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Applaus für Bloggerseelen: warum „Gefällt mir“ mehr ist als ein Klick

„Der Applaus ist der schönste Lohn“, heißt es am Theater, und jeder weiß, dass niemand davon allein leben kann. Trotzdem gibt es für Menschen auf einer Bühne kaum etwas Schlimmeres als Stille nach dem letzten Satz. Im Netz ist das nicht anders, nur klatscht dort niemand in die Hände.

Digitaler Applaus

In sozialen Netzwerken hat sich der Beifall in Klicks verwandelt. Auf Facebook heißt er „Gefällt mir“, auf Twitter war es 2014 noch das Sternchen, der Fav. Beides sagt dasselbe: gelesen, für gut befunden. Oft fehlt die Zeit für einen Kommentar, und manche Beiträge brauchen auch keinen. Ein Klick genügt, um zu zeigen, dass jemand da war.

Für Blogs war diese Form der Rückmeldung 2014 nicht selbstverständlich. Wer mit WordPress schrieb, konnte „Gefällt mir“-Funktionen und Teilen-Buttons über Plugins einbinden, doch viele Blogs verzichteten darauf. Leserinnen und Leser, die nur kurz Zustimmung signalisieren wollten, standen dann vor der Wahl zwischen einem Kommentar und gar nichts, und meist wurde es gar nichts.

Die Lücke zwischen Aufruf und Echo

Blogstatistiken machen sichtbar, was sonst verborgen bliebe. Ein Beitrag, der zwei- oder dreihundertmal aufgerufen wird, erreicht mehr Menschen als mancher Vortrag. Wenn darauf aber keine einzige Reaktion folgt, entsteht bei den Schreibenden leicht der Eindruck, ins Leere zu sprechen. Das hat weniger mit Eitelkeit zu tun als mit dem Bedürfnis, zu wissen, ob ein Text angekommen ist.

In jedem Blogbeitrag steckt Arbeit, auch in dem, der unscheinbar daherkommt: Recherche, Fotos, Formulierungen, das Korrigieren. Ein Like kostet die Lesenden eine Sekunde und gibt den Schreibenden ein Signal, dass sich diese Arbeit gelohnt hat.

Was daraus wurde

In den Jahren danach verlagerte sich ein großer Teil der Rückmeldung von den Blogs in die Netzwerke. Beiträge wurden auf Facebook, Twitter und später Instagram geteilt und dort gelikt und kommentiert, während die Kommentarspalten unter den Blogtexten leiser wurden.

Die Frage, ob ein Klick einen Kommentar ersetzen kann, ist bis heute nicht entschieden.

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