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Was ist ein Autor – und was macht ein Autor aus? Verlag und Lektorat

Irgendwo zwischen Lieschen Müller, die ihre Urlaubserinnerungen binden lässt, und einer Krimiautorin wie Zoë Beck muss es einen Unterschied geben. Beide haben ein Buch verfasst, beide stehen auf dem Umschlag. Trotzdem würde kaum jemand sagen, dass sie denselben Beruf ausüben. Die Frage, was einen Autor zum Autor macht, klingt deshalb banaler, als sie ist.

Was ist ein Autor laut Lexikon?

Nachschlagewerke antworten nüchtern. Autor ist, wer ein Werk verfasst hat. Das lateinische auctor bedeutet ursprünglich so viel wie Urheber oder Schöpfer. Nach dieser Definition ist jeder Mensch, der ein Manuskript fertigstellt, Autor, ganz gleich, ob es gut ist, ob es gedruckt wird und ob es irgendwer liest.

Für die Frage nach Qualität hilft das wenig. Wer regelmäßig Bücher zur Besprechung angeboten bekommt, etwa als Rezensentin für ein Kinderbuchportal oder als Veranstalterin von Lesungen, braucht ein anderes Kriterium. Naheliegend ist die Überlegung, ob nicht der Verlag einen Autor zum Autor macht.

Der Publikumsverlag als Filter

Lange war die Verlagslandschaft im Kinder- und Jugendbuch vergleichsweise übersichtlich. Die maßgeblichen Häuser waren Publikumsverlage, viele von ihnen in der Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen (avj) organisiert. Ein Publikumsverlag wählt aus, was er veröffentlicht, und beschäftigt dafür Fachleute: Lektoren, die eingereichte Manuskripte auf Qualität und Erfolgsaussichten prüfen, und Korrektoren, die bis zur Drucklegung auf Sprache und Fehler achten.

Für die Autorin oder den Autor ist das kostenlos, umsonst ist es trotzdem nicht, denn der Verlag investiert in jedes Buch, bevor es einen Cent einbringt.

Das heißt nicht, dass jeder Titel aus einem solchen Haus gelungen ist. Manches Buch hätte eine intensivere Betreuung gebraucht, manches erscheint trotz offensichtlicher Schwächen. Die Qualitätssicherung durch das Lektorat sorgt aber in den allermeisten Fällen dafür, dass ein Text sprachlich und inhaltlich ein bestimmtes Niveau erreicht. Ein Lektorat stellt unbequeme Fragen: Trägt die Handlung? Ist diese Figur glaubwürdig? Braucht es dieses Kapitel?

Zuschussverlag und Risikobeteiligung

Mit dem Aufkommen von Literaturportalen und Buchcommunitys wie Lovelybooks erreichten Rezensentinnen und Rezensenten ab Ende der 2000er-Jahre ein größeres Publikum. Damit kamen auch Anfragen von Autorinnen und Autoren, die bei völlig unbekannten Verlagen veröffentlicht hatten. Auf deren Websites tauchten Begriffe wie „Privatverlag“ oder „Risikobeteiligung“ auf.

Dahinter steckt meist das Modell des Zuschussverlags. Die Autorin zahlt einen Teil oder die gesamten Kosten der Veröffentlichung. Der Verlag hat seinen Gewinn damit schon vor dem ersten verkauften Exemplar erwirtschaftet. Hier liegt das eigentliche Problem: Einem Unternehmen, das bereits am Zuschuss verdient, kann der Inhalt des Buches im Zweifel ziemlich gleichgültig sein. Der Publikumsverlag dagegen geht in Vorleistung, trägt das gesamte unternehmerische Risiko und hat schon deshalb ein starkes Interesse an einem guten Text.

Eine klare Linie für Rezensionen

Viele Rezensionsportale und Veranstalter von Lesereihen ziehen aus diesem Unterschied eine praktische Konsequenz und besprechen grundsätzlich keine Bücher aus Zuschussverlagen. Das ist kein Urteil über einzelne Menschen oder einzelne Texte. Es ist der Versuch, eine Regel zu finden, die sich durchhalten lässt, wenn wöchentlich Anfragen eintreffen und niemand alles lesen kann.

Leicht fällt eine solche Absage selten. In fast jedem Manuskript steckt viel Herzblut, und wer eine Geschichte zu Ende geschrieben hat, hat etwas geleistet. Nur macht eben nicht jede Geschichte ihren Verfasser gleich zum Schriftsteller.

„Über den Autor“: der kleine Text im Klappentext

Ein Ort, an dem sich die Frage ganz praktisch stellt, ist der kurze Abschnitt „Über den Autor“ auf der Umschlagklappe oder der letzten Seite. Bei Publikumsverlagen wird er meist gemeinsam mit dem Lektorat formuliert und folgt einem bewährten Muster: Geburtsjahr und Wohnort, ein Satz zum beruflichen Hintergrund, bisherige Veröffentlichungen, gegebenenfalls Preise. Mehr braucht es nicht, denn der Text soll neugierig machen, keinen Lebenslauf ersetzen.

Bei Büchern aus Zuschussverlagen fällt dieser Abschnitt oft auffällig lang aus. Da wird von der lebenslangen Leidenschaft für das Schreiben erzählt, von Hobbys und Familie, gelegentlich auch von Lesungen im Freundeskreis. Das ist nicht verwerflich, verrät aber, dass niemand mit Distanz auf den Text geschaut hat. Ein guter Autorentext wirkt beiläufig, und gerade diese Beiläufigkeit ist harte Arbeit.

Autor sein in Zeiten des Umbruchs

Ob wirklich der Verlag den Autor macht, lässt sich heute noch weniger eindeutig beantworten. Selfpublishing-Plattformen haben den Weg zur Veröffentlichung radikal verkürzt, und manche erfolgreiche Autorin hat ihre ersten Bücher ohne Verlag herausgebracht, bevor ein Publikumsverlag sie unter Vertrag nahm. Gleichzeitig kaufen viele Selbstverleger professionelle Lektorate ein und erreichen damit eine Qualität, die sich von Verlagsbüchern kaum unterscheidet.

Wer als Leserin oder Leser ein Buch aus einem unbekannten Haus in der Hand hält, kann trotzdem ein paar Dinge prüfen: Gibt es ein Impressum mit Lektoratsangabe? Verlangt der Verlag auf seiner Website Geld von Autoren? Und wie liest sich die erste Seite, laut vorgetragen?

Die Branche befindet sich weiter im Umbruch, und die klassischen Wege vom Manuskript zum Buch sind davon nicht ausgenommen. Wie sich das am Ende auf die Leserschaft auswirkt, ist noch offen, und vielleicht entscheidet darüber weniger der Verlag als die Frage, wer künftig die unbequemen Fragen des Lektorats stellt.

Häufige Fragen

Was ist ein Autor im engeren Sinn?

Als Autor gilt, wer ein Werk verfasst hat, also Urheber eines Textes ist. Diese Definition sagt nichts über Qualität, Verlag oder Auflage aus. Rechtlich ist bereits der Verfasser eines Tagebuchs Autor. Im Buchhandel und in der Literaturkritik wird das Wort dagegen meist enger verwendet, nämlich für Menschen, deren Texte veröffentlicht und von einer Leserschaft wahrgenommen werden.

Was macht ein Autor bei der Entstehung eines Buches?

Ein Autor entwickelt Idee, Figuren und Aufbau, schreibt das Manuskript und überarbeitet es mehrfach. Bei einem Publikumsverlag folgt die Arbeit mit dem Lektorat, das Schwächen in Handlung und Sprache benennt. Danach kommen Korrektur, Satz und Druck. Zur Veröffentlichung gehören für Autorinnen und Autoren heute außerdem Lesungen, Interviews und oft auch eigene Auftritte im Netz.

Was ist der Unterschied zwischen Publikumsverlag und Zuschussverlag?

Ein Publikumsverlag trägt das wirtschaftliche Risiko selbst: Er bezahlt Lektorat, Korrektorat, Herstellung und Vertrieb und verdient erst, wenn sich das Buch verkauft. Ein Zuschussverlag lässt sich die Veröffentlichung dagegen ganz oder teilweise von der Autorin oder dem Autor bezahlen. Damit ist der Gewinn schon vor dem ersten Verkauf gesichert, und die Auswahl nach Qualität verliert an Bedeutung.

Ist Selfpublishing dasselbe wie ein Zuschussverlag?

Nein. Beim Selfpublishing bleibt die Autorin oder der Autor selbst Verleger, behält die Rechte und entscheidet, ob Dienstleistungen wie Lektorat oder Covergestaltung eingekauft werden. Ein Zuschussverlag tritt dagegen nach außen als Verlag auf, verlangt aber Geld für Leistungen, die ein Publikumsverlag selbst finanziert. Die Transparenz der Kosten ist deshalb bei beiden Modellen ein wichtiger Prüfpunkt.

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