Instagram: Liebe auf den dritten Blick – warum es dauern kann
Ein einziges Foto, dann Funkstille: So endete für viele der erste Versuch mit Instagram. Die App war im Oktober 2010 von der kleinen Firma Burbn, Inc. für das iPhone veröffentlicht worden, und wer sie im ersten Winter herunterlud, spielte meist ein wenig mit Filtern und quadratischen Rahmen und legte sie dann wieder beiseite. Neben Facebook und Twitter schien ein drittes Netzwerk überflüssig, zumal nicht klar war, was es eigentlich leisten sollte.
Der zweite Anlauf kam oft Anfang 2012, als die App bekannter wurde und im Frühjahr auch für Android erschien. Wieder ein paar Bilder, wieder die Frage nach dem Sinn. Im selben Jahr übernahm Facebook das Unternehmen, was die Skepsis bei manchen eher verstärkte.
Der Umweg über den Feedreader
Den Durchbruch brachte bei vielen ein Ereignis, das mit Fotos wenig zu tun hatte. Google kündigte im März 2013 an, seinen Google Reader zum 1. Juli einzustellen. Hunderttausende zogen mit ihren abonnierten Feeds zu Diensten wie Feedly um. Wer dabei versehentlich alle Abonnements verlor oder den Umzug zum Aufräumen nutzte, sah sich die abonnierten Seiten noch einmal genauer an, gerade die Koch- und Backseiten mit ihren großen Bildern. Und stellte fest, dass viele der Menschen dahinter auch bei Instagram aktiv waren.
Was Instagram anders machte
Die naheliegende Frage lautete: Wozu jemandem auf Instagram folgen, dessen Feed man schon abonniert und dessen Facebook-Seite man bereits mit „Gefällt mir“ markiert hat? Die Antwort lag in zwei Dingen. Erstens zeigte Instagram Bilder, die nie in einem Rezeptbeitrag landeten: den Zwischenstand im Ofen, den Markt am Morgen, die misslungene Torte. Zweitens entstanden durch das Folgen und Gefolgtwerden ganz andere Verbindungen als in den textlastigen Netzwerken. Sprache spielte kaum eine Rolle, und so fanden sich Menschen etwa aus Japan oder Schottland in derselben Timeline, verbunden nur durch einen Blick für Landschaften, Licht oder Teller.
Hinzu kam eine wachsende Zahl kleiner Zusatz-Apps. InstaWeather etwa legte Wetterdaten über das eigene Foto, andere Programme lieferten Rahmen oder Collagen. Seit Juni 2013 ließen sich außerdem kurze Videos teilen.
Garten, Kaffee und Bücher
Typisch für Profile jener Zeit war eine wilde Mischung: Teich und Garten, Haustiere, das frisch gebackene Brot, die Kaffeetasse neben dem aufgeschlagenen Buch. Gerade Leserinnen und Leser entdeckten Instagram als Ort, an dem Bücher nicht rezensiert, sondern gezeigt wurden, im Regal, auf dem Nachttisch, im Zug.
Ob aus dieser dritten Annäherung eine dauerhafte Beziehung wurde, entschied sich für die meisten erst am Algorithmus, der die Timeline wenige Jahre später nicht mehr chronologisch sortierte.
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