Blogparade #Bloggerliebe: wie sie funktioniert und was Plus-Fasten ist
Am 1. März 2017 fielen zwei Anfänge zusammen. Meteorologisch begann der Frühling, und mit dem Aschermittwoch begann die vorösterliche Fastenzeit, jene sieben Wochen, in denen viele Menschen versuchen, anders zu leben als sonst. Genau an diesem Tag startete die Blogparade #Bloggerliebe, und ihr Gedanke war eine kleine Umdeutung des Fastens: nicht weniger, sondern mehr, nämlich mehr freundliche Worte unter Bloggerinnen und Bloggern.
Plus-Fasten statt Verzicht
Klassisches Fasten bedeutet Verzicht, etwa auf Süßigkeiten, Alkohol oder Fleisch. Daneben gibt es das sogenannte Plus-Fasten. Wer so fastet, nimmt sich für die Zeit bis Ostern etwas Zusätzliches vor, zum Beispiel bestimmte Strecken ausschließlich zu Fuß zu gehen oder den Menschen in der eigenen Umgebung jeden Tag mit einem freundlichen Wort zu begegnen.
Aus diesem zweiten Vorsatz entstand die Idee zur Blogparade. In den Wochen davor waren über Twitter viele neue Kontakte zu Buchbloggerinnen und Buchbloggern entstanden, und dabei fiel auf, wie professionell, liebevoll und inhaltlich stark die meisten Blogs geführt wurden, obwohl ihre Betreiber im deutschsprachigen Raum dies fast alle in ihrer Freizeit tun. Meinungsverschiedenheiten gibt es in jeder Szene. Umso sinnvoller schien es, die eigene Arbeit und die der anderen bewusst wertzuschätzen und sich gegenseitig zu unterstützen.
Wie eine Blogparade funktioniert
Eine Blogparade folgt einem einfachen Muster. Ein Blog veröffentlicht einen Aufruf mit einem Thema, einer Laufzeit und ein paar Regeln. Andere schreiben innerhalb dieser Zeit eigene Beiträge, verlinken den Aufruf und melden sich mit dem Link zurück, meist in einem Kommentar. Zum Abschluss stellt die Gastgeberin eine Übersicht aller Beiträge zusammen. Was dabei entsteht, ist mehr als die Summe der Texte: ein Geflecht von Links, über das sich die Leserschaften der beteiligten Blogs gegenseitig entdecken.
Für kleinere Blogs ist das besonders wertvoll. Ein Beitrag zu einer gut besuchten Blogparade wird von Menschen gelesen, die das Blog sonst nie gefunden hätten, und die Übersicht am Ende wirkt wie ein Verzeichnis einer Szene zu einem bestimmten Zeitpunkt.
Die Themen von #Bloggerliebe
Die Blogparade gab mehrere mögliche Themen vor, aus denen sich die Teilnehmenden eines aussuchen konnten:
- Wie die Liebe zum Bloggen entdeckt wurde
- das schönste Erlebnis rund um ein Blog oder eine Bloggerin
- was man dem liebsten Blogger schon immer einmal sagen wollte
- eine kurze Vorstellung von bis zu drei Lieblingsblogs
Besonders die dritte Variante lud dazu ein, persönliche Briefe zu schreiben, in denen Bloggerinnen einander für ihre Ideen, ihre Fotos, ihre Aktionen wie Buchtauschbörsen oder Wichtelrunden und ihre Ausdauer dankten. Solche Briefe sind öffentlich und zugleich sehr privat, und gerade diese Mischung machte ihren Reiz aus.
Die Regeln
Mitmachen konnte, wer einen eigenen Beitrag auf dem Blog veröffentlichte oder, als Vloggerin oder Vlogger, ein Video drehte, darin den Aufruf verlinkte und den Link zum eigenen Beitrag als Kommentar hinterließ. Wer kein eigenes Blog hatte, durfte per Kommentar teilnehmen. In den Beiträgen und in sozialen Netzwerken sollte der Hashtag #Bloggerliebe verwendet werden. Für die Aktion gab es einen eigenen Schriftzug, gestaltet von Sandra Zabel und zur freien Nutzung freigegeben, auch in einer Fassung für Instagram. Die Blogparade lief bis zum 15. April 2017, also bis kurz vor Ostern.
Verwandte Formate in der Buchszene
Die Blogparade ist nur eines von mehreren Mitmachformaten, die in der deutschsprachigen Buchbloggerszene seit Jahren gepflegt werden. Beim Buchstöckchen beantwortet jemand eine Reihe von Fragen und gibt sie an andere weiter, bei Lese-Challenges nehmen sich Teilnehmende für ein Jahr eine bestimmte Zahl oder Art von Büchern vor, und bei Leserunden lesen mehrere Menschen dasselbe Buch im gleichen Zeitraum und tauschen sich abschnittsweise aus. Wichtelaktionen, bei denen sich Unbekannte gegenseitig Bücher schicken, schließen die Lücke zwischen Netz und Briefkasten.
Allen Formaten ist gemeinsam, dass sie Verbindungen schaffen. Ein einzelnes Blog ist eine Stimme, eine Blogparade ist ein Gespräch.
Was eine gelungene Blogparade braucht
Wer selbst eine Blogparade starten möchte, kann sich an einigen Grundregeln orientieren. Das Thema sollte offen genug sein, damit unterschiedliche Blogs etwas beitragen können, und konkret genug, damit keine beliebigen Texte entstehen; mehrere Varianten zur Auswahl, wie bei #Bloggerliebe, sind dafür eine gute Lösung. Eine klare Laufzeit von einigen Wochen setzt einen Rahmen, ohne zu drängen. Ein eigener Hashtag und eine kleine Grafik machen die Aktion in sozialen Netzwerken wiedererkennbar. Und die Übersicht am Ende ist Pflicht, denn sie ist der Dank an alle, die mitgeschrieben haben.
Warum Wertschätzung im Netz selten ist
Im Netz fällt Kritik leichter als Lob. Ein Kommentar unter einem Beitrag entsteht meist dann, wenn jemand widersprechen will, und wer einen Text einfach gut fand, klickt allenfalls auf ein Herz. #Bloggerliebe drehte diese Gewohnheit für sieben Wochen um. Es ging darum, gezielt jene Menschen zu würdigen, die in ihrer Freizeit Bücher lesen, fotografieren, rezensieren und damit eine Buchkultur im Netz am Leben halten, für die sie in aller Regel kein Geld bekommen.
Die Frage, wie diese Leute das neben ihrem Beruf schaffen, stellt sich bei vielen Buchblogs ohnehin. Eine Antwort darauf gibt es selten. Meist steckt hinter einem gepflegten Buchblog eine Mischung aus frühen Morgenstunden, Wochenenden und einer Leidenschaft, die sich nicht in Klickzahlen messen lässt. Vielleicht wäre genau das ein gutes Thema für eine nächste Blogparade.
Häufige Fragen
Was ist eine Blogparade?
Eine Blogparade ist eine Mitmachaktion, bei der ein Blog ein Thema oder eine Frage vorgibt und andere Bloggerinnen und Blogger innerhalb eines festen Zeitraums eigene Beiträge dazu veröffentlichen. Die Teilnehmenden verlinken den Aufruf und melden ihren Beitrag meist per Kommentar zurück. Am Ende fasst die Gastgeberin alle Beiträge in einer Übersicht zusammen. So entsteht ein Netz von Texten zu einem Thema, und die beteiligten Blogs werden gegenseitig sichtbar.
Was ist Plus-Fasten?
Beim Plus-Fasten verzichtet man in der Fastenzeit nicht auf etwas, sondern nimmt sich etwas zusätzlich vor. Das kann bedeuten, bestimmte Wege bis Ostern zu Fuß oder mit dem Rad zu erledigen, jeden Tag einem Menschen etwas Freundliches zu sagen oder regelmäßig jemanden anzurufen, von dem man lange nichts gehört hat. Die Fastenzeit dauert vom Aschermittwoch bis Ostern, also rund sieben Wochen, und bietet einen klaren Rahmen für solche Vorsätze.
Wie nimmt man an einer Blogparade teil?
Wer mitmachen möchte, schreibt innerhalb der Laufzeit einen eigenen Beitrag zum vorgegebenen Thema, verlinkt darin den Aufruf der Gastgeberin und hinterlässt unter dem Aufruf einen Kommentar mit dem Link zum eigenen Text. Häufig gibt es einen Hashtag, der auch in sozialen Netzwerken genutzt wird. Viele Blogparaden erlauben auch Videobeiträge oder, für Menschen ohne eigenes Blog, die Teilnahme per Kommentar.
Weiter in Lesen & Leben
- Buchszene Litblog Convention 2018 in Köln: Verlage, Sessions und Begegnungen
Fünf Verlage, ein Verlagshaus in Köln, ein Samstag im Juni: Bei der dritten Litblog Convention ging es um Lesekreise, Buchhandlungen, Bienen, Kalender und ein Debüt vom Leinsee.
- Blogszene Best Blog Award: wie das Stöckchen mit 11 Fragen unter Buchblogs lief
Kaffee im Bett, Adler im nächsten Leben, das halbvolle Glas: Blogstöckchen wie der Best Blog Award brachten Bloggerinnen dazu, Dinge über sich zu erzählen, die in keiner Rezension standen.
- Essay Was ist Literatur? Bedeutung des Begriffs, Gattungen und offene Fragen
Ein Wort aus dem Lateinischen, zwei sehr verschiedene Bedeutungen und eine Frage, über die Schriftsteller, Kritikerinnen und Leser seit Jahrhunderten streiten.
- Sachbuch Poker Buch: die fünf besten Pokerbücher für Anfänger und Strategie
Zweimal gewann Doyle Brunson das Main Event der World Series of Poker mit einer Zehn und einer Zwei. Sein Buch erklärt, warum solche Hände trotzdem kein Rezept sind – und es ist nur eines von fünf Werken, die das Spiel geprägt haben.