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Nimmerland in Mainz: Kinderbuchhandlung in Gonsenheim mit Krokodil

Vor der Tür steht ein Holzhäuschen, kaum größer als ein Vogelhaus für Riesen, bunt bemalt und gefüllt mit Kinder- und Jugendbüchern. Wer vorbeikommt, darf eines herausnehmen und sollte, wenn es geht, ein anderes hineinstellen. Susanne Lux hat es selbst gezimmert und bemalt. Im Frühjahr 2013 stand es seit gut einem Jahr vor ihrer Kinderbuchhandlung Nimmerland im Mainzer Stadtteil Gonsenheim, und die jungen Leserinnen und Leser der Nachbarschaft nutzten es eifrig.

Das Häuschen folgt einer Idee aus den USA, der Little Free Library: kleine Tauschregale am Straßenrand, ohne Ausweis, ohne Frist, ohne Mahngebühr. Für eine Buchhandlung ist so etwas auf den ersten Blick widersinnig, schließlich lebt sie vom Verkauf. Auf den zweiten Blick passt es genau. Wer Kinder zum Lesen bringen will, muss Bücher dorthin stellen, wo Kinder vorbeikommen, und ein Laden, der das Tauschen fördert, gewinnt Vertrauen, das sich später an der Kasse auszahlt.

Eine Buchhändlerin aus einer Buchhändlerfamilie

Susanne Lux stammt aus einer alteingesessenen Mainzer Buchhändlerfamilie. Nach rund zwanzig Berufsjahren gründete sie 2005 das Nimmerland, ein Name, der an die Insel aus „Peter Pan“ erinnert, auf der niemand erwachsen werden muss. Er passte: Das Sortiment reichte vom Pappbilderbuch bis zum Jugendroman, dazu kamen Hörbücher und Spiele. „Alles zum Lesen und Spielen“ lautete der Untertitel des Ladens.

Kinder- und Jugendbücher waren für die Mutter zweier erwachsener Kinder erkennbar mehr als eine Warengruppe. Das zeigte sich an vielen kleinen Entscheidungen im Laden, die zusammen eine Haltung ergaben.

Kleine Details, die Kindern den Laden öffnen

Die Regale im Nimmerland trugen neben der Beschriftung Fotos. Kinder, die noch nicht lesen können, fanden so allein etwa zu den Pferdebüchern, den Dinosauriern oder den Detektivgeschichten. Das klingt nach einer Kleinigkeit und ist doch eine der klügsten Hilfen, die eine Kinderbuchhandlung bieten kann: Sie macht aus dem Kind, das an der Hand geführt wird, eine Kundin mit eigenem Willen.

Zwei rote Stühle standen für die Kleinsten bereit. Dort konnten sie Hörbüchern lauschen, während die Eltern in Ruhe stöberten, und am CD-Regal half ein kleines Treppchen, damit auch kurze Arme an die Lieblings-CD heranreichten. Wer einmal mit einem quengelnden Dreijährigen eine Buchhandlung betreten hat, weiß, was solche Einrichtungen wert sind.

Leseförderung als zweites Standbein

Im Hinterhaus fanden die Veranstaltungen statt, und davon gab es viele: Lesungen, Aktionen für Kindergärten und Schulen, Feste für kleine Leser. Für ihre Arbeit in der Lese- und Literaturförderung wurden Lux und ihre Buchhandlung mehrfach ausgezeichnet. Auf der Leipziger Buchmesse 2013 erhielt sie den Kinderbuchhandlungspreis, und zwar für die Aktion „Krimiherbst im Nimmerland“, eine Reihe rund um Krimis für junge Leser.

Im selben Jahr startete ein weiteres Projekt. Mit dem „Nimmerland-Krokodil“ vergab die Buchhandlung erstmals einen eigenen Bilderbuchpreis, und die Jury war ungewöhnlich jung. Seit März 2013 lasen sich Kindergartenkinder aus acht Einrichtungen durch jeweils acht Bilderbücher, genauer: Sie bekamen sie vorgelesen und gaben auf Bewertungsbögen ihr Urteil ab. Am 14. September sollte der Preis bei einem großen Krokodilfest überreicht werden, an eine Autorin oder einen Autor, eine Illustratorin oder einen Illustrator oder an einen Verlag. Die Trophäe, ein Krokodil, war ausgesprochen schwer.

Ein Preis, den Vierjährige vergeben, sagt über ein Bilderbuch oft mehr als jede Kritik in der Feuilletonbeilage. Kinder bewerten ehrlich, sie langweilen sich hörbar, und sie verlangen die gute Geschichte ein zweites und drittes Mal.

Was eine gute Kinderbuchhandlung ausmacht

Am Beispiel Nimmerland lässt sich ablesen, worauf es bei einer Kinderbuchhandlung ankommt, ganz gleich ob in Mainz, Hamburg oder einer Kleinstadt. Zuerst die Beratung: Eine gute Buchhändlerin kennt nicht nur die Neuerscheinungen, sondern fragt nach, was ein Kind zuletzt gern gelesen hat, und empfiehlt dann etwas, das eine Stufe weiterführt. Dann die Zugänglichkeit: Regale in Kinderhöhe, Orientierung ohne Schrift, Platz zum Sitzen und Blättern. Und schließlich die Verbindung nach draußen, zu Kitas, Schulen und Bibliotheken, denn eine Kinderbuchhandlung lebt davon, dass sie im Viertel verankert ist.

Hinzu kommt etwas, das sich schwer messen lässt: die Bereitschaft, Kinder als Kundschaft ernst zu nehmen. Das heißt, ihnen eine Frage direkt zu beantworten statt über ihren Kopf hinweg die Eltern anzusprechen, und auszuhalten, dass ein Kind eine Viertelstunde lang auf dem Boden sitzt und ein Buch liest, das am Ende nicht gekauft wird. Genau aus solchen Viertelstunden entstehen Leser.

Wer gern Kinderbuchhandlungen besucht, erkennt einen guten Laden meist schon in den ersten zwei Minuten. Riecht es nach Papier? Liegen Bilderbücher aufgeschlagen auf einem niedrigen Tisch? Hängt irgendwo ein Plakat mit einer Veranstaltung, die nichts mit dem Verkauf zu tun hat? Im Nimmerland waren das 2013 alles selbstverständliche Dinge.

Wer die Buchhandlung heute besuchen möchte, sollte Adresse und Öffnungszeiten vorher auf der aktuellen Website des Ladens prüfen, denn die Angaben aus dem Jahr 2013 müssen nicht mehr stimmen.

Eine Frage bleibt, und sie ist gar nicht so klein: Welches der acht Bilderbücher haben die Kindergartenkinder damals zum ersten Nimmerland-Krokodil gewählt, und hätten erwachsene Juroren genauso entschieden?

Häufige Fragen

Wo liegt die Kinderbuchhandlung Nimmerland in Mainz?

Das Nimmerland hatte seinen Sitz im Mainzer Stadtteil Gonsenheim, in der Breiten Straße. Gegründet wurde die Buchhandlung 2005 von der Buchhändlerin Susanne Lux, die aus einer alteingesessenen Mainzer Buchhändlerfamilie stammt. Wer den Laden heute besuchen möchte, sollte vorab Adresse und Öffnungszeiten auf der aktuellen Website oder telefonisch prüfen, da sich solche Angaben bei kleinen inhabergeführten Geschäften über die Jahre ändern können.

Was ist das „Nimmerland-Krokodil“?

Das Nimmerland-Krokodil ist ein Bilderbuchpreis, den die Kinderbuchhandlung 2013 zum ersten Mal vergab. Die Jury bestand aus Kindergartenkindern: Kinder aus acht Einrichtungen bekamen ab März jeweils acht Bilderbücher vorgelesen und hielten ihre Meinung auf Bewertungsbögen fest. Am 14. September 2013 wurde der Preis bei einem Krokodilfest überreicht, wahlweise an eine Autorin, einen Illustrator oder einen Verlag. Die Trophäe war ein ziemlich schweres Krokodil.

Wofür erhielt das Nimmerland den Kinderbuchhandlungspreis?

Susanne Lux wurde 2013 auf der Leipziger Buchmesse mit dem Kinderbuchhandlungspreis ausgezeichnet. Gewürdigt wurde ihre Aktion „Krimiherbst im Nimmerland“, eine Veranstaltungsreihe rund um Kinder- und Jugendkrimis. Der Preis war nicht die erste Auszeichnung: Die Buchhandlung war in den Jahren davor bereits mehrfach für ihre Arbeit in der Lese- und Literaturförderung geehrt worden, die weit über den reinen Verkauf von Büchern hinausging.

Was ist eine Little Free Library?

Eine Little Free Library ist ein kleines, oft selbst gebautes Bücherhäuschen im öffentlichen Raum, aus dem sich jeder ein Buch nehmen darf. Im Gegenzug stellt man, wenn möglich, ein anderes Buch hinein. Die Idee stammt aus den USA und wird von einer gemeinnützigen Organisation weltweit bekannt gemacht. Vor dem Nimmerland stand ein solches Häuschen speziell für Kinder- und Jugendbücher, gezimmert und bemalt von der Buchhändlerin selbst.

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