Zum Inhalt springen
Lesen·Leben·Lachen

Startseite / Lesen & Leben

Vorablesen: Die Qual der Wahl bei den Neuerscheinungen des Frühjahrs

Auf dem Regalboden klebt ein schlichtes Etikett: „Vorablesen“. Dahinter stehen die Bücher, die im Februar 2014 mit den ersten Frühjahrsprogrammen der Kinder- und Jugendbuchverlage eintrafen und nur kurz bleiben sollten, bevor sie an die junge Leserredaktion von Bücherkinder weitergingen.

SuB und RuB

Unter Vielleserinnen ist die Abkürzung SuB geläufig, der Stapel ungelesener Bücher. Wer es weiter treibt, spricht vom RuB, dem Regal ungelesener Bücher. Beide Begriffe beschreiben dasselbe Gefühl: Die Freude über neue Bücher und das leise schlechte Gewissen, wenn sie sich schneller vermehren, als sie gelesen werden.

Das Vorablesen-Regal ist eine andere Sache. Es sammelt keine gekauften Bücher, die irgendwann gelesen werden sollen, sondern Rezensionsexemplare, die hier nur Zwischenstation machen. Die Kinder und Jugendlichen der Redaktion lesen und bewerten diese Titel später selbst. Vorher aber lohnt ein eigener Blick hinein, um zu wissen, was da weitergereicht wird, und um mitreden zu können, wenn die Besprechungen zurückkommen.

Aussuchen ist leicht, Durchlesen nicht

Das Auspacken der Verlagspakete gehört zu den schönen Momenten der Arbeit mit Leseexemplaren. Welches Buch ins Regal wandert, entscheidet die Laune: ein Cover, das auffällt, ein Autorenname, eine Leseprobe, die hängen bleibt. Die Auswahl selbst ist schnell getroffen.

Schwieriger ist die Gewissheit, dass am Ende nicht alles gelesen sein wird.

Frank Zappa wird der Satz „So many books, so little time“ zugeschrieben, und er passt auf kaum eine Situation besser als auf diese. Das Regal füllt sich schneller, als die Abende reichen, und irgendwann müssen die Bücher weiter, ob sie nun angelesen, durchgelesen oder gar nicht aufgeschlagen wurden.

Trotzdem ist der Zugang zu dieser Menge an Neuerscheinungen ein Privileg. Wer mit einer Leserredaktion arbeitet, sieht jede Saison einen großen Teil dessen, was auf den Kinder- und Jugendbuchmarkt kommt, bevor es in den Buchhandlungen liegt. Das Vorablesen-Regal ist nur der Versuch, aus dieser Fülle wenigstens ein paar Bücher selbst in der Hand gehabt zu haben.

Offen bleibt, nach welchen Kriterien man aus dem Regal wieder herausnimmt, was man nicht mehr schafft: nach dem Versanddatum, nach der Neugier der jungen Redaktion oder nach dem schlechten Gewissen gegenüber dem Buch, das am längsten wartet.

Weiter in Lesen & Leben

Alle Beiträge in Lesen & Leben