Michael Ende: Bücher und die „Unendliche Geschichte“ im Stil von 1979
Ein Junge stiehlt in einem Antiquariat ein Buch, versteckt sich damit auf dem Dachboden seiner Schule und liest, während draußen der Regen fällt. Bastian Balthasar Bux heißt er, das Buch trägt den Titel „Die unendliche Geschichte“, und irgendwann merkt er, dass die Figuren darin auf ihn warten. Michael Ende hat diese Szene 1979 veröffentlicht.
Sie ist bis heute der Einstieg in einen der meistgelesenen deutschen Romane des 20. Jahrhunderts.
Am 12. November 2014 wäre Ende 85 Jahre alt geworden, und der Roman feierte sein 35-jähriges Jubiläum. Der Thienemann Verlag nahm das zum Anlass für eine Sonderausgabe, die sich genau an der Erstausgabe orientiert.
Die Sonderausgabe im Stil von 1979
Ende hatte sich für sein umfangreichstes Werk eine besondere Ausstattung gewünscht, und der Verlag erfüllte ihm diesen Wunsch. Die Buchgestalterin Roswitha Quadflieg entwickelte dafür ein Konzept, das den Inhalt sichtbar macht: Der Text ist zweifarbig gedruckt, in Rot für die Handlung in der Menschenwelt und in Grün für die Kapitel in Phantásien. Wer das Buch aufschlägt, weiß also schon an der Farbe, auf welcher Seite der Grenze er sich befindet. Dazu kommen 26 prachtvolle, ornamental gestaltete Initialen, eine für jedes Kapitel, in alphabetischer Reihenfolge von A bis Z.
Etwa zehn Jahre lang war das Buch in dieser Ausstattung nicht lieferbar gewesen. Die Jubiläumsausgabe von 2014 griff die Details der Erstausgabe wieder auf; sie erschien im Thienemann Verlag unter der ISBN 978-3-522-20203-9 zum damaligen Preis von 24,99 Euro. Für Sammler und für alle, die den Roman zum ersten Mal verschenken wollen, ist diese Fassung die naheliegende Wahl, denn in einer schlichten Taschenbuchausgabe geht ein Teil dessen verloren, was Ende mit dem Buch als Gegenstand im Sinn hatte. Im Roman selbst ist Bastians Buch in kupferfarbene Seide gebunden, auf dem Deckel zwei Schlangen, die einander in den Schwanz beißen.
Ein Roman über das Lesen
„Die unendliche Geschichte“ ist ein Roman über die Kunst des Erzählens und über das Wechselspiel zwischen Buch und Leser. Die Idee dazu fand Ende 1977 auf einem Zettel, auf dem er Bucheinfälle notiert hatte, darunter: „Ein Junge gerät beim Lesen einer Geschichte buchstäblich in die Geschichte hinein und findet nur schwer wieder heraus.“ Nach Darstellung von Roman Hocke, seinem langjährigen Freund und Lektor, zweifelte Ende anfangs, ob der Einfall für etwa hundert Seiten reichen würde. Dann wuchs ihm der Stoff unter den Händen. Knapp drei Jahre arbeitete er an dem Buch.
Die Handlung teilt sich in zwei Hälften. In der ersten verfolgt Bastian lesend, wie der junge Krieger Atréju durch Phantásien zieht, um ein Heilmittel für die todkranke Kindliche Kaiserin zu finden, während das Nichts das Land verschlingt. In der zweiten betritt Bastian Phantásien selbst, bekommt mit dem Amulett AURYN die Macht, Wünsche wahr werden zu lassen, und verliert mit jedem erfüllten Wunsch eine Erinnerung an seine eigene Welt. Die zweite Hälfte ist dunkler und schwieriger, und sie ist der Grund, weshalb der Roman auch Erwachsene nicht loslässt.
Der Erfolg nach 1979
Der Roman erschien im August 1979 bei Thienemann, und schon im September wurde die zweite Auflage gedruckt. 113 Wochen stand er auf der SPIEGEL-Bestsellerliste. Übersetzt wurde er in mehr als 40 Sprachen, sogar ins Esperanto, und bis 2014 verkaufte er sich weltweit rund neun Millionen Mal. Leser, Buchhändler und Kritiker reagierten gleichermaßen begeistert, und das Buch wurde mehrfach im In- und Ausland ausgezeichnet.
1984 verfilmte Wolfgang Petersen die Geschichte. Der Film machte den Glücksdrachen Fuchur weltberühmt, erzählte aber nur die erste Hälfte des Romans, was Ende bekanntlich missfiel.
Die Bücher von Michael Ende im Überblick
Michael Ende wurde 1929 in Garmisch-Partenkirchen geboren, als Sohn des surrealistischen Malers Edgar Ende, und starb 1995. Seinen Durchbruch erlebte er 1960 mit „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“, der Geschichte eines Findelkinds, das mit einem Paket auf der Insel Lummerland ankommt und mit Lukas und der Lokomotive Emma auf Abenteuerfahrt geht. Die Fortsetzung „Jim Knopf und die Wilde 13“ folgte zwei Jahre später, und die Augsburger Puppenkiste machte beide Bücher für Generationen von Fernsehkindern unvergesslich.
1973 erschien „Momo“, ein Märchenroman über ein Mädchen, das den grauen Herren die gestohlene Zeit der Menschen zurückholt. 1979 folgte „Die unendliche Geschichte“, 1989 „Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch“, in dem ein Zauberer und seine Tante in der Silvesternacht mit einem Punsch das Böse in die Welt bringen wollen und von einem Kater und einem Raben gestört werden. Diese vier Werke gehören zum festen Kanon der deutschen Kinder- und Jugendliteratur.
Ende war ungewöhnlich vielseitig. Neben Kinder- und Jugendbüchern schrieb er poetische Bilderbuchtexte, Theaterstücke, Gedichte und Bücher für Erwachsene. Viele seiner Werke wurden verfilmt oder für Hörfunk und Fernsehen bearbeitet, seine Bücher erreichten in mehr als 40 Sprachen eine Gesamtauflage von über 35 Millionen Exemplaren, und er erhielt zahlreiche deutsche und internationale Preise.
Wer Endes Werk zum ersten Mal entdeckt, beginnt meist mit Jim Knopf. Eine andere Reihenfolge wäre denkbar: mit „Momo“ und dann, ein paar Jahre später, mit der „Unendlichen Geschichte“ in Rot und Grün, deren Initialen von A bis Z ein Muster bilden, das beim ersten Lesen leicht übersehen wird.
Häufige Fragen
Welche Bücher von Michael Ende sind die bekanntesten?
Die vier bekanntesten Bücher von Michael Ende sind „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ (1960) mit der Fortsetzung „Jim Knopf und die Wilde 13“, der Märchenroman „Momo“ (1973), „Die unendliche Geschichte“ (1979) und „Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch“ (1989). Daneben schrieb Ende Bilderbuchtexte, Theaterstücke, Gedichte und Bücher für Erwachsene. Seine Werke wurden in mehr als 40 Sprachen übersetzt und erreichten eine Gesamtauflage von über 35 Millionen Exemplaren.
Wie unterscheidet sich die Sonderausgabe der „Unendlichen Geschichte“ von anderen Ausgaben?
Die Sonderausgabe von 2014 übernimmt die Ausstattung der Originalausgabe von 1979, die zuvor rund zehn Jahre lang nicht lieferbar war. Der Text ist zweifarbig gedruckt: Rot für die Handlung in der Menschenwelt, Grün für die Kapitel in Phantásien. Jedes der 26 Kapitel beginnt mit einer ornamentalen Initiale, in alphabetischer Folge von A bis Z. Die Gestaltung stammt von der Buchgestalterin Roswitha Quadflieg. Erschienen ist sie im Thienemann Verlag unter der ISBN 978-3-522-20203-9.
Wann erschien „Die unendliche Geschichte“ zum ersten Mal?
Der Roman erschien im August 1979 im Stuttgarter Thienemann Verlag. Schon im September musste die zweite Auflage nachgedruckt werden. Das Buch stand 113 Wochen auf der SPIEGEL-Bestsellerliste, wurde in mehr als 40 Sprachen übersetzt, darunter Esperanto, und bis 2014 rund neun Millionen Mal verkauft. Michael Ende hatte knapp drei Jahre daran gearbeitet. 1984 kam die Verfilmung von Wolfgang Petersen in die Kinos.
Wie kam Michael Ende auf die Idee zur „Unendlichen Geschichte“?
Die Idee stammte von einem Zettel, auf dem Ende Einfälle für Bücher gesammelt hatte. Dort stand sinngemäß, dass ein Junge beim Lesen buchstäblich in eine Geschichte hineingerät und nur schwer wieder herausfindet. 1977 holte Ende den Zettel wieder hervor. Nach Auskunft seines langjährigen Freundes und Lektors Roman Hocke rechnete er zunächst mit etwa 100 Seiten und zweifelte, ob der Stoff dafür reiche. Dann wuchs die Geschichte weit darüber hinaus.
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