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Leseexemplare und Sperrfristen: Bedeutung und sechs Jugendbücher

Auf dem Umschlag klebt ein Hinweis: Besprechung nicht vor dem Erscheinungstag. Leseexemplare, die Verlage vorab an Buchhandlungen, Presse und Rezensenten verschicken, tragen oft eine solche Sperrfrist. Sie nennt das Datum, ab dem Rezensionen veröffentlicht werden dürfen, und fällt meist auf den Erstverkaufstag, damit Leserinnen und Leser ein besprochenes Buch sofort kaufen können.

Für Rezensenten hat das eine Kehrseite. Wer ein Buch im Mai liest, aber erst im September darüber schreiben darf, hat bis dahin ein Dutzend andere gelesen, und der Eindruck verblasst. Manche schreiben die Besprechung sofort und legen sie auf Halde, anderen fällt das Schreiben „für die Konserve“ schwer. Ein Kompromiss besteht darin, mit dem Verlag zu klären, ob vorab zumindest ein kurzer Hinweis erlaubt ist.

Drei Titel, die im Juni 2013 erschienen

„Sommernachtszauber“ von Ellen Alpsten (Coppenrath) erzählt von Caroline, die für ihre erste große Rolle als Julia probt und sich in den jungen Schauspieler Johannes verliebt. Das Problem: Johannes wurde in den 1930er-Jahren während einer „Romeo und Julia“-Aufführung auf der Bühne erstochen und liegt unter einem Fluch. Eine romantische Geistergeschichte für Mädchen ab 14.

Kerstin Giers „Silber – Das erste Buch der Träume“ (Fischer) führt Liv Silber in Träume voller Türen mit Eidechsenknäufen, und die vier Jungen, die sie darin bei einem Ritual beobachtet, gehen tatsächlich auf ihre Schule. Das Buch hat den typischen Gier-Humor und eine selbstbewusste Heldin.

„Norden ist, wo oben ist“ von Rüdiger Bertram (Ravensburger) schickt die arme Mel und den reichen Paul gemeinsam ans Meer, eine Freundschaftsgeschichte im Stil eines Roadmovies für Leser ab etwa zehn Jahren.

Drei Titel mit Sperrfrist aus dem Spätsommer

Am 29. Juli 2013 erschien „Anna und Anna“ von Charlotte Inden (Hanser), ein poetischer, anspruchsvoller Roman in Briefform über eine Enkelin, ihre gleichnamige Großmutter und zwei Männer in Amsterdam, empfohlen ab 12. Am 22. August folgte „Ruby Redfort – Gefährlicher als Gold“ von Lauren Child (Fischer), ein Agentenkrimi um die jüngste Codeknackerin des Geheimdienstes. Und am 16. September kam „Die drei Leben der Tomomi Ishikawa“ von Benjamin Constable (Script5) heraus, ein verschachtelter Roman über eine tote Freundin, deren Botschaften den Erzähler durch Paris und New York führen. Der Einstieg ist sperrig, das Buch eher etwas für junge Erwachsene als für Jugendliche.

Ob eine Sperrfrist heute noch denselben Zweck erfüllt, wenn Leseexemplare über Plattformen an Hunderte Rezensenten gleichzeitig gehen, ist eine offene Frage.

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