Teilen, retweeten, reposten: wie Texte fair weiterverbreitet werden
Ein Tweet mit einem Link erreicht in wenigen Minuten hunderte Menschen, ein geteilter Facebook-Beitrag womöglich noch mehr. Teilen und Retweeten gehörten 2013 längst zum Alltag im Netz. Ganze Texte eines anderen auf der eigenen Seite zu veröffentlichen, also zu reposten, war dagegen eher selten.
Was Reposten meint
Beim Teilen verbreitet man einen Hinweis auf einen Text, der an seinem ursprünglichen Ort bleibt. Beim Reposten wird der Text selbst, meist vollständig, auf einer zweiten Seite veröffentlicht. Im Englischen spricht man auch von Syndication, im Tumblr-Umfeld vom Reblog. Für Leserinnen und Leser hat das einen Vorteil: Ein guter Text erreicht Menschen, die der ursprünglichen Quelle nie gefolgt wären. Für die Autorin kann es neue Leserschaft bringen.
Ohne Erlaubnis geht es nicht
Rechtlich ist die Lage in Deutschland eindeutig. Texte sind in aller Regel urheberrechtlich geschützt, und wer einen fremden Beitrag vollständig übernimmt, braucht die Zustimmung der Urheberin oder des Urhebers. Das Zitatrecht nach § 51 Urheberrechtsgesetz erlaubt nur Auszüge, die in einem eigenen Text belegt und erörtert werden, und verlangt eine Quellenangabe. Ein Link unter einem kopierten Artikel ersetzt die Erlaubnis nicht.
Manche Autorinnen und Autoren stellen ihre Texte unter eine Creative-Commons-Lizenz. Dann ist das Reposten unter den dort genannten Bedingungen erlaubt, meist mit Namensnennung und manchmal nur für nicht kommerzielle Zwecke.
Wie ein faires Reposting aussieht
Wer einen Text übernehmen möchte, fragt vorher. Gute Praxis ist es, den Namen der Autorin sichtbar zu nennen, den ursprünglichen Beitrag zu verlinken und den Text nicht zu verändern. Ein kurzer Vorspann erklärt, warum er an dieser Stelle erscheint.
Viele empfinden eine solche Anfrage als Kompliment. Aus einem einmaligen Repost wird nicht selten eine Reihe von Gastbeiträgen, von der beide Seiten etwas haben.
Offen bleibt eine praktische Frage, die bis heute diskutiert wird: Soll der übernommene Text beim Original bleiben oder dort gekennzeichnet werden, damit Suchende nicht zwei identische Fassungen finden?
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