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Fahrenheit 451 auf Deutsch: Bradburys Klassiker in neuer Übersetzung

Auf den Helmen steht die Zahl 451, und die Männer, die sie tragen, rücken nicht zum Löschen aus. Sie legen Feuer. In Ray Bradburys Roman ist die Feuerwehr dafür zuständig, verbotene Bücher aufzuspüren und zu verbrennen, notfalls samt dem Haus, in dem sie versteckt waren. „Fahrenheit 451“ erschien 1953 in den USA, zwei Jahre später lag die erste deutsche Fassung vor.

2020 kam der Klassiker bei Diogenes in einer neuen Übersetzung von Peter Torberg heraus, 272 Seiten stark. Damit gibt es zwei deutsche Versionen, die sich deutlich voneinander unterscheiden.

Die Geschichte

Die Gesellschaft, die Bradbury entwirft, lebt im Zustand dauernder Berieselung. Riesige Bildschirme füllen die Wohnzimmer, Unterhaltung läuft ohne Pause, Wissen gilt als verdächtig und Spaß als das Einzige, worauf es ankommt. Am Horizont droht ein Krieg, doch kaum jemand nimmt ihn wahr. Der Besitz von Büchern steht unter Strafe.

Guy Montag ist Feuerwehrmann und erfüllt seinen Auftrag lange ohne Zweifel. Dann bricht seine Welt in kurzer Folge auf. Seine Frau Mildred unternimmt einen Suizidversuch, an den sie sich am nächsten Morgen nicht erinnern will. Kurz darauf erlebt Montag bei einem Einsatz, wie eine alte Frau sich lieber mit ihren Büchern verbrennen lässt, als sie aufzugeben.

Den ersten Anstoß gibt allerdings eine Begegnung auf dem Heimweg. Die junge Nachbarin Clarisse McClellan geht zu Fuß, beobachtet den Regen und stellt Fragen, die in dieser Welt niemand stellt. Ob er glücklich sei, will sie von Montag wissen, und er findet keine Antwort.

Aus einem Keim des Zweifels wird ein Brand. Montag sucht einen alten Englischprofessor auf, von dem er vermutet, dass er Bücher schätzt und dem Widerstand nahesteht. Gemeinsam entwickeln sie einen Plan, während Montags Vorgesetzter Beatty längst ahnt, dass etwas nicht stimmt.

Entstanden in wenigen Tagen

Bradbury schrieb die erste Fassung in erstaunlich kurzer Zeit. Nach seiner eigenen Darstellung entstand der Text in weniger als zehn Tagen, getippt auf einer Schreibmaschine, die er in der Bibliothek der University of California stundenweise mietete. Diese Entstehungsgeschichte erklärt vielleicht die atemlose Wucht der Erzählung. Kaum ein Kapitel lässt Luft zum Durchatmen.

In der älteren deutschen Ausgabe ist ein Vorwort des Autors enthalten, in dem er von diesen Umständen berichtet. Bradbury starb 2012, vier Jahre nach der letzten Überarbeitung dieser Übersetzung.

Zwei Übersetzungen im Vergleich

Über Jahrzehnte gab es nur eine deutsche Fassung, die von Fritz Güttinger. Sie erschien 1955 und wurde 2008 zuletzt überarbeitet. Ihre Sprache hat einen lyrischen Ton, der gut zu Bradburys bildreichem Stil passt, wirkt heute aber an manchen Stellen altertümlich, sowohl in der Wortwahl als auch im Satzbau.

Peter Torbergs Neuübersetzung verfolgt einen anderen Ansatz. Die Sätze sind gefälliger gebaut, das Vokabular teilweise aktueller, doch der Text wurde nicht künstlich ins 21. Jahrhundert geschoben. Wer das Buch in dieser Fassung liest, stolpert seltener und wird leichter mitgerissen. Gerade bei einem so dichten Text ist das kein kleiner Vorteil.

Im Nachwort erklären Torberg und die Lektorin Kati Hertzsch, warum sie „fireman“ mit „Feuermann“ übersetzt haben statt mit dem vertrauten „Feuerwehrmann“. Die Entscheidung ist klug: Ein Feuerwehrmann wehrt das Feuer ab, ein Feuermann bringt es.

Ein Versuch, beide Ausgaben parallel zu lesen, zeigt die Unterschiede besonders deutlich. Schlüsselszenen wie Montags Gespräche mit Mildred oder Beattys Besuch in seinem Haus lohnen den direkten Vergleich. Manche Formulierung der alten Übersetzung hat eine Schönheit, die der neuen fehlt, umgekehrt ist die neue oft genauer im Ton.

Eine klare Siegerin gibt es nicht.

Warum der Roman heute wieder passt

Bradbury schrieb in den 1950er Jahren, in einer Zeit, in der das Fernsehen gerade die amerikanischen Haushalte eroberte. Seine Sorge galt weniger dem staatlichen Verbot als einer Gesellschaft, die das Lesen freiwillig aufgibt, weil ihr Unterhaltung genügt. Die Zensur folgt in seinem Roman der Gleichgültigkeit, nicht umgekehrt.

Das macht „Fahrenheit 451“ heute so beklemmend. Endlose Feeds, kurze Clips, Bildschirme in jedem Raum: Vieles, was Bradbury beschrieb, hat inzwischen eine erkennbare Entsprechung. Der Roman stellt die Frage, was verloren geht, wenn niemand mehr die Geduld für einen längeren Text aufbringt.

Auch François Truffaut war von dem Stoff fasziniert und verfilmte ihn 1966. Wer Film und Buch nebeneinanderlegt, sieht, wie unterschiedlich sich dieselbe Geschichte erzählen lässt.

Welche Ausgabe für wen

Wer den Roman zum ersten Mal liest, besonders jüngere Leserinnen und Leser der Millennial-Generation und danach, ist mit der Neuübersetzung gut beraten. Sie senkt die Einstiegshürde, ohne den Text zu verflachen. Die ältere Übersetzung bleibt eine lohnende zweite Lektüre, gerade für Passagen, in denen Bradbury poetisch wird.

Wer im Englischunterricht mit dem Original arbeitet, kann beide deutschen Fassungen neben den englischen Text legen. An einzelnen Sätzen lässt sich dann gut zeigen, wie viele Entscheidungen hinter einer Übersetzung stecken.

Am Ende des Romans ziehen Menschen durchs Land, die ganze Bücher auswendig gelernt haben, um sie zu bewahren. Welches Buch würden Sie wählen, wenn es nur noch in Ihrem Gedächtnis existieren dürfte?

Häufige Fragen

Warum heißt der Roman „Fahrenheit 451“?

451 Grad Fahrenheit, umgerechnet etwa 233 Grad Celsius, galt Bradbury als die Temperatur, bei der Buchpapier Feuer fängt und verbrennt. Der Titel verweist damit direkt auf das zentrale Motiv des Romans: In der beschriebenen Gesellschaft ist der Besitz von Büchern verboten, und die Feuerwehr hat die Aufgabe, sie aufzuspüren und zu verbrennen. Die Zahl ist auf den Helmen der Feuerwehrleute zu finden.

Welche deutsche Übersetzung von „Fahrenheit 451“ ist besser?

Beide haben ihre Stärken. Die Übersetzung von Fritz Güttinger, zuerst 1955 erschienen und 2008 überarbeitet, hat einen poetischen, etwas altmodischen Klang. Peter Torbergs Neuübersetzung von 2020 bei Diogenes liest sich flüssiger und nutzt teils zeitgemäßeres Vokabular, ohne den Text künstlich zu modernisieren. Für einen ersten Zugang, besonders für jüngere Leser, eignet sich die neue Fassung gut; die ältere lohnt beim Vergleich einzelner Passagen.

Worum geht es in „Fahrenheit 451“?

Guy Montag ist Feuerwehrmann in einer Zukunft, in der Bücher verboten sind und Menschen durch Dauerunterhaltung ruhiggestellt werden. Nachdem seine Frau Mildred einen Suizidversuch unternimmt und er bei einem Einsatz erlebt, wie eine alte Frau lieber mit ihren Büchern verbrennt, als sie aufzugeben, beginnt er zu zweifeln. Er sucht Kontakt zu einem ehemaligen Englischprofessor, und die beiden schmieden einen Plan gegen das System.

Eignet sich „Fahrenheit 451“ als Schullektüre?

Der Roman wird häufig ab der Mittelstufe im Deutsch- oder Englischunterricht gelesen. Er ist vergleichsweise kurz, spannend erzählt und bietet viele Anknüpfungspunkte: Zensur, Medienkonsum, die Rolle von Literatur und die Frage, was eine Gesellschaft verliert, wenn sie das Nachdenken verlernt. Die neue Übersetzung von Peter Torberg erleichtert jüngeren Lesern den Einstieg, weil sie sprachlich weniger Hürden aufbaut.

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