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Entschleunigung in der Buchwelt: wenn Herbstvorschauen im April kommen

Am 25. April 2014 lagen die ersten Vorschauen für das Herbstprogramm im Briefkasten einer Kinderbuchredaktion, die Kataloge des Egmont-Verlags.

Es war kaum Frühling, und innerhalb weniger Wochen wuchs der Stapel auf beachtliche Höhe.

Ein Wettlauf um Aufmerksamkeit

Vorschauen sind für Verlage ein zentrales Werkzeug. Sie stellen dem Buchhandel und der Presse die kommenden Titel vor, damit Buchhandlungen bestellen und Redaktionen planen können. In den Jahren vor 2014 schien sich ihr Versand jedoch immer weiter nach vorn zu verschieben. Kamen die Herbstkataloge einige Jahre zuvor im Juni oder Juli, trafen sie nun schon im April ein. Es wirkte, als sei ein Wettbewerb darum entbrannt, wer zuerst im Handel und bei der Presse liegt.

Was das für Bücher bedeutet

Das Problem liegt im Timing. Viele Frühjahrsneuerscheinungen waren im April noch gar nicht ausgeliefert, geschweige denn besprochen. Zugleich sollen neue Vorschauen Begehrlichkeiten wecken, und damit wird das eben erst erschienene Programm in den Augen von Handel und Presse schon wieder zum Schnee von gestern.

Allein im Kinder- und Jugendbuch erschienen damals jedes Jahr rund 8.000 Neuerscheinungen. Viele Bücher brauchen Zeit, um in dieser Menge überhaupt bemerkt zu werden, durch Mundpropaganda, Empfehlungen in Buchhandlungen oder Besprechungen, die Wochen nach dem Erscheinen kommen. Wenn die Verlage parallel bereits für das nächste Halbjahr werben, bleibt dafür kaum Raum.

Die Branche und die Lesekultur

Oft wird der Verfall der Lesekultur beklagt. Ein Teil der Ursache könnte in der Branche selbst liegen, wenn sie Bücher in immer kürzeren Abständen auf den Markt bringt und Literatur dadurch zum Wegwerfprodukt macht.

Die Kritik kam 2014 nicht nur aus Redaktionen. Die Berliner Illustratorin Judith Drews äußerte sich auf Facebook sehr kritisch zum Thema. Fast gleichzeitig machte der Autor Kai Meyer dort schon Werbung für sein nächstes Buch, obwohl sein Roman „Phantasmen“ erst Mitte März erschienen war. Dass er damit unfreiwillig ein Beispiel für genau dieses Tempo lieferte, zeigt, wie selbstverständlich es geworden war.

Ob längere Abstände zwischen den Programmen oder ein bewusst späterer Versand der Vorschauen etwas ändern würden, ist offen. Einen Vorteil hätte es sicher: Rezensentinnen könnten die Bücher des Frühjahrs noch lesen, bevor der Herbst angekündigt wird.

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