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Yoga im Kloster: Tai Chi, Yoga und Entspannung im Zentrum Waldbröl
Um 5.30 Uhr klingelt der Wecker, um 6 Uhr stehen die Kursgäste schweigend in der großen Halle und beginnen mit Tai Chi. Gesprochen wird nicht, denn das Edle Schweigen gilt von 21.30 Uhr am Vorabend bis nach dem Frühstück gegen 8 Uhr. So begann im Januar 2015 der erste Morgen eines Wochenendkurses mit dem Titel „Kraft schöpfen durch Tai Chi, Yoga und Entspannung“ im Europäischen Institut für Angewandten Buddhismus in Waldbröl.
Ein Kloster im Oberbergischen
Waldbröl liegt im Oberbergischen Kreis, rund 70 Kilometer von Solingen entfernt. Dass es dort ein buddhistisches Kloster gibt, überrascht viele, die aus dem Bergischen Land kommen. Gegründet wurde das Institut 2008 von Thích Nhất Hạnh, dem vietnamesischen Zen-Mönch, der mit seinen Büchern über Achtsamkeit weltweit bekannt wurde. Bereits 1982 hatte er in Südwestfrankreich das Kloster Plum Village gegründet, das zum Zentrum seiner Tradition wurde. Thích Nhất Hạnh starb 2022 in Vietnam.
Viele Menschen stoßen über Bücher, Radiobeiträge oder Vorträge auf das Thema. Im WDR 2 berichtete Georg Lolos in der Reihe Sonntagsfragen über einen Aufenthalt in Plum Village, der sein Leben verändert habe. Wer danach sucht, wo man eine solche Erfahrung näher an zu Hause machen kann, landet schnell in Waldbröl.
Der Schock der Stille
Die erste Begegnung mit dem Klosteralltag fällt vielen schwerer als erwartet. Die Zimmer sind einfach und sauber, die Mönche und Nonnen freundlich und zurückhaltend, und das Leben läuft langsam. Mahlzeiten werden in Gemeinschaft, aber in vollkommener Stille eingenommen. Sprachbarrieren kommen hinzu, weil viele Ordensmitglieder aus Vietnam stammen.
Wer aus einem vollen Alltag direkt dorthin fährt, erlebt das wie eine Vollbremsung auf der Autobahn. Der Körper steckt im gestrafften Gurt, der Kopf ist noch auf Tempo. Nicht wenige denken in diesem Moment ans Abreisen, obwohl sie genau diese Ruhe gesucht haben.
Das Ankommen gelingt meist mit der offiziellen Begrüßung am ersten Abend. Im Januar 2015 empfingen die Kursleiterin Saraswati Klaudia Feltens und die Nonnen Schwester Triết Nghiêm und Schwester Phổ Nghiêm die Gruppe und erklärten die Abläufe: die Glocke der Achtsamkeit, die Gehmeditation, die Sitzmeditation und die Essmeditation. Nach ersten Übungen und einer ruhigen Nacht sieht vieles schon anders aus.
Der Tagesablauf
Wer an einem Kurs teilnimmt, wird für diese Zeit Teil der Sangha, der Gemeinschaft des Klosters. Das hat zwei Seiten. Man fühlt sich vom ersten Moment an aufgenommen und nicht als Fremdkörper. Man bleibt aber auch nicht im Bett liegen, während Mönche und Nonnen längst ihrem Tag nachgehen.
Das Klosterleben beginnt früh.
Nach dem Tai Chi am frühen Morgen folgt eine Sitzmeditation. Dass ruhige, fließende Bewegungen belebend und stellenweise richtig anstrengend sein können, überrascht viele Anfänger. Im Lauf des Tages wechseln Yoga, Gehmeditation und Pausen. Einer der eindrücklichsten Programmpunkte ist oft die Tiefenentspannung am Nachmittag. Die Teilnehmenden liegen auf weichen Unterlagen und werden in einen Zustand geführt, der zwischen Wachsein und Schlaf liegt. Nicht allen gelingt es, wach zu bleiben, was sich im Raum gelegentlich hörbar macht.
Immer wieder ertönt die Glocke der Achtsamkeit. Wenn sie klingt, halten alle inne, atmen bewusst und kehren dann zu dem zurück, was sie gerade taten. Das wirkt zunächst ungewohnt und wird schnell zu einem Moment, auf den man sich freut.
Veganes Essen aus einer winzigen Küche
Die Mahlzeiten im EIAB sind vegan. Im Jahr 2015 kochten Mönche und Nonnen in einer Küche von gerade einmal zwölf Quadratmetern für die Ordensgemeinschaft und alle Kursgäste. Das Essen war einfach und dennoch überraschend geschmackvoll, und besonders der Tofu, in immer neuen Varianten zubereitet, beeindruckte viele, die ihn bis dahin eher gemieden hatten.
Gegessen wird langsam und schweigend. Die Essmeditation lädt dazu ein, jeden Bissen bewusst wahrzunehmen, statt nebenbei zu essen. Wer das einmal ausprobiert hat, merkt, wie selten das im Alltag geschieht, in dem nebenher gelesen, telefoniert oder auf den Bildschirm geschaut wird. Schon eine einzige schweigende Mahlzeit schärft den Geschmack erstaunlich.
Was von einem Wochenende bleibt
Die größte Überraschung ist bei vielen, wie Stille auf Körper und Gedanken wirkt. Am ersten Tag fühlt sie sich unbequem an, am zweiten stellt sich eine Grundruhe ein, in der die Gedanken freundlicher werden. Wer aus einem besonders hektischen Alltag kommt oder schwere Sorgen mitbringt, braucht dafür möglicherweise länger als ein Wochenende.
Mitnehmen lassen sich kleine Rituale. Eine Glocke der Achtsamkeit kann auch im Büro oder in der Küche klingen, etwa als Handy-Erinnerung. Ein paar Minuten Sitzmeditation am Morgen, eine schweigend eingenommene Mahlzeit pro Woche oder ein Spaziergang als Gehmeditation übertragen etwas vom Klosteralltag nach Hause.
Das Institut stellt auf seiner Website Grundlagen der Praxis vor, darunter Gehmeditation, Sitzmeditation und die Glocke der Achtsamkeit. Wer einen Kurs plant, findet dort auch das aktuelle Programm.
Im Januar 2015 lag Schnee auf dem Gelände, auch auf der Buddha-Figur am Stupa, die ihn mit sichtbarer Gelassenheit trug.
Häufige Fragen
Was ist das buddhistische Zentrum in Waldbröl?
In Waldbröl im Oberbergischen Kreis liegt das Europäische Institut für Angewandten Buddhismus, kurz EIAB. Der vietnamesische Zen-Meister Thích Nhất Hạnh gründete es 2008. Mönche und Nonnen seiner Tradition leben dort als Gemeinschaft, und Gäste können an Kursen und Retreats teilnehmen, etwa zu Meditation, Achtsamkeit, Tai Chi oder Yoga. Das aktuelle Programm veröffentlicht das Institut auf seiner Website.
Wie läuft ein Tag im buddhistischen Kloster ab?
Der Tag beginnt früh, oft gegen halb sechs, mit Bewegung wie Tai Chi und anschließender Sitzmeditation. Von 21.30 Uhr am Abend bis nach dem Frühstück gilt das Edle Schweigen, in dem nicht gesprochen wird. Mahlzeiten werden gemeinsam und in Stille eingenommen. Tagsüber wechseln Kurseinheiten, Gehmeditation, Vorträge und Ruhephasen. Eine Glocke der Achtsamkeit erinnert immer wieder daran, innezuhalten und bewusst zu atmen.
Kann man im Kloster Yoga machen, ohne Buddhist zu sein?
Ja. Kurse in buddhistischen Zentren wie dem EIAB stehen in der Regel allen offen, unabhängig von Religion oder Vorerfahrung. Wer teilnimmt, wird für die Dauer des Aufenthalts Teil der Gemeinschaft, der Sangha, und folgt ihrem Tagesablauf. Erwartet wird Respekt vor den Regeln des Hauses, etwa beim Schweigen und bei den Mahlzeiten, aber kein Bekenntnis. Viele Gäste kommen einfach, um zur Ruhe zu kommen.
Welches Essen gibt es im buddhistischen Kloster?
In Klöstern der Tradition von Thích Nhất Hạnh wird in der Regel vegan gekocht. Im EIAB bereiteten Mönche und Nonnen die Mahlzeiten 2015 in einer sehr kleinen Küche für die Gemeinschaft und die Kursgäste zu. Das Essen ist einfach, aber sorgfältig gewürzt, und Tofu kommt in vielen Varianten auf den Tisch. Gegessen wird schweigend und langsam, als eigene Form der Meditation.
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