Fotos im Social Web prüfen: wie sich zeigt, ob ein Bild echt ist
Die Frau hält eine Deutschlandflagge, und sie sticht so deutlich aus der Menge hervor, dass es fast zu gut aussieht. Niemand in ihrer Umgebung wendet sich ihr zu. Als das Foto im Juli 2014 auf Twitter die Runde machte und viele Likes sammelte, lag der Verdacht nahe, dass hier jemand mit einem Bildbearbeitungsprogramm nachgeholfen hatte.
Warum Misstrauen berechtigt ist
Bilder im Netz sind selten so unschuldig, wie sie wirken. Mit gängiger Software lassen sich Personen einfügen, Farben verstärken oder störende Details entfernen. Und selbst ein unbearbeitetes Foto kann täuschen, wenn nur ein Ausschnitt gezeigt wird, der eine ganz andere Deutung zulässt als das vollständige Bild. Gerade Aufnahmen, die ungewöhnlich viele Reaktionen erhalten, sind oft inszeniert, montiert oder aus dem Zusammenhang gerissen.
Wer eigene Fotos teilt, umgeht das Problem und muss sich zudem keine Gedanken über fremde Bildrechte machen. Bei fremden Bildern hilft nur Nachforschen.
Der Weg zur Quelle
Im Fall des Flaggenfotos führte die Spur über mehrere Stationen. Ein Weiterverbreiter nannte als Ursprung den verifizierten Account von Alex Ogle, einem AFP-Fotojournalisten in Hongkong. Dieser schrieb das Bild seinerseits dem Fotografen Ian Langsdon von der European Pressphoto Agency (EPA) zu. Auf dessen eigenen Kanälen fand sich keine Erklärung, also blieb der direkteste Weg: eine Anfrage beim Fotografen selbst.
Die Antwort kam innerhalb weniger Stunden, freundlich und ausführlich. Das Foto war echt, unbearbeitet und genau so entstanden, wie es aussah.
Der Verdacht war falsch gewesen.
Was sich daraus lernen lässt
Die Recherche folgte einem Muster, das sich für jedes zweifelhafte Bild eignet. Zuerst nach dem frühesten Auftauchen suchen, etwa über eine umgekehrte Bildersuche. Dann die genannten Urheber prüfen: Gibt es einen verifizierten Account, eine Agentur, eine eigene Website? Bildunterschriften von Agenturen nennen in der Regel Fotograf, Ort und Datum. Und wenn Zweifel bleiben, lohnt die direkte Nachfrage, die öfter beantwortet wird, als viele erwarten.
Der Fall zeigt zugleich die Kehrseite. Wer so viele manipulierte Bilder gesehen hat, traut irgendwann auch der Wirklichkeit nicht mehr. Eine gesunde Skepsis schützt vor Fälschungen, eine übertriebene macht blind für echte Momente, in denen ein Fotograf schlicht zur richtigen Zeit am richtigen Ort stand.
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