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Constanze von Kitzing: die Kölner Illustratorin, Stil und Technik

Ein Blatt Acrylpapier, grundiert in einem warmen Ockerton, darauf eine mit Graphit durchgepauste Linie: So sieht eine Seite von Constanze von Kitzing aus, bevor die erste Farbe kommt. Die Kölner Illustratorin malt ihre Bilderbücher in mehreren Lagen und lässt den strukturierten Grund an vielen Stellen durchscheinen. Das Ergebnis erkennt man auf den ersten Blick wieder, und genau das hat sie sich über Jahre erarbeitet.

Werdegang zwischen Heidelberg, Weimar und Hamburg

Der Weg zum Bilderbuch begann früh. Constanze von Kitzing wuchs mit fünf jüngeren Geschwistern auf, abends wurde vorgelesen, und aus dieser Gewohnheit entstand der Wunsch, eines Tages ein eigenes Buch zu gestalten. Zehn Jahre lang besuchte sie die Jugendkunstschule in Heidelberg. Nach dem Abitur verbrachte sie ein freiwilliges soziales Jahr in Südafrika und studierte anschließend Visuelle Kommunikation, zuerst in Weimar, dann in den USA und schließlich in Hamburg.

Es folgte ein Jahr bei der Titelbildredaktion des Spiegel. Diese Zeit machte ihr zwei Dinge klar: Sie wollte selbstständig arbeiten, und ihr Publikum waren Kinder. Seitdem entstanden Bilderbücher, Schulbuchillustrationen, Poster und CD-Cover. Ab 2011 unterrichtete sie zusätzlich an der WAM Medienakademie in Dortmund, ab 2013 an der Fachhochschule Münster.

Arbeitstage ohne festes Muster

Einen typischen Arbeitstag gibt es in diesem Beruf kaum, er richtet sich nach den Lebensumständen. Vor der Geburt ihres ersten Kindes begann Constanze von Kitzing eher spät, gegen elf Uhr, und blieb dafür oft bis zehn Uhr abends mit wenigen Pausen am Schreibtisch. Mit Kind verschob sich alles nach vorn: Gearbeitet wird, sobald die Tochter bei der Tagesmutter ist, Feierabend ist beim Abholen. Der Tag beginnt meist mit dem, was Selbstständige kennen, also E-Mails, Akquise und Verwaltung im Netz. Erst danach wird gemalt. Dieser Teil der Arbeit bleibt in den fertigen Büchern unsichtbar und frisst doch einen erheblichen Teil der Zeit.

Wie ein unverwechselbarer Stil entsteht

Ein eigener Stil fällt nicht vom Himmel.

Constanze von Kitzing hat nach eigener Aussage lange daran gearbeitet und an der Hamburger Fachhochschule drei Semester lang ausschließlich frei gearbeitet, um ihre Bildsprache zu finden. Die Hochschule bot dafür große Freiheiten und eine enge, ermutigende Begleitung. Wer ihre Bücher kennt, sieht das Ergebnis: runde, ausdrucksstarke Figuren, kräftige Farben und Flächen, die trotz aller Fülle nie unruhig wirken.

Beim Illustrieren achtet sie auf wenige, aber klare Kriterien. Die Perspektive soll sinnvoll wechseln, Nahaufnahmen und Totalen sollen sich abwechseln. Es braucht Details, die Kinder beim zehnten Anschauen noch entdecken. Die Stimmung des Bildes muss zum Text passen. Und über allem steht die Farbe, die für sie das wichtigste Ausdrucksmittel ist. Ihr persönlicher Prüfstein ist einfach: Ein Bild ist fertig, wenn sie nicht müde wird, es anzusehen.

Acryl in Schichten

Die Technik ist aufwendig. Skizzen entstehen am Rechner und werden dort korrigiert. Dann druckt sie die Vorlage aus, schwärzt die Rückseite mit einem Graphitstift und überträgt die Linien auf ein vorbereitetes Acrylpapier. Dieser Untergrund ist bereits in einer bestimmten Farbe und Struktur angelegt, je nach gewünschter Bildstimmung meist in Ocker oder Gelb. Erst danach wird koloriert.

Um die Leuchtkraft zu erreichen, die ihre Seiten auszeichnet, trägt sie oft zwei bis drei Farbschichten übereinander auf. Das kostet Zeit, bietet aber einen Vorteil, den Aquarell nicht hat: Acryl lässt sich immer wieder übermalen, man kann in dichten Lagen und Strukturen arbeiten. Wo der Hintergrund schön genug ist, bleibt er einfach stehen. So entstand auch ein großes Wimmelbild für das Sommerrätsel der KinderZEIT, das den Detailreichtum ihrer Arbeit besonders deutlich zeigt.

„Hast du den Troll gesehen“ und andere Bücher

Im Juli 2013 erschien im Sauerländer Verlag das Bilderbuch Hast du den Troll gesehen, zu dem Wolfram Hänel den Text schrieb. Text und Bild greifen hier besonders gut ineinander, und die Zusammenarbeit mit der Lektorin Bettina Herre verlief angenehm, was bei einem Bilderbuch fast so viel zählt wie das Talent der Beteiligten. Etwa zur selben Zeit kam beim Genfer Verlag La Joie de lire das Buch Mais qui va là heraus, das die Illustratorin damals zu ihren liebsten Arbeiten zählte.

Neben Auftragsarbeiten entwickelte sie Geschichten gemeinsam mit Autorinnen, etwa mit Cally Stronk. Ein Märchenbuch, lange ein Wunschprojekt, entstand 2013. Wer sich einen Überblick über das Werk verschaffen will, findet ihn auf der Website constanzevonkitzing.de.

Warum so viele Bücher zuerst im Ausland erschienen

Auffällig ist, dass zahlreiche ihrer frühen Titel nicht in Deutschland, sondern in Frankreich und der Schweiz verlegt wurden. Constanze von Kitzing erklärte das mit der Struktur der Märkte. Der deutsche Bilderbuchmarkt gilt als klar gegliedert, und Verlage wie Lektorate haben wenig Spielraum für eigenwillige, künstlerische Handschriften. In Frankreich entscheiden Lektorinnen und Lektoren häufiger nach persönlichem Geschmack.

Dazu kommt eine lebendige Buchkultur vor Ort. Buchhändler organisieren lokale „salons du livre“, bei denen Autoren und Illustratorinnen signieren und gefühlt die halbe Stadt unterwegs ist, um Bücher anzuschauen und zu kaufen. Schon in den Vorschulen laufen Buchprojekte und Workshops, Kinder wachsen also mit einer ausgeprägten visuellen Bildung auf. Für eine Illustratorin, deren Bilder Zeit zum Betrachten verlangen, ist das ein dankbares Publikum.

Bleibt die Frage nach digitalen Formaten. Illustrationen für eine App konnte sie sich 2013 gut vorstellen, allerdings mit einer klaren Bedingung: Programmieren sollte jemand anderes.

Häufige Fragen

Wer ist Constanze von Kitzing?

Constanze von Kitzing ist eine in Köln lebende Illustratorin von Bilderbüchern, Schulbüchern, Postern und CD-Covern. Sie studierte Visuelle Kommunikation in Weimar, in den USA und in Hamburg und arbeitete kurz für die Titelbildredaktion des Spiegel, bevor sie sich selbstständig machte. Seit 2011 unterrichtete sie an der WAM Medienakademie in Dortmund, seit 2013 an der Fachhochschule Münster.

Mit welcher Technik malt Constanze von Kitzing?

Sie skizziert am Computer, druckt die korrigierte Skizze aus und überträgt sie mit Graphit auf vorbereitetes Acrylpapier. Der Untergrund ist farbig und strukturiert angelegt, oft in Ocker oder Gelb. Darauf wird die Zeichnung in zwei bis drei Schichten Acryl koloriert, wobei Teile des Hintergrunds bewusst stehen bleiben, damit die Struktur sichtbar ist.

Welche Bücher hat Constanze von Kitzing illustriert?

Im Sommer 2013 erschien im Sauerländer Verlag das Bilderbuch „Hast du den Troll gesehen“ mit einem Text von Wolfram Hänel. Beim Schweizer Verlag La Joie de lire kam „Mais qui va là“ heraus. Zahlreiche ihrer frühen Arbeiten erschienen zuerst im Ausland, außerdem entstanden Wimmelbilder, etwa für ein Sommerrätsel der KinderZEIT.

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