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Kai Lüftner und „Branche ohne Wert“: der offene Brief von 2014

Als bekannt wurde, dass ein Kinderbuchautor in eine große deutsche Talkshow eingeladen war, reagierten erfahrene Pressesprecherinnen und Pressesprecher von Verlagen fast fassungslos. Die Episode gehört zu den Beobachtungen, die Kai Lüftner in einem offenen Brief festhielt, den er im Mai 2014 auf seiner Facebook-Seite „Kai Lüftner – Kreativitäter“ unter dem Titel „Das große Klein-Gemache oder: eine Branche ohne Wert!“ veröffentlichte. Kurz zuvor, am 21. Mai 2014, war er zu Gast bei Markus Lanz im ZDF.

Wer Kai Lüftner ist

Der Berliner Autor war vor seiner Arbeit für Kinder unter anderem im Hörbuchbereich, als Texter für Comedy- und Fernsehproduktionen sowie als Redakteur für Radio und Print tätig. Bekannt wurde er mit Büchern wie „Die Milchpiraten“, das 2013 in den Leipziger Lesekompass aufgenommen wurde. Neben Büchern veröffentlicht er Hörbücher und Musik für Kinder; weitere Informationen stehen auf seiner Website.

Die Kernpunkte des Briefes

Lüftner beschrieb eine paradoxe Lage. Er habe mehrere Bücher bei verschiedenen Verlagen, Preise, Auslandslizenzen und Planungssicherheit für die nächsten Jahre – und verdiene dennoch weniger als in jedem seiner vorherigen Jobs. Daraus leitete er die Frage ab, welchen Wert eine Arbeit habe, die so schlecht bezahlt werde.

Zweiter Punkt war die Sichtbarkeit. Prominente mit einer Biografie oder einem Ratgeber würden durch alle Talkshows gereicht, während Kinderbuchautoren schon für einen Auftritt im regionalen Fernsehen dankbar seien. Die großen Namen des Kinderbuchs – Michael Ende, Astrid Lindgren, Paul Maar, Otfried Preußler, James Krüss, Erich Kästner – stammten aus einer anderen Zeit. Selbst heutige Erfolgsautorinnen und -autoren wie Cornelia Funke, Kirsten Boie oder Andreas Steinhöfel seien in der Öffentlichkeit kaum bekannte Gesichter, während Preisträger des Jugendliteraturpreises ihren Lebensunterhalt oft mit Lesereisen, Workshops oder Sprecherjobs sichern müssten.

Den dritten Punkt richtete Lüftner an die eigene Zunft. Viele Autorinnen und Autoren nähmen sinkende Prozente, halbierte Vorschüsse und die pauschale Abtretung von Rechten für noch unbekannte Nutzungsarten hin, ohne zu verhandeln. Er schilderte, wie ein großer Verlag irritiert reagierte, als er einen Vertrag nach anwaltlicher Prüfung mehrfach mit Änderungswünschen zurückschickte, etwa um die Hörbuchrechte zu behalten. Seine Schlussfolgerung: „Die Verlage brauchen uns mehr, als wir die Verlage.“

Der Kontext

Der Brief stand in einer Reihe von Debatten über den Stellenwert des Kinderbuchs. Kurz zuvor hatte das NDR Kulturjournal unter dem Titel „Erfolgreich, aber arm“ über die Einkommenssituation von Kinderbuchautoren berichtet, unter anderem mit der Autorin Antje Herden; Lüftner verwies selbst auf den Beitrag des NDR. Auch der Rückzug der Kinderbuchkritik aus Feuilletons großer Zeitungen war immer wieder Thema; einen Überblick über ältere Branchendebatten sammelte der Buchmarkt.

Der Brief endete mit einem Appell an die Kolleginnen und Kollegen, sich nicht unter Wert zu verkaufen und mit Verlagen als gleichberechtigte Partner zu arbeiten.

Eine seiner Beobachtungen ist bis heute leicht zu überprüfen: Wie viele Sendungen über Kinderliteratur zeigt das deutsche Fernsehen in einer gewöhnlichen Woche?

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