Impress und Instant Books: wie Carlsen 2013 E-Book-Imprints startete
Zwischen 1,99 und 4,99 Euro sollten die E-Books kosten, mit denen der Carlsen Verlag im Sommer 2013 ein neues Geschäftsfeld erschloss. Am 15. Juli 2013 gab das Hamburger Haus bekannt, zwei Imprints ausschließlich für digitale Bücher zu gründen: Impress und Instant Books.
Zwei Programme, zwei Zielgruppen
Impress richtete sich an Jugendliche und junge Erwachsene. Der Schwerpunkt lag auf gefühlsbetonter Fantasy, insbesondere auf den Spielarten, die im Buchhandel als Romantasy und Paranormal Romance bezeichnet werden. Instant Books zielte dagegen auf erwachsene Leserinnen und Leser, die kurze, unterhaltsame Lektüre mit Spannung oder Liebesgeschichte suchten.
Beide Imprints starteten mit jeweils zehn Titeln. Danach sollten monatlich bis zu fünf weitere pro Programm folgen. Die Bücher erschienen in den Formaten ePub und Mobipocket und wurden über die gängigen digitalen Vertriebsplattformen angeboten.
Die Preisspanne lag bewusst in einem Bereich, in dem ein Kauf kaum noch Überlegung verlangt.
Antwort auf das Selfpublishing
Carlsen verstand die Imprints ausdrücklich als Reaktion auf den wachsenden Markt selbst verlegter E-Books. Der Unterschied sollte in der Qualität liegen: Die Autorinnen und Autoren erhielten Lektorat und eine professionelle Gestaltung ihrer Bücher, dazu Unterstützung beim Marketing. Das Konzept setzte auf direkten Kontakt zwischen Schreibenden und Lesenden. Der Verlag stellte Marketing-Module bereit, mit denen die Autoren über soziale Netzwerke eine eigene Fangemeinde aufbauen und pflegen konnten.
Verlegerin Renate Herre nannte als Schwerpunkte des Konzepts „Qualität, Flexibilität und Fanmanagement“. Leserinnen und Leser sollten ohne Umwege Nähe zu ihren Lieblingsautoren aufbauen können, und Carlsen beanspruchte für sich, als erster Verlag in diesem Bereich neue Wege zu gehen.
Ein Plakat für den Buchhandel
Auch der stationäre Buchhandel sollte am E-Book-Geschäft teilhaben. Dafür entwickelte Carlsen ein „digitales Bücherregal“: ein Plakat mit den Covern der E-Books und QR-Codes, die direkt auf die Website der jeweiligen Buchhandlung führten. Die Codes wurden für jede teilnehmende Buchhandlung individuell angelegt, Interessierte konnten sich an ihre Verlagsvertretung wenden.
Die Idee, einen Laden mit Regalen für ein Produkt ohne Papier werben zu lassen, wirkt aus heutiger Sicht fast rührend. Sie zeigt aber, wie sehr Verlage 2013 nach einer Rolle für den Buchhandel im digitalen Verkauf suchten. Impress blieb als Label für Romantasy im E-Book-Format bestehen – ob das digitale Bücherregal je in nennenswerter Zahl in Schaufenstern hing, ist dagegen kaum dokumentiert.
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