. Jedenfalls für mich.

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